Das Buch der Natur

Konrad (von Megenberg)

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Das

von

Conrad von Megenberg.

Die erste Natargeschichte in deutscher Sprache.

lü Neu -Hochdeutscher Sprache

bearbeitet und mit Aumerkuugeu versehen

von

Dr. Hn^o Schnlz,

Professor uu ilvr l uivei^ität Greifswald. » «»DIC«> * >

Greif»wald. Verlag and Drock von Julius Abel. 1897.

5 '7C£>^. Hc>.fo

A

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III

Inhalt.

L Tom Menschen Im Allyemelncn .... . Spite i

IL Ton den Himmeln and den sieben Planeten . 48

111a Von den Thtereii Im Allyoiii«'inen .... '■>3

A- Von den vierfü.ssigen Thiereo , 2fi

B. Vom Geflügel ^ 13<i

iL Von den Me« rwiinilom . . . , .

II Von >len Fisrlien . , . . , .... 'Mi

K« Von den Srhlantten ... . . . 21!»

F. Von den Wiiiiiu rii 24.'t

VL A. Von dl»» Hn innen . . . . . 264

B. Von den wold riechenden Bäumen .... MH

IL Von .leii Kräutern .. .. , . .. . . . a2Ü

TL Von den EdeUtelnpn , , , , . . . . . ülil

HL Von den Metallen 407

Yin. Von den wunderbaren tJenlUnern 414

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Kooiad Ton Megenberg wurde um das Jahr 1309 geboren, dein Tater aeheint Vogt auf dem Schlosse Hegenberg gewesen zu sein« dessen Trfimmer vielleicht in der alten Schlossmine Mainberg, in der Nfthe ron Sohweinfnrt, heute nooh erhalten sind. Die Burg war zu der Zeit, wo Konrad geboren wurde, im Besitze der Grafen von Henneberg. Seine SohnlbUdung erhielt Konrad tu Erfurt auf dem dortigen Gymnasium und ging von da aun&chst nach Paris, wo er an der Universität Öffentliche Vorlesungen Aber Theologie imd Philosophie luelt. Auch erlangte er dort den Doktoirgrad. Im Jahre 1337 kehrte Konrad nach Deutschland zurück und begab sich nat Ii Wien, wo er die Leitung der Schule zu St. Stephan über- nahm. Hier befiel ihn eine schwere Krankheit. Kr wurde an Münden und Füssen völlig geh'ilimt, so dass er des Gebrauches der« selben ganz beraubt war. In dieser Noth hatte er im Traume eine Vision, die ihn beweg, sich zu S( hiffo nach Regensburg bringen zil lassen, um daselbst am Altare des heiligen Erbard Hfdfe zu suchen. Wahrend einer Messe, bei weicher zwei, Yon Konrad während seiner Krankheit gedichtete, Hymnen gesungen wurden und er selbst in tiefem (iebete um Befreiung von seinem I^eidcu flehte, fühlte er eine Veränderung in seinem ganzen Körper sich vollziehen und genas darauf völlig wieder.

Von da ab bliel) Konrad in Begeui^burg, wo er, wie es scheint, zunächst an St. Ulhcli Pfarrer wurde. Bald darauf wurde er zum EAUonikus am Kegensburger Dom eniaimt. In dieser Stellung, die er bis zu »einem Tode innegehabt hat, hat Konrad auf Veranlassung einiger Freunde sein Buch der Natur geschrieben. Dass er sich hoben Ansehens auch in kirchlichen Angelegenheiten erfreute, geht daraus hervor, dass er im Jahre 1357 zum Papste nach Avignon gesnntlt wurde, um dort einen Konflikt zu begleichen, der zwischen den Konvontnalon «1er regensbnrgor Abtei St. Emeran und dem rdmischeu Stuhle entstanden war. Kr brachte den gewünschten

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Vergleich denn auch richtig zu Stande. Dass er im Uebrigen mit den dsmalB In licgeusburg herrschenden Zuständen nicht YfSHWg zn* frieden war, geht ans seinem Buche der Nator deutlich hervor. Wo es mOgHeh ist, ergreift er die Gelegenheit, seinen Amisbradem derb und grfindltch seine Meinung zu sagen. Der damalige Bischof ▼on Regensburg, Friedrich, Ton Geburt ein Burggraf von Nflrnberg, hatte durch unsinnige Yerschwendnng das KirchenvermOgen schwer geschädigt und mit den zu ihm haltenden Klerikern das Ansehen der Geisttichkeit herabgewfinligi Es spricht fOr Konrad*8 Oesionnog und Charakter, dass er diesem Treiben en^gentrat, und er hat an seinem Theile redlich daza beigetragen, dass Bischof Friedrich im Jahre 1367 seines Amtes entiboben wurde. Ihm folgte auf dem bischöflichen Stuhle Konrads Freund, Herr Konrad von Heimberg, der im Buche der Natur auch erwähnt wird.

Der 14. April des Jahres 1374 wurde Konrads Todestag. Er starb in seinem 65. Lebensjahre. Bieben Jahre später wurde zur feieriichen Begehung seines Jahrestages im Frauenstifi zu Nieder- mfinster, wo er beerdigt worden war, eine Stiftung begrflndet

Das Buch der Natur entspricht in seinem Inhalte, wie auch nicht anders möglich, den Anschauungen der Zeit, in der es ent- stand. Die Lehren des Aristoteles beherrschten die einzelnen Disciplinen der Naturwissenschaft wie sie es seit dem Hiugnngo des grossen Stagyriten gethan hatten und noch lange nach der Zeit, in der Konrad von Megenberg sein Buch schrieb, thun sollten. Die Vorgänge des Lebens und ihre Grundgesetze hatte Galeuus fest- zustellen versucht. Die Lehren beider Männer begegnen uns im Buche der Natur wieder, aber in der Gestaltung, die sie durch die Epigonen und besonders die arabischen (belehrten er- fahren hatten. Die Begriffe Qber anatomische Verbältnisse sind noch ganz verworren, ein Unterschied zwischen Blutgefässen nnd Nerven zum Beispiel kaum vorhanden. Die vier Elemente bilden das Baumaterial des menschlichen und thierischen Körpers. Die Lebensfunktionen werden unterhalten und bedingt durch das Ver- hältniss zwischen den vier Gmndflflssigkeiten: Blut, Schleim, gtShe nnd schwar/e Galle. Die Verarbeitung dieser Ansichten durch Cralen, den Meister des, das Denken so sehr erleichternden Sche-

'1 Dassellx' ist von Fr. Pfeiffer im Jahre 18G2 nach den Han<l Hchriften veröfiTeotliclit Die$e Au.skaI>^ bildet die Grundlage meiner Arbeit.

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matisirenn, hatte wesoiitlich dazu beigetragen, sie zum Alli^oineiiigut (lor Kroiso zu inachen, die sich der Natur der Bache iiacli für sie irit« 1 « -ii*Mi niussteu. Die Bemflhunm'n, oin Bild der Voriräiiuc «Ics Lebens zu erhalten, Bestrebungen, die das Fundaniejit aller wissen- schaftlichen Arbeit bilden werden, po lanLce es Meuschen ge])en wird, hatten dann weiter auch zu l)eson(Ioren Ideen und Begrift'eii über die geelischen Vorgänge in> helebten Organismus geführt. Drei Arten von («eist waren es, die nacli der Vorstellung der Alten den Leib belebten: lier Seelen-Geist, der Lebeus-deist nnd der Tiaturliche oder or<:aniselie Cieist. Der erstgenannte hatte seinen Sitz in den (Jebilden, an deren Aufbau die >«'ervensubstanz wesentlich betheiligt ist. Vom Gehirn aus zog der Heelen-CJeist durch die, als Kühren gedachten Nerven. Der Lebens-Geist war im Herzen nnd den Schlagadern thfttig, und der natürliche Geist strömte tou der Leber aus durch die OefSsse dabin. Unklar wie alle diese Vorstelhingen waren und, wegen des Hangds an positiTen Kennt- nissen in der Anatomie und Physiologie sein mnssten, sind folgte- richtig auch die Begriffe, die man sich aus den Ergebnissen des Zusammenwirkens der einzelnen, hier erwähnten Momente gebildet hatte. Einer ^el sp&teren Zeit ist es Torbehalten geblieben, Licht in das Dunkel zu bringen, ein Vesai musste mit kühner Hand die Geheimnisse des Baues des menschlichen Körpers durchforschen, den Iirthnm seiner Yorgänger aufdecken und seinen Nachfolgern die Bahn frei machen und den Weg ebenen zu neuen, der Wahrheit entsprechenden Befunden.

Bei seiner Bearbeitung des Buches der Natur hat Konrad von Megenberg selbstrerstSndlich andere Autoren mit benutzen mfissen. Seine Hauptquelle ist das, etwa hundert Jahre fröher geschriebene Werk: lieber die Natur der Dinge. Dasselbe, in lateinischer Sprache abgefasst, hatte den Dominikaner und Schfiler Alberts des Grossen, Thomas von Cantimpre, zum Verfasser. Aber Konrad hat sich nicht damit begnflgt, wie es zu jener Zeit beliebt war, diesen Autor einfach auszuriehen und fOr seinen Zweck allein zu Terarbeiten. Er bemerkt ausdröcklich, dass er auch in anderen Bflchem Be- lehrung gesucht habe, wo ihn das Werk tou Thomas im Stiche liess. Was die, von Konrad angefahrten, als Beleg der einzelnen Angaben dienenden Namen anbelangt, so ist darflber zu bemerken, dass dieselben auf absolute Genauigkeit keinen Anspruch machen können. Die Schuld triül aber Konrad nicht allein. Seine Vor-

will

gänger, deueu er soiiio Augabeu eutlehiien luiuste, hatten «»s nicht besser gemacht, und die irrigen Angaben vererbten sich einfach vorn Einen auf den Andern. Wir finden manche Aeusserung durch Anfüliniug eines berühmten Namens illnatrirt, dessen Trilger an der Sache ganz unschuhlig war, ein/i-lno Xamoii sind auch ganz verkehrt wie<leriregebeu. So ist iler oft genannte Adelinns mit Aldhelnius identisch. Wer tler jüdische («elehrto Tethel gewesen iRt, liahe icli. trotz vielfachen Sucheus uud Nachfrageos nicht her- uusbekütinufii koniuMi.

Zwei I'uukle sind es, die uns Mt>^t'i>l)pr«^8 Buch bt*s(>n(l«n's zu- ziehend und werthvoll luaclien. Es untcrsclieidcr sicli zunÜLlist von idleu älnilifhen Erscheiuunj^on der duniali^^en Zeit daihin li, ilass e« in deutscher Sprache »eiuou uaifasseudtMi Inhalt auch dem, des Lateins unkundigen Laien, zngänglicii nuichtc So konnte sich Jeder, der die Kunst des Lesens erlernt hatte, aus Koura<ls Nuturgeschichte über Das, was ihm wissonswerth tlünken mochte, unterrichten. Die grosse Anziihl der noch heute vorhandenen Handschriften zeigt, dass Kuunul von Megenbcrg schon hierdurch allein einem Bedürf- nisse Kechnuug getragen hat, das, von weiteren Kreisen gefühlt, iu dem scholastischen Latein seine Befriedignng nicht findeu konnte.

Wir haben in Konrad von Megenbergs Buch der Natur die erste deutsche Naturgeschichte!

Der zweite uml für uns heute das Inttuisse beim i^esen des I5ii( hes in ganz besonderer ^^'oise erregemle Um?itand ist dieser: Die einzelnen Angaben uml Mitrht ilungen, die uns iu ihm entgegen- treten, sind nicht einfach fremden Quellen entlehnt und abgeschrieben! Ueberau begegnet uns das Bestreben Konrads, sein Material, wo es irgend angeht, kritisch zu bearbeiten. Erscheint es ihm nothwendig, 80 beleuchtet er die fremden Angaben näher, prüft sie auf ihre Richtigkeit, macht auf UnwahrscheinHchkeiteu aulnierkBam, versucht die Bewei^fibruDg der Berechtigung seiner abweichenden Anschauung^ und zensiert manche ehrwürdige Uebertieferung einfach mit den Icorzen Worten: Das glaube ich nicht! Konrad steht dadurch wesentlich höher da wie die grosse Ansaht von Schriltstellem jener Zeitepoche, die Aber ein blosses Zusammentragen Älterer Berichte eigentlich nicht hinauskamen. Weiterhin versteht es Konrad, an passender Stelle selbst Erlebtes und Beobachtetes einzuflechten. Dadurch gewinnt sein Buch noch mehr den originellen Charakter, der fflr mich ein Hauptmoment gewesen ist, obwohl nicht Germanist

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noch auch NatarwiasonBchaftler Yon Fach, den Versuch au unter- nehmen, Konrad Ton Hegenbergs Werk einem grosseren Leserkreise zagftnglich zu machen. Die einzehien Thiers und Pflanxeoarteu, von \ denen Konrad nns berichtet, in jedem Falle genau m deuten, ist manchesmal auf unflberwindlicbe Schnrierigkeiten gestossen. Die Dtirftigkeit und Unklarheit einzelner Schilderungen machte es oft unmöglich, auch nur annfthernd festzustellen, was gemeint war. Bei vielen anderen Einzelbeiten musste ich mich damit begnügen, Möglichkeiten anzudeuten.

Koiirad an iluii passend erscheinenden Stellen religiöse Fragen in seine Naturgeschichte liineinflicht, ist durch seine äussere Lebensstelhing ebenso bedingt gewesen wie durch die ganze Denk- weise seiner Zeit. Für seine damaligen Leser konnte aber, wie ich meine, sein Buch durch ein derartiges Hineinadehen religiöser Mo- mente nur gewinuen. Es war Konrad hiennit nicht minder Emst, wie mit sdnen natnrwissenschafitMchen Bestrebungen. Dass er flber- aU nur auf Wahrheit und Hecht dachte, geht aus seinem Buche klar genng hervor. WiU mau einen Autor aus einer, nns fem ' liegenden, Zeltcpuche vollinhaltlieh verstehen und begreifen, so muss man versuchen, sich möglichst der Denk- und Anschauungsweise seiner Zeit anzupassen. Es ist das eine unabweisbare Bedingung, ▼enn man dem Sinne eines solchen Buches, wie des vorliegenden, völlig gerecht werden will.

Das Studiuni des Buches der Natur giebt uns, wie ich denke, bei der Keiclihaltigkeit seines lidialtes, ein gutes Bild der natur- wissenscliaftlichen Begriffe und Ideen, wie sie sicli vor tinnmehr 500 Jahren gestaltet hatten. Unwillkürlich entwickelt sich beim Lesen von Kourads Buche ein Gefühl dankbarer Anerkennung des Gebotenen. Es ist das ^Verk eines, in seiner Klause schaffenden und überlegenden Gelehrten, dem für die Erscheinungen und Vor- gänge in der Natur ein helles, offenes Auge und der Trieb verliehen gewenen ist, das Geschehene nicht einfach als solrlies hnizunehmen, süuileru es zum (legonstniide seines Nachdenkens zu machen. Das, was er gesehen, l)eol>iicht«}t und «ins fremder Quelle als eigenes Gut erworben, luit Konrad seinen Zeit^^enossen nicht vorenthalten wollen. Er hat dadurch in einer •schweren Zeit, wo der schwarze Tod, die Pest, Länder verwüstend und Men.s( hen mordend unser Vaterland verheerte, au seinem Theile mächtig zur Verbreitung

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natarwiaseoschafdicher KenotniaM beigetragen, trotz der zahlreicheu Irrthflmer, denen er als ein Kind seiner Zeit nothgedmngen unter-^ liegen muaste. MOge der Leser dieser Uebertiagung seines Boches in unser gewohntes Idiom einen Theil des Genusses empfinden, den mir die Anfertigung derselben in reiehem Jlaasse gewährt bat

Ii. ächuls.

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I.

Tom Heißdieo im Allgemeinen.

Gott scliiif d(M! ^Ipiisrhen am spcbstt'n Ta»^e nach den anderen Kreaturen und hat ihn so gesehatVen, dass er in Ueist und Leib dio (»esetze des Weltalls wiederspipgelt. Der Mensch hat Vernunft wie die Engel; kein anderes Wesen ausser den Engeln un<l dem Menschen ist mit Vernunft begabt. Desshaib kann nnob kein Tliirr, im (t»>i,nm- satz zum Menschen, eine eigentliihe Kunst erlenieii. l)it> Set'lf bewe^T (b'u iihmisi lien Kftrper von Ürt zu Ort geiadeso, wie tler Hininielsleiiker ileii lliinnud l>ewegt. Darin fjleicht der Mensch dem Ilimmt'l. Wie die Sonne in der Mitte /.wLschen den andfien Planeten steht, damit ihr Licht die übrigen Sterne über und unter ihr bestrahle, ebenso hat auch das menschliche Herz seinen Sitz mitten im Leibe, um die (tlieder mit Kraft versidu-n zu küuuen. Der Mensch ernährt sich mit E?«son und Trinken, wächst und vergeht. Darin gleicht er den Bauuitii und Kräutern und über- haupt allen Lebewesen, die auf Nahrung angewiesen sind. Der Mensch besteht aas den vier Elementen : Feuer, Luft, Wasser und Erde und entspricht darin den Steinen und Metallen sowie alledem, was aus den Elementen hervorgeht. Aristoteles lehrt: So lange der Mensch noch ein Kind ist, nimmt er zur Weiterbewegung die Hände zu Hfllfe, danach sehreitet er aufrecht auf den Füssen allein bis zum hohen Alter, wo er sich wieder zur Erde bfickt und so an sich selber beweist, dass er Ton der Erde gekommen ist und wieder zu Erde werden muss.

In Kürze habe ich hier gezeigt, wie der Mensch der gesammten Aussenwelt gleicht Die griechische Sprache hat fflr diese Eigen» Schaft den Ausdruck: „Mikrokosmus", das heisst so iriel wie „kleine Welt**. Fein gebildete Leute })Hegen desshaib auch wohl zu sagen: Ich habe die ganze Welt in einer Haut gesehen.

1. Von der Hinisehale«

Wir wollen nunmehr von allen Theilen und Gliedern des menschliehen Ksrpers sprechen und zwar zunächst vom Kopfe. Der

ScliQlx, Konnd von M«g*Bliwg*li Bud d«r Siilar. 1

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menBclilicho Soliü<leI besteht aus luirteii Kuoehon mit vielen, zumal am männlichen Scliiulol zahheieh Torhandeoeii Nähten. Eine Xnht vorläuft um das (veHtcbt Jetloch hat man auch zuweilen mensch- liche Schädel <r»'sehen. an denen sich gar keine Naht befand. Es deutet das auf ein selir hohes Lebensalter ilirer eliHmaliirfn Bcsitaer, tlenn mit zunehmendem Alter druckt äi( h <iie Hirnschale nu>hr zu- Mmnien und wird dicker. Der kindliche Schädel ist unvollkommen entwickelt bis zu der Zeit, wo die Sprache anfängt, wie ich her- nach zeigen werde, wenn vom (iehirn die Kede sein wird. Der Schädel enthält drei Kammern. Die erste Kammer liegt im Yorder- haupt. Sie birgt die seelische Kraft, welche Fantastica o«ler Inm- ginaria, zu deut.sieh: Kinhildungskraft genannt wird, weil sie die Kindrücke und Aehnlichkeitsverhältnissc aller erkennbaren Dinge in sieh anfninimt. Die zwoire Kaininci-, mitten im Schädelinnereu «ge- legen, bililet den Sitz der 'j-eistiiren Fiilii^keif. welche Intellecf nalis (ider Veriuml't lieis-.t. Im 1 IiiiUirliau(>t tiiideu \sir dl»- dritte Kammer, bestimmt zur Beliausung der SeeUniknift. welche den Namen Me- morialis, zu «leutsch: (Jedächtniss führt. hiese drei Seolotikräfte ntnfnHsen den ganzen Krei.»t der ^'''^'tisjen Krkeuntnihb. Die erste wird befrurhtW durch den Eindrn( k iler in der Anssonwelt wahr- nehmbaren Dinge. Der Eindruck Cellist wiril vermittelt durch die fünf äusseren Sinne: (Jesicht, (lehör, Cierut Ii, (ie.si iimark nrnl (iefühl. Die zweite, in der mittleren Kammer betindiiclie Kraft wägt und benrtheilt <len Werth d«'r «,'ewonneiien Kimlriiek«' wie eine kluge HaustVau eine ilir an^M-lioteiie W'aare. Die dritte Kraft in der letzten Kammer hütet und iiewahrt die erhaltenen Kindnieke und verarbeitet und durchforscht sie sorglich, wie eine /.uverhUsit^n' ik'- schlies.siuiu. .Man sieht deshalb auch oft, dass ein Mensch iu Folge schwerer Verwun<lung «les Hinterkopfes sein (Jedächtniss verliert, oder seine Vernunft einbüsst nach einer Verletzung oder ein«*ni schweren Schlag auf dae Vorderhaupt. Aristoteles lehrt, dass jedes Thier ebenso eine harte Hirnschale besitze, wie ein Baum harte Wurzeln. Der Baum zieht uimlich seine Nahrung aus der Erde gerade so wie der Mensch sie mit dem Munde aufnimmt Desshalb heisst auch der Mensch auf Griechisch: Antropo.«, was auf deutsch: umgekehrter Baum bedeutet. 0 Denn wie der Mensch

') Kille der vit'leii wuiiderUfhen Ktyinologiceii K<inratl"s, die uns naiM-iitli Ii Ihm der Ueschreibung der Thier« und Hflaozeu wiederholt lie« gegucu wcrUcu.

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sein Haiijit liiiiiinohviirts und dio Fiisso zur Hrde «j^ekolirt liat, so Init der Baum seiueu Kopf in der Erde uud die Fusse zum Himmel hin gerichtet.

Das Haupt It-iilet oft iiiul aus vit-len ürsncbon. itesonders durch Hitze und Kalt»', sohleidiie Ernähniui; und schwcrt' Arbeit. Stammt das Kopfweh von der Souneiihitze im SoiniiKn" her, so wasche den K(»pt' und reihe ilin mit Pap|)td.sail>(' «'in. Diese findest Du in der Apotheke, sip wird vom l*nj>)>('Uiaum j^'cwonnen, wie wir hernach berichten werden, wenn von den Bäumen die Kede ist. Auch soll man sieli an s( liattiuen. wiiulbewegten Orten aufhalten und mit Brunnenwasser, daa mit Stahl abgekühlt ist, das Haupt kühlen. Kommt aber der KoplWlimerz von Erkältung her. so wascliu den Kopf gründlich mit warmem Wasser und salbe ihn mit Dialthea- salbe, die auch in der Apotheke /u haben ist (denn Du musst nicht denken, dass ich über jedes Wort hier ein halbes Blatt voll sclireiben soll), oder nimm Oalgantwurzel, kaue sie längere Zeit und halte dabei Mund und Nase zu, damit ihr Geruch in den Kopf ziehen kann. Leidet der Kopf durch Fasten und Arbeiten, so isa häufig aber immer nur wenig auf einmal, wasche Dich mit warmem Wasser, nimm täglich innerlich Muskate, rieche häufig an GewArs- nelken und schlafe Dich ordentlich aus.

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3. Tom €h>lilni.

Jetzt wollen wir vom Gehirn reden. Wie Aristoteles lehrt, ist das Gehirn kalter, das Herz dagegen warmer Natur. Aus diesem Grunde liegt das Gehirn hoher wie das Herz, damit die aufsteigende Wärme des Herzens die Kälte des Gehirns mildem kann. Den- selben Gegensata zu einander zeigen auch die übrigen Orgaue des menschlichen Kdrpers, eins ist feucht, das andere trocken, eins kalt, das andere warm. Die Natur lässt zuerst das Herz entstehen, danach das Gehirn und formt das Gehirn grösstentheils aus Erde und Wasser. Daher rührt auch seine kalte Beschaffenheit Galen us sagt, das Gehirn zerfalle in zwei Hälften, eine rechte und eine linke, und die Naturkundigen lehren weiter, dass die beiden Hälften durch eine dünne Wand von einander getrennt seien. Dieselbe scheidet anch die mittleren Himkamniem von einander. Das Gehirn ist nicht als eine Ausscheidung des Organismus zu betrachten wie die Übrigen, Tom menschlichen Köiper gelieferten Se- und Exkrete, auch ist es nicht sehr widerstandsfähig. Jedoch entsteht es zur selben

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Zeit wie die fibrigen Theile de» tnenschlichen KOrpen. Das Gehiro eoih&lt weniger Blut wie alle anderen, Sftfte fOhrenJen Organe des Menschen. Es ist in seiner Substanz kein Blut erkennbar. Gleich- wohl erg^esst sich von ihm aus in die Ohren gelbe nnd in die Augen schwaize Galle sowie Schleim in die Nase. Das Gehirn hat zum Theil die Consistenz eines weichen Teiges, und da es frei ist von Blut, 80 findet sich auch keinerlei grosseres oder kleineres Gefftss in ihm, geeignet Blat zu fahren. Dem Gehirn fehlt der fOnfte Sinn, das Gefflhl, ebenso wie es beim Blut oder den Sekreten der Fall ist Aus diesem Grunde merkt ein Verwundeter es nicht, wenn man den Finger an das freiliegende Gehirn bringt, ebenso wenig, wie wenn man sein ]ia<ir oder seinen Zehennagel berührte. Ginige Aerzte sind allerdings der Ansicht, dass das (lehirn eine an ihm hervorgerufene substantielle Verletzung wohl fühle, aber nicht im Stande sei, den Uebergang von Warm in Kalt und von Trocken in Feucht wahrzunehmen. Das (iehirn dient im menschlichen Körper nur zur Erhaltung des organischen Lebens, ebenso, wie die nie<lrige Temperatur in einem Keller zar Conservirung des- Weines noth- wendig ist. Im Verlmltniss zu seiner (Jrösse hat der Mensch ein grösseres Gehirn als alle anderen Thiere, auch ist das Gehirn des Mannes voltuninJ^ser als das der Frau. Plinius giebt an, dass im menschlichen Gfliini otitp grosse Anzahl kleiner Knr.cholrhon sich befinde, ijnd Aristoteles lehrt, dass es weder übermiissii^ tcuclit noi'li auch besonders trocken sei, sowie, dass es von zwei Häuten »'iii^esehlossei! ist. Die eine lie<rt unmittelbnr »mter der Hirnschale, ist die stiirkere von lieiden und em})tindet Verletzungen im (i»'ü:en- satz y.n der antleren. Der CJrnnd dnfür ist der, »lass iu der dirkoreii Hirnhaut sich einige blutfuhrende (iefässe befinden und zwar da» wo Hals und Kopf aneinander grenzen. Auch behauptet Plinius, dass nur die Thiere stddafen, welche ein (iehirn besitzen.

3. Vom Haar.

Das Haupthaar »les Mens* heu entsteht aus einem rnlion. irdischetK sowie aus einem heissen, mit zäher Feuchtigkeit ver- setzten Dunst. Das Gr;iuwerden des Haares rührt her von der Kälte des Gehirne in den Fällen, wo di«> natnrli( he \\ arme so weit sinkt, ilass sie die Kälte iles Gehirns zu tiiililerii nit lit njehr im Staude ist. wie zum Beispiel iui .\ltef n.lt^r in Folge von Sorgen oder durch ausschweitVnden LelKMiswandel. Das Haar füllt in Folgt*

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grober £mfthruQg8Störungeii aus, sowie wenn sich im Haupt oder im Leibe faulige Flüssigkeit ansammelt, wie bei den Aussätzigen wahrzauehmen ist. Die Mftnner verlieren die Haare leichter wie die Frauen und die Castraten, weil diese kälterer Natur sind als jene. Dcsshalb auch werden die hitziger veranlagten Männer durch unkeusches lieben kahl, im Gegensatz 7.11 den Weibeni, weil diese eben kälterer Natur sind. Aristoteles giebt an, dass in den kalten Ländern Menschen und Thiere langes, nicht ge- kräuseltes, häutig auch weissM und hartes Haar besitzen, woliiu- gegen in den heissen I>äudeni, wie im Mohrenlande zum Beispiel, das Haar kraus und schwarz ist. Das rührt *1avon her, dass der irdische Dunst, aus dem das Haar entsteht, durch die Kälte aus- gedehnt wird, wog^fLTon die \N'arme den Dunst zusammenzieht und das Haar siel» kräuseln liisst. Foruor findet sich bei Aristoteles die Angabe, dass alle starkbehaarten Thiere und Menschen einen besonders entwickelten Uoschlechtstrieb besitzen, ebenso wie die aussergewöhnlich reich mit Ft'dMm ausfjestatteten Vögel. Die grAsste Menge Haar findet sich heim Meusclien auf dem Kopfe, damit das Gehirn vor starker Kälte und tibergro^ser Hitze tref>ciiut/.t sei. Plinius l>emerkt, dass lud einigen alten Leuten in dm' erstt»n Zeit nach dem Tode du.s llanr noch gewachsen sei. Es kommt das iiaher, dass der Dunst, aus dem das Haar eutsteht, sich jioch so lauge in ihnen erhält.

4. Vom Schlafe.

Der S( lilaf ist nicdits .Anderes, als ein Zurürk/.ieiieu der Seele in sich seihst, wie IMinius sagt. Ich fasse das so auf, dass der Schlaf als eine Art Kückzug der nach Aussen gerichteten Seelen- kräfte zu betrac Ilten ist. Diese Kräfte sind Hören, Sehen, Riechen in; I »iie übrigen Sinnesfunctionen. Die Ursache fHr das sich nach liiuen-Kehren der Sinne liegt enfwe<ler in einer Trütuing der Lebens- geister oder auch in der Lrniüdung der einzelnen Organe. Desshalb wird der Mensch leicht schläfrig nach dem Genüsse blähender Speisen wie Knoblauch, Porree, Zwiebeln und dergleichen oder berauschender (Jetriiuke, wie schweren Weines und Aehnlichem, Der vom Magen aus in das Haupt hinein aufsteigende Duust trübt nem- lich die Lebensgeister so, dass die der Seele eigeuthfimiiehe Kraft ihre Herrschaft über sie verliert. Desshalb auch werden die Leute in Kellern, in denen Most vergährt, ohnmächtig. Auch nach an-

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streiigeuder Arbeit äclilüft der Mengch leicht Ich hiibe ul>eti ^'e8a;xt, (laas der Schlaf die Fol^o des sieb ZiiruLk/.ieliens der äusseren Seelenkräfte sei. Diu inneren Seolenkräfto l)leibeu uemlich häufig wfthreiid des Schlafes wach. Wir bemerken das zum Beispiel beim Träumen und können es bei den f.euten sehen, die im Scbkifo auf- stehen und auf die Dächer klettern, ivinder träumen vor dem dritten oder vierten Lebensjahre nicht. Aristoteles fOhrt hierzu noch an, dass es Personen gegeben luibe, denen nie geträumt sowie andere, die nur im hOheni Alter Träume gehabt hätten, worauf sie eatweder starben oder doch iu schwere Krankheit verfielen. Einige Formen der Ohnmacht sowie auch cUe ekstatischen Zustäude sind dem Schlafe ähnlich.

&• Ton den Ingen.

Die Angen bilden zwei kostbare Bestandthetle dos menscblichen Kdrpers, denn mit Hfllfe des in ihnen befindlichen Sehorganes er- fahren wir Aber die Aussendinge mehr, wie mit irgend einem der anderen äntseren Sinne. Aristoteles lehrt, dass die N&be des Gehirns die Beschaffenheit des Sehorganes beeinflusse, da es, ebenso wie das Gehirn, kalter und feuchter Natur sei, was bei keinem anderen Organe sonst zutreffe. Das Sehorgan liegt vorne im Schilde], denn das Thier soll sehen können, was Tor ihm sich befindet A^om Gehirn zu den Augen rerläuft eine hohle Ader, Opticus genannt, bestimmt, die eigentliche geistige Sinnesth&tigkeit den Augen zuzuführen. Wird sie verstopft, so tritt Blindheit ein. Im Verhältnisse zur Körpergröese stehen beim Menschen ^e Augen näher bei einander, wie bei irgend einem anderen Geschöpfe. Beide Augen können nur in derselben Richtung sehen, damit nicht das eine Auge etwas Anderes wahrnimmt wie das andere. Weil die Substanz des Auges faule Feuchtigkeit und giftigen Dunst enthält, so wirkt es häutig auf die äussere J^uft wie auch auf Thiere, die von seinem Blick getroft'en werden, schädlu h ein. Wir sehen zum Beispiel, dass neue Spiegel durch den Anblick in Menstnio befind- licher Frauen He( ki«^ werden, oder dass in einem, von ihren» Blick getroffenen, kranken Auge sich Blasen bilden. Desshalb sagt auch Avicenna, dass ein Weib durch seinen Blick ein Kameel in einen Graben schleudern könne.

Das menschliche Auge bedarf des Lichtes. Jedoch findet sich die Angabe, dass der Kaiser Titus des Nachts iu der Dunkelheit

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grade so gut habe sehen können, wie am h»'!!**!! Tnp», auch seien ieiue Augen durch den langen Gebrauch im I'iiistt-ni nicht schwächer geworden, wie bei anderen Menschen iler Fall zu sein pflegt.

Form und Farbe der Augen sind der Spiegel der guten oder \tOt»n Sinnesart ihres Besitzers. Die Oelehrten berichten von einer besonderen Kunst, die Zeichen zu erkemieo, mit <loren Tliilfe ersicht- lich iit, ob ein 3Icnsch mäsaig oder unmftssig, furchtsam o<ler tapfer, tniarig oder fröhlich sei, ob er hasse oder liebe, ja, Plinius sagt gradezu, dass die Seele iu deu Augeu wohne. Das Auge ist von Schalen, dünnen Hüuten, umgeben, welche die kristallinische Feuchtigkeit umhüllen, auf der die Sehkraft Ix^ruht. Külte ist für die Augen gesund, Hitze dagegen schü^iliih. «la nie die Sehkraft vermindert. Der Spiegel des Auges ist so wvit iiinfassend, «ia^s «h r kleine Augapfel «las Bild eines ganzen Menschen oder eines noch grösseren rSpf^'enstandes aufzunehmen im Stand«' ist. Die Austen sind so zart j^eartet. dass sie Icir-iit ;.;i'trnl)t werden können und in pol-^p .U'ssiMi gar niclit mehr oder doch nur schltnlit sehen. tJleieh- hl haben einzelue i«eute nach zehnjähriger Blindheit ihr üesicht wieder erhalten.

Von den Augenbrauen.

Die Augeubran»'n >in(l für «liy .Vugfii nothwendig, damit während de« Schlafes von ausserhalb Ni« lit.x in s Auge i^^tTathe. Desshalb beiiaupttu auch die (ielehrten. dass dif Augenbrauen »lon- selben Zwfck haben, wie df»r Zaun um i'inHii ( liirten. Ich bin aber der Aii>i<'ht. ilass die Anu'enhrauen von der Nafur zur Zierde des meiisclilii hf Ji .Vuges gesi liafb n sind. Am hiibschesten sind die braunen, sanftgeschwungenen, wie vom Maler gepinselten <ler Frauen. Beim Manne sollen sie starker und kräftiger entwickelt sein.

7. Von ilfn Ohren.

Da« Ohr ist ein Fenster am menschlichen Korper, inwendig hin und her gekrilmmt; die Weisen nennen es eine Thflr oder Pforte der äeele. Am Ende des Fen8ti>rs, nach dem Oehim hiOf befindet steh ein zartes Hiittchen. In ihm liegt die eigenthOmliche II<krkraft, Jeglicher Ton golangt an dasM^lbe, und w^nn es verwahrlost wird« winl der Mensch tauh. Jedes mit Ohren vi>rsehene Thier kann dieselben bin und her hewi^en« der Menxeh aber nicht. Ich meine damit di jenigen Thiere, die Aus)«erlirh sichtbare Ohren haben.

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Doch habe ich einen Menschen gesehen, der seine Ohren wie aurli die Kopfhaut bewegen konnte. Der oben erwähnte Sitz iler ( iohör- kraft liesrt nacii dem Hlnterluuiitte hin. oh findet sich daselbst nur Luft, kein Fh'isch notli auch ( JehirnsubsLcUi/.. Das erstgenannte Häuteheu ist mit natürlii her Luft gefällt, die Luft nimmt den Ein- «Iruck jeglichen Tones auf. Zuweilen ereignet es sieh in Folge von Krankheit oder tou unmässigera Essen und Trinken, dass in dem, von dem Häutcheu gebildeten Baum eio fremdartiger Dunst sich Inldet, der hin und her sieht und au die Wftnde des Oehörorgauei anstöwt. Ist das der Fall, so haben die Leute das Oefflhl, als panke Jemand in ihren Ohren. Das innere Ohr ist rund gebaut und liegt sehr nahe der Mitte des Kopfes. Desswegeu hdrt der Mensch Ton jeder Richtung her, komme der Ton von oben oder unten, too hinten oder von vorne. Die äussere Luft, die die Töne fortpflansl, muss die in der feinen Haut eingeschlossene Luft in Bewegung setzen, damit diese wiederum den Ton suni inneren Ohr fortleiten kann.

8. Von der Nase.

Die Nase ist der Sita des Geruchssinnes, mit dessen Hülfe man die verschiedenen Oerfiche unterscheidet Ausserdem dient die Nase dem Menschen zum Athemholen sowie zum Niesen, um sich von der aus dem Gehirn stammenden Unreinigkeit zu säubern. Das Niesen kommt dadurch zu Stande, dass die haft im Gehirn in Bewegung gerftth und die dort angesammelte Feuchtigkeit heraustreibt. Weitei^ hin vermittelt die Nase den freien Wechsel zwischen der äusseren und der inneren Luft, welche sich in den feinen, vom Herzen ent- springenden und zum Gehirn hinziehenden Gefässen vorfindet Zu bemerken ist ferner, dass der Geruchssinn seinen Plate oben in der Nase, nach dem Gehirn hin, in zwei fleischigen Gebilden hat Werden diese mit überschflssiger, aus dem Gehirn abfliesseuder oder von der feuchten Aussenluft herrührender Flfiesigkeit fiberladen, so riecht der Mensch schlechter wie vorher. IXiher kommt es, dass man beim Schnupfen nicht so gut riechen kann wie sonst. Die Jagdhunde wittern zur Zeit der Dorublfithe weniger scharf wie gewöhnlich. Einzelne Menschen giebt es, die nie irgend welche Geruchsempfindung gehabt haben, weil bei ihnen die oben genannten Gebilde von Natur aus schlecht entwickelt sind.

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9. Vom Barte.

Der Bart keuuzeiclmt't heiin MeMschen iliis männliche Ge- schlecht. Wie da8 Haupthaar entstellt aiicli er aus einer dunstigen Aussolieidnnu:. Männer von hitzii^ein Teniju'rainent haben einen stärkeren Rart aU kältere Naturen, weil jeue mehr von soh'heni Dunj^t in sich haben wie diese. Ks ^^iebt aber auch hier und da Frauen mit bärtiger Oborhppe, ein Anzeichen dafür, dass sie sehr hitzigen Temperaments und jähzornig sind. Von Jugend auf ihrer Zeugung^kraft beraubte Männer sind bartlos, weil ihnen die zum Waehatihitin des Bartes nothweudige innere Wärme fehlt. Wird ein erwachsener Mann entmannt, so fSlIlt der Bart aus, auch nimmt die mannUche Gemflthsart einen weibischen Charaeter an.

10. Tom Hände«

Der Mund ist Sitz und Organ des Geschmackssinnes, den das Thier zur Ernährung nöthig hat. Im Yerhältniss zur Körpergrösse hat der Mensch den kleinsten Mund unter allen Lebewesen. Das Maul der Thiere ist breit und klaffend, der menschliche Mund eng und rund. Das beweist, dass der Mensch im Essen und Trinken massiger sein soll wie alle anderen lebenden Geschöpfe; leider aber ist er in seiner b5sen Art der Gefrftssigste von allen. Geschmack und Gefühl haben ihren Ursprung im Herzen, die anderen drei Sinne entspringen im Kopfe. Der Geruchssinn nimmt die Mitte zwischen den dreien ein, der Gesichtssinn liegt darüber, das Gehör zur Seite. Bei allen Tbieren befindet sich der Sinn des Gesichts Ober dem des Gehörs. Der wesentliche Thell des Geschmackssinnes liegt in der Mundhöhle, besonders in einer durch die Zunge Ter- laufenden Ader.

11. Von den ZShnen.

Die /,n!inp bestehen aus harter Kno<>)ionsnbstanz nnd sind in Fol«:e dessen feuerbeständiger, wie die anderen Tlieile des rliierisclien Organistnus, wie Plinins lienierkl. Ambrt.sins behau]>tet, dass bei aih'u mit Zähnen versehenen Wasserthieren dieselheii gross, nahe aneinnmier irenkkt und scharf sind, damit die Nahninsf schon im 31 linde möglichst fein zertheilt und ohne Beschwerde kurzweg ver- schluckt werden kann. Anderufnlls würde das durchtiiesseude

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Wasser die Speise mit sicli i'orrlülireu. Kein Fisch kaut wieder, mit Ausualuae des Fisches Scaurii^.

Nach Aristoteles fehlen allen gehdriiteu Thiereu im Über- kiefer die Zähne. Als Ersatz dafür liesitzen sie einen doppelten Magen. In den Vordennagen kommt die Nahrung /.utiachst und bleibt Ins /.um Weichwerden tlarin. Dann wird sie wieder hervor- geholt un<l nochnnils dniehgtkaut. und das heisst Wiederkäuen. Man kann das bei Kindern und Schafen sowie bei anderen wilden und zahmen Thieren beobachten.

Plioius theilt die Zähne in drei verschiedene Arten ein: Säge- oder KamnuEiliiie, wie rie bei den Schlangen, Hunden und Fiwlien •ich finden, ecbarf und mit weit auseinanderBteheuden Spitasen, wie die Zähne an einer Sftge oder einem groben Kamm. Die zweite Art bilden die aneinanderstehenden Zähne,* wie beim Menschen, Pferde und Affen, bei denen eine Zahnkrone an die andere an- stdSBt. Zur dritten Gruppe gehören die Hauer nnd Stoswähne der hauenden Sehweine und Elephanten, mit denen sie andere Thiere Terwunden. Gehflrnte lliiere bentzen keine Sägesähne. Kein Thier weehselt die Backzähne. Beim Mensehen entstehen die letzten Zähne, die sogenannten Zwillinge, gegen das zwanzigrte, zuweilen anch schon um das achtzehnte l<iebensjahr, je nachdem von der Natur ein längeres oder kürzeres Leben bestimmt ist. Beim Hunde wachsen ansge&llene Zähne nicht wieder nach. Nur bei den Mensehen und den Ziegen finden sich beim männlichen Geschlecht mehr Zähne wie beim weiblichen. Aristoteles lehrt, dass alle Landthiere, die wie der Hund Sägezähne besitzen, Fleischfresser sind und beim Trinken das Wasser mit der Zunge aufschöpfen, wohingegen die mit Zähnen der zweiten Art ausgestatteten Thiere das Wasser auf- saugen, wie zum Beispiel das Rind. Thiere, die viele Zähne haben, leben lange.

13. Von der Zunge.

Die Aufgabe der Zunge ist eine doppelte. Zunächst dient sie zur näheren Bi'stinnnung alles dessen, was sich durch Ge- sclimack und (Jefühl erkennen lässt, da sie in ihrer ganzen Aus- dehnung befähigt ist, warm und kalt, feucht und trocken, hart und

0 Scarus creticus, der Papageitisch, dessen Kit-fergelenk su gebaut ist, dsss er dem liViederkäueD almliche Bewegungen mit dem Maule machen kann.

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weicli zu uiitorsrhoiflon. Zweiten» bildet *sio »las Werkzoiig zum Sprechen, du ohne Zuiifje kein Mensch zu reden im Stande ist. Aristoteles nennt die Zuni,'e die heste, die weder zu breit noch zu sehninl, wiMb-r zu dick noch /.u dfinn ist. Eine richtig t;<'baute Zunge ist von niittlereni Veriiälttiiss. sie geh(»r< lit d»'ni Wilb'n ihres Besitzers am besten. EiiiP zu lose, nicht p>nti^end betest i;.,'t(' Znnj;»' ersriiwrrt da?» Sprechen, doch Hc^^t hier häutig st hhM litc Angewohn- heit mit vor. So tindet es sieli lu-i Kin<lern, duss sie, von klein auf bchwächlich, mit /.unehnienden .hdiren leirlit lisjieln. Die Zuni^e wird zum Sprechen unfähip; ans zwei (inlnden. ErKten^, ^venn »ler Menseit von (leburt an taub ist, Sie kann dann keine Sprache or- lenien, und es ist ein Irrthuin, wenn die .ludtu behaupteo, das6 auch ein fern vun allen Mensclien in der Einöde anfgewaelisenes Kind iMdträiseh könne. Wäre dem ho mflsste ein Taubstinnnier hebniiseh >pre(lien können, uiul das i»t nicht wahr. Der ander© Itnind liegt vur, wenn ilie Zunge im Munde angewachsen ist oder wenn die Känder, tnit denen sie bewegt wini, leistung^nnlaiiig werden, wie es bei SchlaganfAllen vorkommt. J..eute mit zu dicker Zunge li8|>elu, eine zu dünne Zunge bedingt stotternde und stammelude Sprache.

Aristoteles lehrt, das« kem Wegen m viel Bedürfnisse habe, wie der .Mensch, nnil ihm des>hallj die Sprache nützlich und noth- wendi«; sei, nni seinen He<hirfni»seii Worte zu leihen. Tnubstumme dagegen dni( ken ihr Vei hm^t ii, i;erade wie auch die Thiere, nur durch einen Vmi aus. Zuweilen verliert die Zuni^e ihr Bewegungs- und SprechvermugfU. Der (Jrund dafür liegt in einem Fehler der 8eeli.>ichen Bewegungskraft, l)edingt »lurch (Jehiriikrankheit, /. B. Vorhandensein einer ilirngeschwulHt, oder wenn in Folge einer kalten Vergiftung die Uefilsse verschlossen sind, wie auch in anderen Ursachen.

IS. Tod der Stime.

Die iitiuiine wt «in whr feiner Luftetrom, welcher swiseheii swei harten körperlichen (iegeustäDilen serichlag»n an^ gebrochen «inl, von denen der eine den 84*hlag fahrt, der andere ihn aufhebt. Ks gehören mithin sur Stimme drei Dinge: ersten» die Luft und zweit«nft awei harte, körperliche tiegenatAnde. Denn wenn man Wolle auf Wolle »chlagen wollte, wQrde kein Ton dabei heraus- kommen. Auch mflssen die beiden harten (iegen»tftnde aufeinander

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geechlageu werden, denn wenn man die eine Hand vorsichtig auf die aodwe legt, entsteht auch kein Ton. Weiterhin bedürfen sie einer gewissen Breite, denn wenn Jemand eine Nadelspitze gegen die andere stossen wollte, würde ebenfalls kein Ton erzeugt werden. Ein klarer Ton bedarf zu soinor Entstehung reiner Luft. Ist sie feufht. so ist der Ton der (JrirciTi oder <ler Saiteiiinstruniente nie so angenelim, wie hei heiterer Lut'r. Kinder sprechen lieiser, wenn sie saftige Aepfel uder Birucn gegessen haben, weil der klelvrige öaft in den Höhren liängen bleibt, (hirih welche die Luft von der Lunge aus in <len Hals geht. Auch ist es für die Bildung einer wohltönonden Stimme nothwendiir. dass das Organ, an welchiMii die Luft sich stösst, dnrchaus eben und glatt ist, wie tlenu eine roh gebaute (leige nicht so gut anspricht, wie eine künstlich gearV)eitete.

Es giebt zwei Arten von Stimme: die auatönende und «lie v lederhallende. Die erste ist die, wtdehe von den mit einer Stimme begabten Gesehöpfeu hervorgebracht wird, die andere heisst htteinisch Echo. Sie entsteht, wenn die durch die Stimme in Bewegung ge- setzte Luft an Bilunie oder Häuser anstösst, die in einiger Höhe in einem Tluile so gelegen sind, dass sie die tönende Luft zusammen- halten können, sodass sie die ihr von der Stimme gegebene Ge- staltung beibehulteu nmss. Sie kehrt also zu dem Wesen, welche» die erstgenamite Art der Stimme hervorbrachte, wieder zuräck und führt sie ihm unverändert ivieder zu. So hört mau denu die Kinder vor einem Wahle schreien, im Glauben, ea antworte ihnen au« dem Wald heraue ein Hokmann. Jede der beiden Stimnuirten ist doppelter Katar: sie Iftsst sieh entweder schriftlich wiedergeben oder nicht. Die erste ist die, welche su Papier gebracht und durch Buchstaben ausgedrflckt werden kann, wie «im Beispiel die Worte: Ave Maria. Die andere lässt sich schriftlich nicht wiedergeben, wie sum Beispiel die Stimme der Weinenden oder YogeU und Thier- stimmen. Die menschliche Stimme nimmt vom vierzehnten Lebens- jahre au St&rke zu, bis zum höheren Alter, wo sie wieder abnimmt. Es verhält sich mit der Stimme grade wie mit dem Gesicht: so wie jeder Mensch seine ihm eigenthflmlichen Gesichtszüge besitzt und seinem Nebenmenschen nicht gleicht, ebenso hat auch Je«ler seine eigene Stimme.

14» Vom ZSpfehen.

Das Zäpfchen ist ein kleines, hinten im Munde befindliches, fleischiges Organ, rund wie eine Eichel oder eine Weinbeere. Sein

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lateinischer Name ist desahalb auch Uvula, waa auf deutsch Weio- beere bedeutet Die Laien nennen es das Blatt, und meinen dasselbe damit. Aristoteles giebt an, dass es zur Stimmbildung tauge, wenn es weder su gross noch zu Iskm ist. Zuweilen schwillt es so an, dass es seinen fiesitzer zu ersticken vermag. Die Aente verbieten, an- oder abzuschneiden; andernfalls muss der Meii8( h sterben. Jedoch lehren Einige, dass man bei übermässigem Wachsthnm des Zäpfchens das Zuviel wegschneiden dürfe. £s bleibt aber immer eine besorglicbe Sache.

16. Vom Kehldeckel.

Der KehM(>(k(d heisst lateinisch E])iglottis, und in dem, hier von mir ins Deutsche abertragenen lynche winl gesagt, dass er ge>

stahet sei wie das nbon genannte Zäpfchen und am Zungengrunde sich befinde. Auch heisst es dort, es sei seine Aufgabe, abwechselnd die Speiseröhre, welche Speise und (.Jetriink zum Magen führt, und die Luftröhre, «lie <len Lungen die Luft zuleitet, zu bedecken. Wenn er die Speisernhro di ckt, so ist <lio Luftröhre offen un<l uni- <;pkphrt', beide gleichzeitig knuTi der Kchldcckf»! nicht vorschli»»ssen. Iili:iii/.«»s <la;^egen hat, wie iimli .Vvic.MniH, über dtMi KfliMeckel eine andere Ansicht. Khaa/cs U'lirt nemlich, dass die Lpiglottis aus drei Kni»r|u'ln bestehe, die d»'r Arf gestaltet sind, da»8 sie zur Her\*orbringung der verschiedenou TOuc sich eignen.

16. Von der SpeUerffhre.

Die Speiseröhre fiilirf den lateiiii^then Nameu Oesophagus oder such Mery und liegt läuten im Halse. Aristoteles nennt sie dpn Mai^eMinund, weil sit», «m (nunde der Zung^« l»cginnend. Speisen und (ietraiik »lufnininit und zum Magen führt, damit sie .iorf «inrcli die Naturkraft verurbciiot und allen Orgauen zu Nutzen l>frcii»it wordeu.

17. Von der Luftröhre.

Uie l.nftrohre ist eine »tarkc Ader und heisst lateinisch Tracheti. hic Wundarzte nennen sie Lungenröhre, weil sie vorne im llaUe voll der Zungeriwurzel bis an *iie Lungen hin sirh er- streckt, und v.tiii Miifjde den .Menschen die Luft zu den Lungen hin und wieder tulirt Die Luftröhre ixt olien »iurch »'ine besondere Euirichlung der Natur gedeckt, damit keinerlei Speise oder (Jetränk in sie gerathe. Jedoch kommt es zuweilen vor, dass etwas von

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Speise oder Trank in «e herabfftltt, und der Mensch hustet dann so lange, bis es wieder herauskommt. Bleibt es darin^ so stirbt er. Die beste HOlfe dabei ist, die betreffeude Person mit der Faust kräftig hinten in den Nacken zu schlagen, bis die Speisetheile wieder herausbefordert werden. Kluge Ijeute reden desshalb aber Tische wenig, um sich Tor Schaden zu hflten.

IS. Tom Kehlkopf.

Der Kehlkopf findet sich nur beim Menschen, den Schweinen und den VOgeln sowie den diesen ähnlichen Thieren. Der Kehl- kopf besitzt am oberen Theil, da wo Kopf und Hals zusammen- stosseu, einen, in der Mitte durchbohrten Knochen. Dieser Knochen ist besonders bei Männern unter dem Kinne sichtbar, bei Frauen bemerkt man ihn selten oder gar nicht. Der Kehlkopf besteht aus lauter Knorpel und knotigen Anschwellungen und ist innen mit einer Art von Stufen oder Staffeln ausgestattet. Diese Stufen steigt die Stimme auf und ab und wird dadurch zur Wortbildung geeignet Der Kehlkopf besitzt nur die Fähigkeit, Stimme und Töne in richtiger Weise zu moduliren, Worte selbst herrorzubringen TOrmag er dagegeu nicht.

19. Vom Halse.

Dor Hals ist dit» Säule, welehp den Ko))f tragt und das Hau])! mit dem Rumpf verbindet. Inwendig besteht der Hals grdsstenthcils SUIS knorpeligem Fleiscli und reicht vom Kehlkopf Ms znm Kücken. Im HalHe finden sich zahlreiche Uefässe, durch welche die geistigen Fluida und das Blut Tom Herzen und der Leber aus zum Haupte hinströmen und so zu den Centren aller Sinne und seelischen Kräfte hingelangen.

20. Von den Schultern.

Im Vergleich zu den Thieren und entsprechend seiner Grösse hat der >1e!i««ch djp am meiHten entwickelten Schulfern, l)estimmt zum Trai;»!! und llidttMi von Lastun. Die Schultern sind aus krattigcn Kikm hcn gebaut, dt iin der Mensch h»'d;irf der Siärko an »liesen Körpertheilen. Di»* St hnltorblütter t»ind den Achseln nn<^«'- fOirt Sie werden von dünn«M, hr*'it<'n Knochtii i,'i'bildet um die Si luiltornmskniatur festzuhalten. Sie {.ind desshulb av diinn, damit üie nicht durch überHüssige Dicke die schöne Form der lirust be-

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eiutiäclitigen, denn es verunziert den Menschen, wenn die Achseln ge^en (iie Brust hin geneigt sind.

81. Von den Armen.

Beim Menschen sind die Arme nacb Torne gebogen, während bei faet allen Thieren, mit Ausnahme der Affen und den äffen- Ähnlichen (leschdpfen, die Arme nach hinten gebogen sind. Die Arme bestehen aus starken Knochen; der Unterann, welcher mit der Hand verbnnden ist, fuhrt zwei Knochen, von denen der eine grosser ist wie der andere. Im Oberarm aber, der mit der Schulter in Verbindung steht, findet sich nur ein starker und kräftig ent- wickelter Knochen. Zu bemerken ist, das« von einer Schulter eigentlich nur beim Menschen die Rede sein kann, bei Thieren nennt uu\u sie Bu^. Die Arme sind stark und biegsam, zu allem Work geschickt In den Armen finden sich sahireiche Adern und Hcdiren, aus denen man beim Menschen am bequemsten das schäd- liche Blut eut^ielicu kann.

82. Ton den Mnakeln.

Einige Gelehrte behaupten, der Mensch besitze sechs Muskel, zwei an den Händen, zwei an den Armen und zwei an den Beinen. Hierzu rechnen Andere noch vier Theile, deuen sie auch den Namen Muskel beilegen. Diese vier sind das Herz, das Gehirn und die beiden Testikel. Galenus begreift nur das Herz und die Testikel unter die Zahl der Muskel, das Gehirn dagegen fasst er nicht als einen Muskel auf. Im Gegensatz hierzu lehren die ersterwähnten Nflturkundigen, dass es unpassend sei, die edelen Organe des Körpers Muskel zu nennen. Das, was wir unter einem Muskel ver- stehen, ist ein Organ für die willkfirliche Bewegung der Glieder, und besteht aus Fleisch, Adern und natflrlichen Bändern. Bhaazes lehrt, dass nach der Ansicht Galen s die Anzahl der Muskel sich auf fflnfhundert und achtundzwanzig belaufe. Unser Buch handelt nur Ton den grossen Muskeln. Bs ist wichtig zu wissen, dass die beiden Armmuskel am BUenbogen nicht ver\vun<let werden dürfen. Trifft sie eine Verlet/.ung, so muss der Mensch sterben. Man kann aber, (dme unmittelbare liebeusgefahr, <len ganzen Arm sammt den Muskeln abschneiden. Dieselbe Ansicht bt rrs« ht auch über das Verhalten der Muskel an den Beinen und Händen, <U»ch wini be- hauptet, dass ihre Verletzung nicht so sicher tödtlich sei, wie die der Armmuskel.

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23. Von (Ion HMnden.

Die Hamle entssprechfu beim Menschen nat h der Anschauung fies Aristoteles den Vonlerfüssen der Thiere. Weil der Mensch Vernunft l)esitzt und kliiger ist als alle Thiere, hat ihm die Natur i\\9 Händo ^^ogohen, mit denen er viele Dini^i' niiRziirichten vermag. I iesi-liiilh auch lehren die Weisen, das^ mau des Menschen Sinn am besten ans seinen Augen und Händen erkennen könne. Plinius sagt, man Itrauche die rechte Hand iu Äugst uud Xoth und reiche sie als Zeichen der Freundsoiiaft.

34. Von den Fingern.

Die Finger sind in die Hände eingefügt, damit diese zu allerlei Werk geschickt und passend seien. So 61^ auch Aristoteles, das9 die besondere Eigenschaft der Finger in der Fähigkeit de» (ireifens, Festhaltens, (.lebens und ganz besonders in ihrem Unter- scheidungsvermögen beruhe. Der Daumen ist so stark, wie alle anderen Finger zusammen.

86. Ton den Nligeln.

Dte Nftgel sind uothwendig zum Decken der iinger- uuti Zehen- spitzen. Ihrer Beschaffenheit nach stehen die Nftgel zwischen Knochen nnd Knorpel, sie sind nemlich weicher wie Knochen und härter wie Knorpel. Schneidet man einen Nagel, so empfindet er nichts, ausser wenn man zu nahe an das Nairtdbett kommt. Es fehlen nendich dem Nagel, ebenso wie <lem Haar, die das Gefühl vermittelnden Beelenkräfte. Im Tode wie aueh iui Verlauf einiger Krankheiten ändern die Nägel ihre Farbe. Die Nägel der Thiere sind scharf und hart, sie dienen ihnen als Waffe und zum Zerreissen ihrer Beute. Kleine Nägel deuten beim Aleascbeu auf leichtfertigen Character, kluge Leute haben <lünne, rosagefärbte Nägel. Kein Vogel mit krummen Klauen trinkt Wasser, weil er sich von Fleisch ernährt, das wasserhaltiger ist, wie die Nahrung der anderen Vögel. Auch haben alle Vögel mit krummen Klauen ein schärferes Gesicht und höheren Flug wie die übrigen, damit sie schon von Weitem ihre Nahrung erspähen können, denn alle diese Vögel leben nur von Kaub.

2%, Ton den Knoehen In deu Gliedern«

Galenns lehrt, dass die Knoehen iu den wichtigsten Glied- massen, Ton einem Gelenk zum andern, aus einem Stück bestehen. Die Natur hat den Knochen ihre Härte verliehen, um in ihnen dem

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Körper und aeiueu Weiclitheilen bei der Bewegung die nöthige Stütze zu geben. Die Kuocbeu aind härter wie alK' anderen Be- standtbeilti des Organismus. Sie stOtzen also das seitwache Pletsch gradeso, wie die Pfähle in einer Lehniwaud den Lehm zusammen- halten. Die Knochen sind inwendig hohl, weiss von Farbe und sehr widerstandsfähig. Mäinier haben iiilrtere Knochen wie die Weiber. Ein*' Ausnahme bier\'on findet sieli bei »ieu sogenannten Amazonen. In ihrem Lande, das von Einigen das Mädchenlan<t LT^^naniit wird, besitzen die Trauen stärkere Knochen wie die 3Lüuuer.

27. Vom Mark.

Das Mark ist ein Au.^scheidnngsprodukt des Bhites und findet sich nach Galen in den hohlen Knochen vor. Das deutet darauf hin, dass alle Thiere, die sehr fett sind, auch vif] Mark besitzen. Man kann das besonder?* bei den Kindern sehen, die noch nicht viel Fett i)t'sit/,t'n. Hei ihnon tindor man nändich nach dem Tode in den Kiinchcn viel Blut und wenig Mark. Es kann bei Kindern das Blut uichr ordentlich in Mark nmtresetzt werden, da die Wflnne des kimiliclien Ürguiiismus nicht hinreicht, um das rothe Blut in weihücs umzuwandeln und Mark daraus zu bilden. T)araus er<;iel)t sich, dass das Mark ein Au.-s( liei(lunirs|u-<idukt de» die Knochen speisenden und ernährenden Blutes ist. Das Mark ist warm uiul feucht, im Uemo nsatz zu <ler kalten und trorkneu Substanz der Knochen. Ks i^t also tlas Mark in den Knoelien mehr als ein Aus- scheidu!i;,'sprodukt wie als KriuilnunLTsmuterial für di<*sellieu anzu- sehen. Diese Ansicht fiuiiet eine weitere Stütze darin, dass man in den Knochen der kalten Tliiere viel .Maik orfindet, denn die Wärme vermag innerhalb der Knochen weder 1 ett zu bilden noch das Mark zu verzehren. Der Löwe dagegen ist marklos, da bei ihm das Mark von der übergrossen natürlichen Wärme, die in des J^wen Knochen sich findet, verzehrt wird. Jedoch hat das Mark für die Knochen den Nutzen, dass es sie in einem einigermawen feuchten und weichen oder zähen Zustande erhftlt, der ihr Zer> brechen verhindert. Zuviel Bewegung und körperliche Arbeit dörrt die Knochen aus und macht sie ohne Ausnahme zu trocken. Plinius lehrt, dass bei jungen Leuten das Mark rotb, bei alten weiss ist Wasserthiere besitzen kein Mark.

Hctautt, KADriid von liegen i'^rj;'« Buch der Xstar. 2

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28. \ om Fleisch.

Das Fleiscli ist scliwach, weich, sart uad leicht zerstörbar. Dasjenige Fleiscli ist am besten geartet, welches weder zu ninger iioch zu fett ist, man orkonnt ilas an der riclitigen Proportion und passenden Fülle der Glieder. Das fetteste Fleiseh findet sich am ^abel und in der I.endengep^end. Auch lässt sich die riclitige Be- schaffenheit des Fleisches daraus erkennen, wenn der Körper Wohl und Wehe leicht enij)fin»let. Felderhaft geartetes Fleisch einpiindet schwer, (»alenus lehrt, «lass das Fleisch dfu N'ntz«»!! habe, die Ilolilniuine zwisclit ii Knochen und AdtTii aiisziit'iillcii uuti die ein- zelnen (ilieder ziisamint'nzuhalten. Das Fleisch hat in den ver- schiedenen Org^aiU'ii t ili wechselndes Aussehen, so ist das Fleis( Ii in der Lunge ruseiiruili, im Herzen duukelroth, purpurroUi in der Leber und schwarz oder schwärzlich in der Milz.

^. Von der EmU

Die Haut oder wie es bei den Thieren heilst, das Fell, ist Aber alle Glieder ausgespannt, damit eine so grosse Aiisahl einselner Theile unter einer gemeiusameu Decke vereint sei. Die mensch- liche Haut ist dflnn und leicht verletzlich. Der (ürund dafflr liegt darin, dass der Mensch im Stande ist, sich noch anderweite Hüllen zu beschaffen, mit denen er sich schützen kann, das Thier dagegen nicht Ualen spricht von verschiedener Beschaffenheit der Haut an einem und demselben Menschen, an der einen Stelle ist sie dflnn, an der anderen dick. Wo die Haut dick ist, ist sie glatt und weich anzufassen, an den dflnnen und stärker ausgespannten Stellen fflblt sie sich oft recht rauh und hart an* Trockene Haut ist rauher, feuchte dagegen zarter im Griff.

8a. Vom Ettckeu.

Der Rächen beginnt am Halse und reicht bis zum After. Das Rfickgrat, welches den Rflckeu zusammenhält, besteht aus zahlreichen Knochen, die sämmtlich in der Mitte durchbohrt und denen zu beiden Seiten die Rippen angefügt sind. Die Zahl der Rückenwirbel entspricht der der Kippen. Vom Halse bis zum unteren Ende zieht sich durch die Wirbel hindurch ein langer Markstrang, wie ein Strick.

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81. Von der Brnst.

Dio menschliche Brust ist xnrt gebaut uud kann obu« Naoli- tht'il AiLstreiigiingen nicht wohl ertragen, einmal wegen des in der Bni}«t hefiiiillichcu Herzens und zweitens wogiMi dor violon g«'isti«^en Fa'diigkt'iten, dio in ziendicher Anzahl in tler IJrust hescIdosMMi sind. Mitteil in der Bni.st li»»i;t t'iii breiter, von zahlreichen Rührclien durchzouinier Kiioeheii, dem Aio Kip|)en und liäiuh'r sich anfüj^en. Unter ilun entsprinj^en <lie vordersten, Idutfilhronden ^»efä.sse, die luteinisch Venae ir^Miaiint wenien. J>icsf» (»efä^^so \irasti'!n sich nach all« II (tliedern iiin, wie ilie I{eheii an einem W einstocli. Vuti «h'ii < M't'ruM'ii soll imicss s]>at»'r erst die He<le H»»in. Aristoteles sagi, dir M»*nsch halte im \<'iL:h ich zu den IhiiTcii seiner (Jrösse nach ein»* breit gehantf Hnist. I hiruni, lieber Mensch, Iikmi«- 1 )«Miit' Brnst Deinem Srhüpt'er entgegen und luss Dein Sehnen ^u ihm gre»h und breit werden.

33. Ton der weiblichen Brust.

Die lirusi*' »les Weibes i-im! von der Natur ans weichem, zmr.'iii Fleisch ^'oschatten; sie solhii bei .luiiLrfrauen klein und fest dein. Aristoteles lehrt, dass ilie .luiigfraucii .iidaii^eii, die Mauuer zu lieben, wenn ihre IJrüste zwei (^neertiu^'i r »lark f^ewordeii sind. Die .Milch brünetter Frauen ist besser wie die der lUoiidiaeu. Bei den Zie«;en verhüll sich das ander>. die .Milch weisser Zieiren ist b«»sser, wie tlie V(»n schwarzen. Den (irnnd dafür Hude ich darin, dass «He Brünetten w»««;en ihrer grosseren Wärme bessere .Milch hervorbringen wie die kälter veranla<icten Blondineu. Will man im Allgemeinen wissen, welche Frau gute AUleh habe, m nehme man t\n Cilaa oder eino glatte Ilobtafel und bringe darauf eini<;e Milch* tropfen. Sind diese dick und zfthe, tio ist die Milch gut, zerlliesseu Me, ao iat sie minderwerthig. Ks sei bemerkt, dass hei den unremOnftigen Thieren die milrhfährenden Organe eigentlich Kuter heisseu, bei den Frauen da<,M-^ani Brüste «xler Mutterbrust. Jetloch besteht hier der Unterschied, dass bei noch nicht schwanger ge> wesenen Jungfraueu diu Organe «dgenilich Brflste genannt werden Ton der Brust, an der sie sich hefinilen. Bei Frauen dagegen, die Kinder gehabt haben, nennt man sie Mutterbrust oiier Fnichtträger, weil sie fQr die Kinder die Nahrung oder gewissermaassen Früchte tragen. Kein Thier hat, im Oegensatz zum Menschen, die Milch- drilsen vom an der Brust.

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S3* Vom Henen*

Bas Herz ist ein Urquell de« Lebens, in ihm liegt der letzte Grund aller Bewegung. PUuius nennt das Herz ein Licht de» Leibes, weil es von Natur mitten im Leibe liegt, ein Brunnen und Ursprung für die Krftite aller anderen Organe. Das Herz ist des Lebeus Schatzkästlein, desshalb hat es die Natur auch mitten im Körper verborgen. Das Herz ist das erste I^ebendige, wenn das Thier noch im Mutterleibe sich befindet, und das letzte Organ» welches stirbt. Auch giebt es kein Organ, das soviel unflüssiges und unbewegliches Blut in sich enthftlt, wie das Herz. Es besitzt zwei Kammern, eine rechte und eine linke, sie bergen das edele Blut und die besunderen Geister, die das Leben bedingen. Die Geister und das Blut strömen durch dir A Iodi vtnu Herzen zu den übrigen OrgaiKMi liin, wie wir später noch im Ai>i*eliiiitt von den Ge- fässen näher seliiltlern wenlen. Das Herz ist der Lunge angelagert, weil die weiche Liiiii^e durch ihre Fähigkeit, Luft aufzunehmen, d.is H»M"/. kiihl Imiten kann, soclass es in seiuer eigenen Hitze nicht erstickt Das Ufr?, ist nemlicli das heisseste von allen thierischen Organen. Das Herz ist oben breit und unten zugespitzt und liegt mitten in d(»r Brust, nur mit einer geringen Neigung nach links. Es würde auch sonst die linke Seite gar zu kalt sein. Das Herz besteht aus festem, dicken Fleisch, seine (Irösse schwankt bei den verschiedenen Menschen. Das menschliche Herz ist weicher wie «las thieriach«'. Thiere, deren Herz im Vcrhültuiss r.nm ganzen Körper gross ist, sind fiin litsaiii, wohingegen die, deren Herz eine mittlere (irösse besitzt, imitltigur An sind. Das kommt «laher. dass die natrirli<die Wärme und Kraft ein gro>«s(s ITf-rz nicht so zu • ifüllpn vermag, wie eins von mittlerer Ausdt'hinuig. Da nun die Kälte die Ursache der Furcht ist, so ist this el>en (Jesaifft' i'irlitig. und dos^i- hnlVt sind di»' Hirsi li(». Fisel und Hasen fnichtsaiinT wie die ühnircn Thiere, da sie im Verhältniss zu ilirer (iriisM- riii \iel grös-M-res Herz besitzen, als diese. Das Herz wird ihin Ii Krankheit uicitt wie die anderen iiuu'ren Organe verändert. Man sieht netnlich nach •lern Tode am Herzen keine l'ex hii.ligung. wie sif an anderoTi Or- ganen diirrh SnlKstauzverliLste. krankhafte \ erandi'ruiig, ( ieseli w (ire. Stein nnd ahnli» he l'rsaeheti zn Stiiude kojiuiieii. So lange das Herz noch schlägt, ist nuidi l.eheii im Körper. Das Herz » rkrankt (U'sshall> nicht so wie die anderen Organe, weil der Tod iVidier i intriir ehe die Herzkrankheit sieh ausbilden kann. So heisst es in dem nur

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Torliegenden lateinisch«!! Text, auch findet eich dieselbe — mir indess zweifelhafte — Angabe bei den alten Autoren. Pliuius lehrt, dass das Herz solcher Menschen, die an der sogenannten Herzsacht ge- storben sind, unTerbrennbar sei. Die Krankheit heisst lateinisch Oardiaea und entsteht als Folge flberm&ssigen Zornes oder aber* gnmer Furcht Etliche Autoren geben fenier au, dass das Herz %*ergifteter Menschen unverbrennbar sei. Desshalb greift auch der gelehrte Vitellus den Arzt Piso heftig an, er habe den To«! des deutschen Kaisers duich Gift herbeigefflhrt, weil das Herz des Kaisers nicht habe brennen wollen. Piso bestreitet dies allerdings mit der Angabe, der Grund liege nicht in einer Vergiftung, sondern in der Herzsucht, an der der Kaiser gelitten habe. Aber Piso ist im Irrthum, und es Hesse sich hierüber noch viel sagen, doch will ich es lieber unterlassen i). Die egyptisohen Gelehrten, denen die Wissenschaft grosse Entdeckungen verdankt, waren der Ansicht, dass das Herz alljährlich etwas an Grösse zunehme bis zum fünfzigsten Lebensjahre, und dann ebenso bis zum hundertsten wieder abnehme. \Ve«j;en dieser ständij^^en Abnahme sollten niicli nur wenige Menschen im Vollbesitz der geistigen Kraft das hundertste Lebensjahr erreiclieu. Diese An- schauung von dem Zu- und Abnehmen der (Jrösse des Herzens ist aber unverständig: das Tferz müsste danach im fünfzigsten Lebens- jahre so gross sein wie eine Kegelkugel und in den folgenden fünfzig so klein werden wie eine Bohne. Das ( ntspricht dem tbatsächlichen Vorhalten in keiner Weise. Das Herz ist umgeben von einer Membran, etwa so stark wie die äussere menschliche Haut, sie führt den Namen: Herz-Decke oder -Beutel. Die Natur hat den» Herzen diese Hülle zur grösseren Sicherung gegeben, um es vor Verletzungen besser zu schützen.

84. Von der Leber.

Die Leber liegt im Körper zur rechten, die Mihi zur linken Seite. Dies gilt für alle Thiere, die eine Leber haben. Es kommt vor, dass dies VerhSitniss sich umkehrt; eine, wie Aristoteles be-

') Hier ist K. in t ineii grosse« Irrthuiu >,'cratheii. woniuf auch Pfeiffer hiuweist nie blelle heisst in <Ieni von K. 1»( natzt*'ii, lateinischen Texte: ,Uude Vileliius liuc accepto iudicki Pisoiiein redarguit veneuo intereuiisse Oermanicum ca^sareni,'' und K. macht den Piso zu einem Arzt uni den Germanicus za einem deutschen Kaiser. Vergl. auch VI. 62; die geschicht- lichen Vorgänge, die dieser Angabe m Grande liegen, finden sich im 3. Buche von Tacitus Annalen erwähnt.

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merkt, sehr wuodcrbare Sache. Die Leber iBt süss, Ton weicher Be«shaifenheit und ziemlich f^ross. Die menschliche Leber ist rundHch, grade yde die Ochsenleber. Der gelehrte Clemens giebt an, die Leber liege deshalb in der rechten Körperseite, damit sie dem Magen sum Zweck ordentlicher Verdauung der aufgenommenen Nahrung Wfirme sufülhre und alle anderen Organe mit Blut ver- sehen könne. Wenn uemlich die Speisen im Magen verdaut sind, so bilden sie eine weisse, klare Flüssigkeit, wie Gerstenwasser. Diese wird durch die Naturkraft von den unverdaulichen Bestand* theilen getrennt und durch besondere Gefllsse zu der concaven Seite der Leber hingeführt. Nach ihrem Eintritt in die Leber tritt dann eine weitere Verdauung ein, durch die die Flüssigkeit von den noch in ihr befindlichen Auswurfsstoffen gesondert wird. Letztere werden nach den Nieren und der Blase abgeführt In der Leber wird dann durch die Naturkraft die klare Flüssigkeit gefftrbt, zu Blut umgestaltet und den übrigen Organen zugeleitet. Die Organe verarbeiten das Blut dann weiter, jedes nach seiner besomleren Art, bis es völlig assimilirt ist. Von der Verdauung wird bei Besprechung des Magens noch weiter die Rede sein.

35. Von der Galle.

Die («alU* ist hoiss, trocken und tVuriger Natur. Das« heisst: die (Jalle hat die Fähio-keit zu nrhitzen und nnsziifrocknen, grade wie ein F«'\icr. Deslialli hat liutt die (4alh» (h'r Lflicr ver- eint, damit sie ihr den von» Massen gesandten Speisesal't verarbeiten helft'. Die Eigenart der (»alle besteht in dem Hervorrufen von Unbestiindigkoit, aufgeregtem Wesen, leichter Auffassungsgabe, Scharfsinn, Erfind imgskraft, Kiiliulieit. Hoffart. Begier<ie, Utjkeusch- heit, (iedächtnisskraft, Schlagfertigkeit in der Kede. und der ganze Leib eines mit viel (Jalle behafteten Menschen is^t heiss und trocken, riinius giebt an, einige Menschen besässen keine CJalle (doch fänden sie »ich selten), und lebten und behielten ihre Körperkraft in Folge dessen lange. Aristoteles lehrt, dass bei einigen Menschen die GaUe von der Leber entfernter Hege. Solche Leute seien sanfter von Natur wie die, bei denen Leber und Galle nahe bei einander gelagert seien. Doch ftndert Gewohnheit viel in der Natur de» Menschen, zum Guten oder zum BOsen. Desshalb liest man auch, dass ein alter Natnrkniuliger einmal einen anderen grossen Kenner der natürlichen Dinge gefragt habe: „Hage mir, welche Art mensch- licher Natur ist die meine? Die Antwort lautete: „Ich habe noch

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keinen schlechter und «jrniisanier veninhi^rteii Menschen wie T)ich «fi'sehcii, aher auch keinen, tler tlurch Tugendübung und i>itdi<-*he Führung besser gewesen ist, wie Du. Ich kenne auch keinen Menschen, der für Kunst und Wissenschaft u. iiiüor >;t'( iy:ii('t gewesen ist, wie Du, aber auch keinen, der grüiuUicher und sorgfältiger wie Du in fleissiger xVrbeit und emsigem Studium alle Dinge durchforscht". l)aruni ist auch der Sut/. ricliti'j:, duss die (Jewohnheit zur zweiten Natur werden kann. A r i jitotcles lehrt, dass alle gallenlosen Thiere lange leben, wie dei Kh fant, der Hirsch, das Kanieel und der Delphin oder das Meerschwein.

86. Ton der Lunge.

.Vristoteles lehrt, die Lnnge sei ein Luftbehälter, welcher die zum Abkühlen des Herzens nothwendige Luft aus- und tnniühre. Desshalb ist die Lunge weich wie ein Badeschwaniui, um die Luft auia. liiueu zu können. Beim Einathmen <ler Luft wird die Lunge grösser, beim Ausstossen der Luft zieht sie sich zusammen. Alle Thiere, die auf dem Lande leben und Luft einathmen zur Ab- kühlung des HerzenSf besitzen eine Lunge. Dagegen haben andere Geschöpfe, wie die Fische im Wasser, keine Lunge uöthig. Doch besitzen einige waimblütige Seefische Lungen. Darum merke, dass jedes Thier, welches snines Gleichen durch Schwftngerung des Weibchens erzeugt, wegen seiner hitzigen Natur Lungen führt, und dabei sind die Lnngen gress und stark mit Blut durchfeuchtet. Die Thiere hingegen, welche, wie die Vögel, Eier legen, babeb kleine und trockene Lungen. Desshalb empfinden sie auch selten Durst und können lange ohne zu trinken eustiren. Ihre körperliche Wärme ist nur gering, sie kflhlen sich hauptsächlich durch die Bewegung der Lungen, da diese grosse Mengen Ton Luft aufnehmen. Aus demselben Grunde sind auch die hierhingehöreuden Thierarten kleiner wie die oben erwähnten. Grosse natfirliche Wärme bedingt auch einen grossen Körper, und die Anwesenheit von viel Blut ist ein Zeichen der inneren Wärme. Die natärliche Wärme hält den Leib der Thiere aufrecht, und der menschliche Körper ist desshalb grade aufgerichtet und dem Himmel zugekehrt, weil der Mensch im Verhältniss zu seiner Grösse mehr Blut und grössere innere Wärme hat, wie die übrigen Geschöpfe. Die Lunge ist btuthaltiger wie flie anderen Organe, weil sie von so weichem und zartem Fleisch aufgebaut ist. So heisst es wenigstens in unserem Buche,

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doch glaube ich, <la8> sie tr<K>kener und blutärmer ist wie die Leber, weil Bie doch die Luft in sich aufnehmen musa. Plinius giebt an, wenn man Hols mit den Lungen gewisser Seefische reibe, so brenne es wie OeK Auch stellt mau aus den Lungen be- stimmter Seefischarten ein sehr schönes, klares Oel her. Aristoteles behauptet, dass ein Thier ohne Lungen auch ohne eigentliche Stimme sei. Jedoch ist manches Thier stimmlos, trotzdem es eine Lunge besitzt.

87. Von der MUz.

Di« lucnsi liliche Milz ifleirht nach Aristoteles der des Scliu ciiit's. sie ist vvi«' di^'sc laiii; iiiid scliiiiiil. Die Milz liegt in tler linken Seite und nimmt in ^e\\ i>sem .Mausse die Unreinigkeiten des Blutes auf, besonilers bei suUhen Leuten, die das viertäpge Fieber haben. Sie ist liiuitig krank und macht dem Menschi ii Be- schwerden, wenn man nicht an der linken Hand uiler dem linken Arm zur Ader liisst. (lalen lehrt, dass die schwarze Galle in der Milz wohne. Nimmt sie üeberhaud und zieht zum Kopfe, so werden die Menschen schweigsam und nachdenklich, schwermflthig, weinerlich und unlustig zur Arbeit, verfallen in Furcht, Sorge und Kleinmnth. Unter solchen Kranken findet man welche, die sich für todt halten und andere, die glauben, sie wären von Glas. Plinius nennt die 3Ii1z ein Hinderniss ffir das Laufen, deshalb schlägt man den Läufern die Milzadern. Einige sind der Ansicht, dass die Häufigkeit des Lachens mit der Grösse der Milz zunehme und umgekehrt.

S8. Vom Bauche.

Der lateinische Ausdruck für Bauch hat doppelte Bedeutung. Einmal versteht man darunter das, was wir Magen nennen, den sackförmigen Raum, in den die Speisen zunächst hineingelangen. Plinius jedoch begreift unter <lem Worte Bauch vier verschiedene Dinge. Er sagt: Jedes Thier, welches Blut besitzt und vier Beine hat, hat auch vier Bäuche. Der erste ninnnt die Speisen im rohen Zustande auf, der zweite empfängt sie in verdautem Zustande, der ■ liirte vollen<let die VerdiuiimiX, der vierte fMidlirli nimmt den fertig verdauten Speisel>rei auf und hrfArdert iint weiter. LMinius ver- steht also unter dem Hivuiitl l)au( h den >rairen und die unterhalb des Mn«_'ens liegenden ilohlniunir, 'lurdi "iic die Spei.M'n Avr Beihe nach weiter wandern. Strenggenommen bedeutet Bauch den ganzen

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Darrokanal sammt der ihn bedeckenden Haut, die von oben her aber den Nabel herabgeht Zuweilen ist der Bauch eo fett, dass der Mensch davon sterben muss. Aristoteles lehrt, die Mensehen seien in der oberen Bauehhftlfte den Hunden, in der unteren den Sehweinen Ähnlich gebaut Plinius giebt an, dass gefrflssige, dick- bftuchige Menschen ungeschickter und unbehfilflicher seien wie andere Leute; dagegen seien solche mit mftssig entwickeltem Bauch behende, klug, vorsichtig, schlau und sinnreich. Die Bippen be- finden sich am Bauche, um ihn zu hüten und zu sichern, damit er nicht so leicht verletzt wird.

S9. Vom Magen«

Der Magen bildet das erste Oeföss, in dem im meuschlichen Leibe die Speise verarbeitet wird. Von der Speiseröhre nimmt der klagen die unveränderte Nahrung auf und verdaut sie dann weiter, nachdem si(> in ^lund und Speiserdhre einigerniassen vorbereitet

worden ist. Tin Inneren des Ma<2:on8 finden sich zahlreiche Haut- falten, wie die Bhltter in einem kleinen Büchelchen, damit durch die Hitze, welche diesen Häuten eigen ist, die Hpeisen desto leichter vt>rdaut werden können, ferner auch, um die Speisen um so länger im Magen verweilen lassen zu können. Denn w^enn der Magen in- wendig fultenlos und glatt wäre, so würde sein Inhalt vor der Zeit herausgleiten und bliebe unverdaut. Ausser dem grossen Darm geht noch ein Darm vom Magen aus abwärts, der den Namen Leerdarm führt. Er ist nämlich stets frei von den unvenlaulichen Hestandtlieilen der Nahrung, da er nur «las völlig (relöste vom Mn^iMi aufnimmt. Das l'nverdauliche geht seinen eigenen Weg zum Atter hin. In di-r Wand dos Leerdarms verlaufen fünf (»e- fässe. die dio niitl('i<li^»'iii) Ciefässe genannt werden, weil sie von Krkrarikuii^t'u aller ainloreii (fpfüsse in Mitleidenschaft gezogen Nverdon. Diese («efässe erstrecken sich bis zur Leiter hin uml führen ilir von dem genannten Dann die gelösten Hestandth<'ile seines Inhaltes zu. Die Leber verarbeitet diese ilanu weiter und leitet das Wasser zu den Nieren und von da zur lilase hin ab. Das eiu-entlieli Kruillireude der VerdauunusHüssigkeit liiilt die Leber zun'K'k und wandelt es zu IJlut um. Mit dem Blut ernährt die Leber alle antieren Körpertheile. Der farblose Antheil des Blutes

') Hier verwerhsclt K. nii.^eraioa, niitbddiife. mit mesaraica. Die Vasa mesaraica siad die im Gekr«>se verlaufeDdeo tietasse.

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wird dem Herzen und der l.eber in einem, zwischen Lober untl Herz verlaufenden (Jefilsse zugeführt und dann in natürliche Wärme und den oi<^entHeh(»n Tjehens^^eist verwandfdt. Das ist so /.n v<m- stehen: (leist und Seele sind zwei verschiedene Dinge, denn die Seele ist ein substantielles Etwas, dessen Wirken sich in der Lt'li('nsthäti<;keit kenntlich nuielit und dorn Alles, was von ihm durchdrun<;en wird, sein Lidjen verdankt. So lehrt Aristoreles im zweiten liuche vim der Seele. Wenn Du das nicht verstellen kannst, so f^neb Dir die Schuld, dass Du in derlei Frniren nicht hinreichenil j;eiibt bist. Wenn man die deutsehe Ausdnickswcis«» «renau und richtig mit dem lateinischen Text vergleicht, sn triüt mich kein Vorwurf. So wie wir es hier auflTassen wollen, ist <ler Cieist ein natürlicher, luftartiger Dunst, von dem das Lel)en ab- hängt. Im Herzen heisst er Lebensgeist, in dir Leber urganisclier Geist, im (Jeliiru thierincher tieist. Ich verstehe das so: In der Lelu;r heisst der (leist organischer (leist, weil, wie vorher gesagt, die Leber allen Organen ihre Nahrung zukommen lässt. Im Herzen heisst er Lebensgeist, weil das Herz ein Schatzkästchen und Anfang des Lebens ist. Im Gehirn heisst der Geist tliierischer Geist, weil bei allen Thieren die Sinne im Kopf sich befinden, und der Geist «ich dort ▼erhftit wie ein kletner Wagen, auf dem die EiodrAcke der Aussendinge von einem Sinn und einer Seelenkraft zur andern fahren. Der Geist ist das Band, mit dem Leib und Seele zu- sammengebunden sind.

40. Ym NalMl.

Der Nabel ist der Mittelpunkt oder doch nahezu der Mittel- punkt des menschlicbeu Leibes. Mit dem Nabel ist das Kind im Mtttterieibe angeheftet und durch den Nabel empfängt es dort seine Nahrung. Diese wird yom Blut gebildet, und in Folge dessen ist die Menstruation bei schwangeren Frauen unterbrochen, ansgeuommen^ das Kind ist abgestorben oder die Mutter sehr Tollblütig. Ich habe eine Frau gesehen, die bei lebendigem Kinde gleichwohl menstmirt war. Jedoch flberlebten ihre Kinder die Geburt nicht lauge. Linige behaupten, von der Gebärmutter verlaufe ein Geffos zum Nabel des Rindes. Durch dieses Gefäss oder Band nimmt das Kind ilas Blut von der mütterlichen Leber aus in sich auf und ernährt sich damit, so lange es noch in der Mutter sich befindet Durch den Mund nimmt es keinerlei Nahrung auf. Ein noch gritoseres Wunder ist

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es, «lass »1.18 Kiiul im Alutterleibe nicht athiner, und doch {j;leich nach der Ueburt keinen Augenblick ohne zu nthnien loben kann. Das sind die Wauder Gottes! Da nun das Kind seine Nahrung, das Blut, von der mfitterlichen Leber her erh&lt, so braucht es auch keine verdauUchen Nahrungsbestaudtheile aussuBcheiden, da es deren keine erhftlt. * So heisst es in unserem Buehe. Andere Gelehrte sind indessen der Ansicht, dass das Rind sich von flberflüssigem Wasser durch einen kleinen Gang befreie, der von der Natur zwischen den Häuten angelegt ist, mit denen sie das Kind im Hutterleibe umgeben hat.

41. Von der Blase.

Die Blase ist zur Aiitiialime des Harns bestimmt und zwi.s( hi ii den Hüften und dem After i^cletren. Die Isiase wird p:ebildet von zwei Häuten odt r M«'nil>rauen. Khaazes lehrt, dass am Blasen- auHo-nni? sich zwei .Muskeln befinden, die diucli ihre Zusammen- ziehung den unwillkürlichen AhHuss des Haraes verhüten. Der Harn fliegst flurch zwei (iani;t' oiler defässe ab. Da, wo diese die Blase berühren, treten nie duich die äussere Haut durch und ver- laufen dann so hinge zwischen den beiden Blasenhäuten, bis sie zum Hhist'uhals gelangen. Doi't durchbohren sie die innere Haut und gehuiiit 11 in den eigentlichen Blaseiirauni. Su führen sie das Wasser in die Bla^e ab. Kein Vogel besitzt t?ine Blase, da die Vogel nicht uriniren, weil ihre überflüssige Feuchtigkeit in die Substanz der Fe<lern umgewandelt wird. Dagegen haben alle vierfüssigen Thiere eine Blase.

4d. Von den KImn.

Die Nieren befinden sich in der Nähe der Leber. Die rechte Niere ist höher gelagert wie die linke, diese aber ist fetter wie jene. Jede Xiere besitzt zwei Hälse oder Gefösse. Das eine Gelftss sendet

die Niere in der Seite, wo sie liegt, aufwärts bis zu der grossen Ader, welche am äusseren Theil der lieber sich findet. Das andere erstreckt sieh abwärts bis zur Blase, wie im vorigen Abschnitt bei der Blase bcrii htrt ist. Aristoteles vergleicht die menschliche Niere der des Kindes. Bei den Männern sind «üe Nieren d<*r Sitz der Unkeuschheit, wie bei den Weibern der Nabel. Von den übrigen Organen will ich hier nicht weiter reden. Zucht und gute Sitte dulden es nicht, in unserer Muttersprache zu behandeln, was sich nur in fremder Sprache vorbringen lässt.

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48. Von den GefSssen.

Nun wollt'u wir vuii <leii Uefflssen reden und dabei dorn Text unseres Biudies folgen, da die Bücher der Aerzte inidore Anfrabeii über ileiiselben (le^eiistand »narhen. Es existirt iiciiilii Ii liier eine Meinuiif^sverschiedeiilieit z\vis(dien den Medicineru und den Natur- wissenschaftlern. Zum besseren Verstand iiiss des uns vorlie^renden Textes ist zunächst äu bemerken, <hiss der Mensch dreierlei (iaitungen von (ietasseii besitzt. Die erste Art bilden die Blutadern, durch die das Bhit vom Herzen und von der Leber aus zu allen anderen Oricanen hinströmt. Es sind Köhren, deren Wand nur aui> einer Haut bestellt, sie heissen lateinisch: Veiiae. Die /weite (rattung öind die Geistadern, lateinisch: Arteriae, was so viel heist wie „enge Wege**. Durch sie fliessen die natürlichen und die I^bensgeister. 3ie haben eine aus zwei Häuten gebildete Wandung und sind kleiner wie die Blutadern. Wenn auch in beiden Arten von Gefassen Blut und Geist sich Torfindet, so will ich sie doch bei ihrer Schilderung in deutscher Spruche nach ihrer hauptsiehlicheQ Bestimmung be- zeichnen. Rhaaces giebt an, dass die Blutadern rom auswendigen Theil der Leber ausgehen, die Geistadem dagegen alle Tom linken Herzen entspriugeu. Die dritte Klasse bilden die Bandadem, lateinisch: Nervi. Mit ihnen bindet die Natur die harten Knochen in den Gliedern zusammen.

In unserem Buche heisst es nun folgendermaassen: Blutadern sind die Geftsse, durch welche das Blut vom Herzen aus iu alle Glieder sich exgiesst, entsprechend der Ansicht des Aristoteles, dass die Blutadeni Tom Herzen entspringen. Wenn nemlich «n Mensch iu Furcht gerftib, so strOmt das Bhit zum Herzen wie zu seinem Schutze, und wenn die Haut blutleer wird, so runzelt sie sieh, die Haare gehen zu Berg und der Mensch wird blase. In einigen Punkten sind die Blutadern, wie Galen lehrt, den Geistadem gleich. Aber die Blutadern pulsiren nicht, wie die Geistadem, und heissen desshalb auch die mhigen GefSlsse. Von den Blutadern sind zwei besonders hervorragend, nemlich die, welche nach Aristoteles am Herzen entspringen, oder, wie Galen und die anderen Aerzte be- haupten, von der Leber ausgehen. Von ihnen ist die eine grosser, •lie andere kleiner. Jede von ihnen liefert den Urspmng einer An- zahl anderer Blutadern. Xach Plinius verästeln sich die beiden Hau}»tblutadern durch den ganzen Körper und durclitränken ihn ftberall mit lebendigem Blut. Sie senden Aeste zum Gehirn, von

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da aus Terzweigen sie sich weiter zu den Ohren, den Augen, der Nase und dem Munde. Auch untereinander verästeln sie sich. Galen lehrt, dass nach jedenif mit einer bestimmten Funktion Ter- sehenen Oliede sich zwei Schlagadern abzweigen, deren Puls von Aussen an einigen Oliedem wahrnehmbar ist, z. B. an den Armen, den Hftnden und an der 8chl&fe bei den Ohren. Aus dem Pulse erkennt man des Herzens Gesundheit oder Krankheit, auch des Leibes Wftrme oder Kftlte. Die anderen Gefässe dag^en, welche pulslos sinil, führen das Blut nur in die Glieder, um sie damit zu durchtränken. Dadurch wird die Natur unterstützt und der KOrper ernährt. Die Kleinheit der abgehenden Aeste hat den Z\vo( k, das Blut stärker zu yertbeilen und so seine Umwandlung in die Sub- stanz der Organe zu erleichtern, sowie o.> zu ermöglichen, dass das Blut sich besser in den Organen halt und nicht so leicht wieder herausfliesst. Es verlaufen auch Gefässe durch die grossen, mitten in der Brust gelegenen Köhren bis oben in den Kopf, und von da gehen zu den Armen drei blutführentle Gefiisse. Das eine stammt vom Kopfe iiuil lieisst Kopfader oder lateinisch: Cephalica. Das zweite kommt von der Leber her, es führt den lateinischen Namen : Hepatica. Unser Buch nennt es Basilica, das heisst Urundader, weil «Ho Lobor (iriintl und Ursprung des Bhif«'s Ist. Die dritt«* Ader koniinr \o\u Hrr/cn 1i«m- und verläuft am Ana zwischen den beiden fljenL,^t'nannten. Desshalb führt sie den lateinischen Namen Mniiana, zu deutsch: die Mittlere. Von iltMi vorderen (iftasscn des Herzens verästeln sich andore abwärts nach den Niert ti hin un»l von da zum Membrum virile, «lamit des Herzens Lust zu ilcn Ix'iden «Totiannten Orten hingelang'en, dort veinit iirt und In-tliätiLTt werden kann. Man mei'ke auch, dass alle ( !ef;i>se mit den zahlrei« liea Ge- fässen i oinmuniciren, die sich im Membrum virile zusauiHienfinden. Vom oberen Theil des Herzens aus ziehen auch (Tcfässe abwärts zu den Beinen und Füssen, damit diese ilunh das iierz die Anleitung erhalten können, wohin sie gehen sollen.

44. Von den Handadern.

Die Bandadern verbinden in allen (rlietleru die Knoclien unter- einandf^r. Nndi der Ansicht Einiger sollen sie im Gehirn eur- springen. Die i)audadern führen, im (»psrensatz zu den Blutadern, kein Blut. Sie sind langirestrei kr unil nicht sehr dick. Blutadern heilen wieder zusammen, wenn sie durch Schnitt oder Hieb getrennt

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wurden, Bandadero niebi Im Kopf des Menschen findet rioh keine Bandader, wohl aber in den Händen und Füssen. Jedes blut- fahrende Thier hat Bandadern. Zuweilen bflssen die Bandadem an der ihnen uoäiweixligeii Feuchtigkeit ein, sie ziehen sich dann zu- sammen, und dieses Ziehen martert den Menschen Jämmerlich. Die Bandadern haben ferner den Zweck, Ueberleguug und Bewegung vom Gehirn aus allen anderen Organou zuzuleiten und den ganzen Körper zu stärken. Einigen Thieren fehlen die Bandadem, wie z. B. den Fischen, die auch keine Geistadern besitzen. Allerdings verwechselt man im gewöhnlichen Sprachgebrauch häufig die ein- zelnen (lefässarten untereinander, z. B. Bandadern mit Geistadern, und im tAteinischen heissen die Nerven Arterien. So hat also unser Buch ausführlich von den ßandaderu gehandelt Die eigent- lichen Bandadem aber, das heisst die, welche Galen Ligamenta nennt, entspringen an den Knochen selbst und sind desshalb eben- so empfindungslos, wie die Knochen, die sie untereinander verbinden.

4&. Von den Kennzeiehen der Sehwangenehalt

Nachdem wir nunmehr die einzelnen Organe des Menschen durchgesprochen haben, wollen wir weiter zusehen, wie er auf die Welt kommt und welche Unterschiede bestehen zwischen einer männlichen und einer weiblichen Fruclit. Zunächst haben wir es zu thun mit den Zeiehen, aus denen sich erkennen läset, ob eine Frau schwanger ist. Avieenna führt soldier Zeichen eine ganze Reihe auf. Erstens: di*' voll/.on^ono Mi.schung des männliclien und weiblichen Samens Ich halte dies Zeichen für unzuvoHässig, weil es trotz derselben doch oft giMiuir vorkommt, dass die Frau nicht schwangor wird. Zweitens: Trockenheit der (ilans und starkes Anziehen ilerselben durcli den Uterus. Dritten.s: Der enge Ver- schluss des MutUirmuiult s, der so weit gehen kann, dass selbst da« Kindringen einer Nadelspitze unmöglich wird. Viertens: das Auf- steigen des l't(»rus und sein»' Neigung nach vorn im Leibe der Frau. Püiifrotis: d;is Ausbleiben der Mctistruation nach eingetretener Stliw aii;4^«'rsrhaft. In sehr seltenen Fällen kann die Menstmatton glfMi hwnlil im iJange bleiben. SeclisT»'!!««: Icii htc SrliriicTVj'inptiuiluug /.wischen Nabel und SyTn]>hysp. Sipb«>ntiMi> : Beschwerden Ix iui l riniren, was allerdings iii< !it Ihm allen l"i-auen zutrifft. Achtens: eiiiii;"' Frauen em|itiiiilen nach eingetretener Schwängerung Abneiiruiig u'egeii tlen Verkehr mit dem Manne und die Uohabitatiou. ich glaube, dass

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«las boi solchen FraiuMi für dio erste Zoit «It r ( »raviilität zutrift'f. Nt'iintens: tlie Frnu wiiil weniger iMWcirlich hat «las (lefnlil

von Seil wert» im licibe. Zehntens: leichte Leljtfikeit. Klftens: lici einiiren Frauen entwickelt sich Aufstosseu mit stark saurem ( u sclnnat k. ZwulffetiH: Hautjucken nml Si li\viii<l('l:int'iille. Dreizehntens: es werden hei eiiiii:< ii Frau« ii <li<- Aiii;i ii »luiikler und tiefer lie»^en<l. Als vier- zehntes Mt ikinal j^ilt lia.s Auftreten schädlicher < Jelüste nach Ab- lauf des ersten oder zweiten Monat>, und eiMllich als fünfzehntes das Mattwerden und die j^elbliche Verfärbung des Weissen im Auge. Das »iud die von Aviceniia augegebeneu Keuuzoichen.

46* Yon den ünadieii der Empflngntes eines minnllehen Kindes.

Will man wissen, worlurcli eine Vvau l in männliches Kind empfangt und woraus ersichtlich ist, <»b si^ < iiu !i Knaben gebären wird, so ist zunächst zu bemerken, du»» in den l ullen, wo das Sperma virile heiss und ix it lilich vorhauvlen ist, dieses die Oberhand btnutzt, 80 dass durch die Cohabitation ein Knabe erzeugt wird. Eine weitere UfHaohe hierfür ist gegeben, wenn «las Spernia grossten- tbtfUs aa» dem rechten Testikel herrährt und in diu rechte Seite ileH Uienin gelangt. Die rechte Seite ist uAmlioh wftrmer wie die lioke, unil Uai» Hperroa aiu «leni rechten Teiitike] kräftiger wie das aus dem linken. De«Bhalb iet mein Rath, daae die Frau, wann «ie «inet Knaben genesen will, sich gleich nach der Cohabitation auf die rechte Seite legen »oU. Kinige geben auch an, dam, wenn das S|M*rma dee Mannes aus dem rechten Testikel in die rechte Seite •l«*s Uterus gelange, ein Knabe gezeugt werde, wie ich vorher schon sagte, gerathe aber tUs Sperma aus dem linken Testikel in die rechte Seite ries Uterus, so entsiehe ein Mannweib. Kommt das Sperma aus dem rechten Testikel in die linke Seite, ho entwickelt sich ein weibischer Mann. Wenn aber das S|>erma aus dem linken Testikel in <lie linke Seite des Uterus gerätli, mo soll daraus ein Mädchen werden. Zur Kncenguug eines Knaben hilft femer die Kftlte der Luft, sowie das kältere Klima Überhaupt, und der Wind, iler vom Sternbild <les Wagens nach Sadeii weht und lateinisch A<|tttlo heissl. Die Kälte treibt nämlich die natürliche Wärme in den I^eib hinein und vermehrt dndurch die innere Wärme. Zur Entstehung eines Knab«'n ist grossere Wärme nüthig, wie zu lier eines Mädchens.

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47. Von den Keiiuzeicheii einer niSnnlichen Fracht.

Will iiiiin nach eingetretener Scli\viui;;erschaft wissen, ob die Friu-ht luännlic'lH'ii Ofsrhlechts soiii wird, so ist auf folirom!«» Zeichen zu acliten: Die Hautfarbe <k-r Schwangeren ist lebhafrer. wie wenn sie mit einem Mädchen ueht. Die reelito Bnist nimmt früher zu wie die hnke. Die lirustwarzen sind sfärker roth ge- färbt und die Adern in ihrer l nii^ebung mein uetüllt, \sie wenn ein Mftchhen zu erwarten ist. Der Leib ist nin<h'r. Die Frau ist im (tanzen kräftiger und behender und frei von schädlichen Ge- lüsten. Die Schwangere hat da«* (iefühl, als ob die rechte Seite schwerer sei, wie die linke. Die Kindesbewegungen \verd> i» in der rechten Seite fr'^spürt; eine männliche Frucht bewei^ sit h im Mutter- leibe zuerst uiich drei Monaten, eine weibliche nach vier, Wenn die Frau von der Stelle geht, lieht sie zuerst den rechten Fuss auf, wenn die sich erheVd, stützt sie sieh mit der rechten Hand. Das rechte Auge bewegt sich leichter und rascher, wie das liuke. Am rechten Arm ist der Puls stärker und grösser. Ist die Frau mit einem Knaben schwanger, so hat sie gegen den Verkehr mit dem Manne grösseren Widerwillen, wie wenn es sich um ein Mädchen handelt. Dies gilt indess nur fflr einige Frauen, nicht für alle, und besonders fflr die erste Zeit der Schwaugerachaft Die rechte Brust sondert früher Milch ab, wie die linke, die Milch ut dickflflssi^ and sähe. Tröpfelt mau sie auf ein Glas, so bleiben die Tropfen darauf stehen wie Erbsen und fliessen nicht auseinander. Ist die Frau mit einem Mädchen schwanger, so ist die Mich dflnn und wässerig» die einzelnen Tropfen zerfliessen. Aus allen diesen Zeichen kann man wohl erkennen, ob eine Frau mit einem Knaben oder mit einem Mädchen schwanger geht.

48. Wie das Und zur Weil kommt.

Ist die Frucht im Mntterleibe zur Beife gelangt, so lösen sich die GeiHsse und Bänder, welche bis dahin die Frucht festMelten. grade wie die kleinen Aederchen an den Frachten der Bäume. Die Frucht neigt sich im Mutterleibe abwärts zum Ausgang in die Welt, wie Aristoteles sagt, nnd zwar mit offenem Mmide. Das Kind deckt seinen Mund mit dem Händchen zu: sein erstes mensch« liches Thun. Das Kind kommt auch zuerst mit dem Kopfe auf die Welt. Aus der Welt geht es dagegen mit den Fössen zuerst, <lenu man kehrt die Fflsse nach rorn, wenn man es zu Grabe trägt.

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Triflt es sich so, dasa das Kind nicht mit dem Kopfe Toran an den Muttermund gelangt, so wird es nur schwierig und uuter grossen

Schinerzeu der Mutter geboren, und oft stirbt dann die Mutter an dem Kinde. Dies tritt ein, wenn sich die Frau beim Gebären nicht grade hält. BeTor das Kind den Leib der Mutter völlig rer- lassen hat, bdrt man bei ihm keine Stimme. Zuweilen kommen die Frauen voraeitig nieder. Die Ursache liegt an mancherlei Dingen: an einem Schrecken, au Schlägen, wenn man eine Schwangere heftig schlägt, an starken Sprüngen, die die Frauen ausführen, an heftiger Erschütterung beim Reiten und Fahren. Durch diese Ursachen reissen nemlich die Bänder, mit denen das Kind im Mutterleibe bcfestiirt ist, vorzeitig durch. fj:rad<' wip wenn mnn oine unreife Birne mir cinoni St«>iu vom Ijiiumf wirft. Einige behaupten auch, ilass eine Frühgel)urt eintreten könne durcli das Einathmen des iiestankes einer ausgelöschten Kerze. Icli gianbe, da<s das besonders bei zarten Frauen zutrifft, die von ausser- gcwühnlich empfindlirlu-r Natur >iiid. Man sagt auch, eine Frau gebäre leichter, wemi sie während der Geburt den Athem anhalte.

4c9* Von den Keuuzeichen des Characters.

a. Vom Haare.

Xnclidem wir Inenuit die Ori^aiu' <l<'s men^iclilichen Körjiers besprociieu haben, wollen wir nunmehr angeben, wie man aus der ganzen Gestalt und der Beschaffenheit der einzelnen Theile eines Menschen seinen Character erkennen kann. Ich will hierbei den Angaben t"oli;en. ilir llhaazes in seiner ArÄueilehre niedcrgeleut hat. Der erate Punkt hierbei ist dieser: Will man mit .Siclierlu'it die aügel)orenen Neigungen und Gewohnheiten einer Person prüfen, so tlarf mau dabei nicht auf ein Zeichen allein achten. Man soll vielmehr soviel einzelne Zeichen sammeln wie möglich, und, falls man darunter welche tin-h r. die im Gegensatz zu einander stehen, dt'in atisgesprocheuert'u und iH'sonders hervortretenden folgen. Man bea( lite, dass die meisten un<l siehersten Zeichen den Augen und dem ganzen Antlitz entnommen werden können, danaeii dann aueli viele aus den Händen.

Wir wollen mit dem Haar des Kupfes und <ler übrigen Theile des Leibes begimien. Schlichtes, weiches Haar deutet auf einen furchtsamen 3Ienschen. Einen Vergleich dafür haben wir beim Hasen und beim' Hirsch. Krauses Haar bedeutet Kühnheit. Starker

.Hl halz. KtiUrad v ^n Mei{enb«rg'8 Uurb dar Natur. 3

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Haarwuchs am liaiicli /.»'i^^r riikensehluMt an. Violo Haare auf «lor Brust, sinfl «las .Mcrkuial eines kühueu .Sinnes, ilagegon weist reich- liche Behaarunj^ der Schultern und des Halses auf Kleiuniuth, Widerstreben und Trotz. Damit ausgestattete I^eute Itekehrt man uiclit leicht von einem tMiimal irefassten Vorsatz. Viel Haar an Brust uud Bau( h deutet auf geriuu:e Weisheit, Wie Schweinshorsten auf dem Haupt oder überall am Körper aufrageude Haare zeigen Furcht an.

b. Von der Hautfarbe. Rothe oder rOthliche Färbung der Haut weist auf eine hitzige voDblütige Natur, wogegen eine zwiacheu roth und weins liegende Mittelfarbe ein gleichniässige« Temperament sowie nicht zuviel noch

zu wenig Hitze und Blut anzeigt, vorausgesetzt. das8 die Haut nicht sehr haarig ist. Leute mit feuriger, tiaminendrother Hautfarbe sind unbeständig und leicht aufbrausend, helle, zarte Hiitlie ist scham- haften Naturen eigen. Ein Mensch, dessen Farbe in's Grünliche oder Schwärzliche ttbergeht, ist bdser Art.

c. Von den Augen. Leute mit grossen Augen sind träge, wer alter tief liegende Augen hat. der ist schlau udei- liiuferlistig und ein Betrüger. Olotz- äugigo sind unverschämt, geschwätzig und dumm. Geschlitzte Augen haben Hinterlistige und Betrüger. Wer sehr tlunkele Augen hat ist furchtsam, und wessen Augen in «ler Farbe tieu Ziegenaugeu gleichen, ist dumm. Leicht bewegliche, stechend blickende .\ugen küudigeu den Betrüger, Heimtflcker und Dieb. Wessen Augen so ruhig stehen wie ein Stein, der ist listig, uud wer einen weibischen Auadruek im Auge hat, der ist unkeusch und schando». Menschen mit kindlichem UesiohtMUisdruck, heiterem Antlitz und Blick sind frohgemuth und von der Natur zu langem Leben ersehen. Wer grosse, nnruhige, unbestimmt gefärbte Augen hat, ist trage und ein Liebhaber der Frauen. Besitzer kleiner, sonst aber ebenso be- schaffener Augen neigen leicht zum Zorn und und gleichfalls den Frauen zugethan. Augen, deren Rothe dem Feuer gleicht, zeigen einen gruudbösen, eigensinnigen und widerspftnstigen Gharacter an. Ist dabei der Augapfel schwarz, so deutet das auf Trftgheit nnd Stumpfsinn. Augen von unbestimmter Farbe mit einem gelben Ton darin, wie wenn sie mit Saffran geßlrbt wären, weisen auf sehr schlechte Sitten. Viele Flecken auf den Augen sind Kennzeichen

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eine» Bösewichts, i«t die Farbe seiner Augen dabei von unbestimmtem C'hnracter, ho ist er un> so schlechter. Kleine Augen, dio hervor- stehen wie t\\e Augen beim Krebs, kflnden Dummheit und narrisches Wesen, ilir Besitzer folgt seinen llrisrhliflien fJelüstfn. Sind die Augen klein, unstfit, die Augenlider l)ald geoHuet, hnlii geschlossen. HO hat man einen grundschlechten Menschen vor sich. Leute mit iiufTallenfl runden Augen sind neidiscli. srhwatzhüft. feige und Max eirund ans )>r,sarfig. Augen, diu »ieueu ilfs Himle.s gloichon. deuten auf Kieuiüiiuli. S( hw;irze Atigpu mit einem j'elben Ton durin, wie wenn sie ül>t'rg<ddet waren, siml Kigenschaft eint s b5sen Men.sehen, eines Mörders, der gern Meiischenblnt vergiesst. (Iru.s&t?, geröüiete und nach aufwärts schauende Angen, dt n Ochsenaugen vergleichbar, keuiiieeiclinen «len Bösewicht, <len Tinnen, ilen Xarren. den Tiiinkeii- bold. Die besten Augen sind die. deren Farlie /.wisclien >( liwaiv. und hell die Mitte hält, deren lilick nielit zu lebhaft un<l deren Weisses weder geröiiiet n<»(di gelb verfärbt ist. Sohhe Augen 8pn«chen für die gute Art ihre» Besitzers. Augen mit nnl>estimmter Farbe, die zuweilen pl.itzlich eiin-n gelben Ton anninmit o<ler grünlich ist, wie rli»^ Färbung eines gewissen Steines, verrathen den Bösewicht, und solche Leute, <iie noch dazu Flecken in tlen Augen haben, sind die schlimmsten unter allen Menschen und die grössten Betrüger. Wessen Augen in ihrer ganzen Grösse hervorglotzen, der bat nicht viel Knergie. Wer kleine, tiefliegende Augen besitzt, wt listig, ein Betrflger und neidischer Mensch. Wessen Augenbrauen abwärts gekrammt sind oder an einer Stelle besonders dicht stoben, ist ein Lügner, hinterlistig und dumm. Wer sehr bewegliche Augen hat, ist bösartig. Kleine Augen sind das Kennseichen von Bosheit und Dummheit, grosse Angen deuten auf weniger Bosheit aber grössere Dummheit, wie kleine. Leute mit unbestimmter oder grün* Ucher Augenfarbe sind bdse und diebisch. Sehr häufiges Oeffhen und Schliessen der Augenlider verrftth einen furchtsamen und leicht aufbrausenden Character.

<1. Von den Augenbrauen. Menschen mit starken, borstigen Augenbrauen denken und trachten nel, neigen zur Traurigkeit und haben eine unreine, grobe Sprache. Wer lange Augenbrauen hat, ist hoffärtig und unver- schämt Wenn die Augenbrauen nach der Nase hin abwärts und nach den Schläfen hin aufwärts gerichtet sind, deuten sie auf Hcham<- losigkeit und Stumpfsinn.

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e. Von den Nasenlöcheru.

Spitzo, in (He Län^e geasogene Nasenlöcher lassen kriegerischen Silin und Kampflust erkennen. Wer grosse, weitgeöflhete Nasen* l^her besitzt^ hat geringen Verstand. Leute mit lang'en, dflonen Nasenlöchern sind jähzornig, unüberlegt und oberflächlich. Wer breite Nasenlöcher hat, ist uukeusch, sind sie sehr weit oifen, so ist ihr Kigeuthümer von Natur zornigen Sinnes.

f. Von der Stirn. Wer eine glatte, von Runzel» freie Stirn hat, ist kriegerisch gesinnt und streitsüchtig. Eine nach der Mitte hin besonders stark, entwickelte Stirn spricht für eine znm Zorn geneigte Natur. Eine kleine Stirn hat der Thor, eine grosse Stirn der Faulpelz. Eine sehr stark gerunzelte Stirn spricht fflr unverschämtes Wesen.

g. Vom Munde. Einen grossen Mund hat «ler Fresser und der Tapfere. Stark * entwickelte Lippen zeigen beschränkten («eist und Stumpfsinn an. Wer bleiche Lipppii hat, ist hoffärtig. Wer kranke, sehlecht ent- wickelte und kltMiu' Zähne liat, ist durch und durch krank. Limite und starke Zähne, wie die Hunde, haben gefrässige und bösartige Jilenscheu.

h. Vom menschlichen Antlitz. Wessen Antlitz den Ausdruck des Gesichtes eines Trinkers hat, ist ein Trunkenbold von ü^atur. Wer aber wie ein zorniger Mensch aussieht, neigt von Natur zum Zorn, und wer einen scham- haften Ausdruck im Gesicht hat, ist auch von Natur schamhaft ver- anlagt. Ein sehr fleischiges Gesicht hat der Faule und der Thor. Rauhe Wangenhaut kändet grobe Sitten. Ein fein gebautes Gesicht, nicht aufgedunsen und frei von groben Zflgeu, zeigt den tiefen Denker an. Wer ein auffallend rundes Gesicht bat, ist dumm; wessen Ciesicht sehr gross ist, ist träge. Ein besonders kleines Ge- sicht hat der Arglistige und der Schmeichler. 3Iit wenig Ausnahmen entsprechen einem unvollkommen und unschön gebauten (Josicht auch scidechte Sitten. Ein langes Ciesichf deutet auf Schamliaftig- keit; an den Ohren stark entwickelte Schläfen, mit starken Adern« kflnden einen zornmätbigeu Sinn.

i. Von den Ohren. Grosse Ohren bedeuten Dummheit und langes Leben.

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k. VoD der Stimme. iÜDe starke Stimme kfindet einen mutbigen Sinn. Eiliger und eebneller Rede entsprechen ebensolche Thateu, Zeigen sum Zorn nnd böse Sitten. Wer langathmig ist, ist böse. Wer eine schwer- fällige Stimme bat, dient seinem eigenen Bauch. Menschen mit scharfer Stimme sind gehfissig und hegen ihren Groll lange heimlich im Herzen. £ine schöne Stimme spricht ffir Thorheit und geringen Verstand.

1. Vom Fleisch. Hat ein Mensch Tie! und festes Fleisch am Leibe, so hat er groben Sinn und schweren Verstand. Zartes Fleisch dagegen be- deutet eine gute Natur, guten Sinn und hellen Verstand.

m. Vom Lachen. Wer Tiel lacht, ist sanftmütig, kommt allen Leuten freundlich entgegen und soi^ sich nicht Tiel um iigend Etwas. Wer dagegen wenig lacht, ist harten Sinnes und anderer Leute Treiben missiilUt ihm. Lachen mit lauter Stimme verrftth einen unverschämten Menschen, wer hustet, wenn er lacht oder Athembeschwerde dabei bekommt, ist ein UnTerschämter und ein Wfltherieh.

n. Von der Bewegung. Schwerfällige Bewegungen deuten auf Stumpfsinn und Träg- heit. Schnelle Bewegung dagegen spricht fflr Leichtfertigkeit.

o. Vom Halse. Wer einen kurzen Hals hat, ist listig und siunreich. Eänen langen Hals hat der Thor, der Schwitzer und der Furchtsame. Zornige, leicht aufbrausende Menschen haben einen dicken, fest und kräftig entwickelten Hals.

p. Von der Brust. Wessen Brust in ihrer unteren Hälfte besonders stark und fleischig ist, ist ein Thor. Ein zierlich gebauter Körper deutet auf viel Schlauheit. Wer einen grossen Bauch liat, steckt voll Üeisch- licher Begierden. Magerkeit und zarter Bau von henih und Brust deuten auf Schwäche des Herzens.

q. Von ilen Hippen.

Ein umfänglicher liru!«tkorli zeigt Stärke lioJlart und zor- Wtst'u an. Wer kruniitu' l'ippen hat, ist bösartig. Recht ebeiHiiäs>ig entwit kcltt- Hipj)eu siii-i ein gutes Zeichen. Ein kleiner Brustkurb deutet auf geringen Verstau»!, ein lueiter Thorax dagegen mit kräftigen Kippen zeigt guten Verstand an.

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r. Von den Schultern. Nach dem Kopfe bin gesogene ächaltern bedeuten Dummheit.

8. Von den Armen. Sind die Arme so lang, das« ihr Besitzer stehend mit den Händen die Kniee erreichen kann, so ist er edelen Sinnes, stol» and begierig, über Andere zu herrschen. Krumme Arme haben feige und böse Menschen.

t Von den Händen. Zart und fein gebaute Hände sprechen für Weisheit und klaren Verstand, sehr kurze Hände für Dummheit Schmale und sehr lange Hände kennzeichnen den Wfitherich und den Thoren.

VI. Von «len FQssen.

Ist das Fleiscli an d« n Füssen reichlieh entwickelt und sehr fest, so ist es mit der lutelligeuz ihres Eigenthümers schlecht bestellt. Kleine, zierliche Fässe weisen auf unkeusche, aber auch zum Frohsinn geneigte Sinnesart. Wenig entwickdte Ferm haben die furchtsamen, gross und stark gebaute die mutbigen und be* ständigen Naturen. Breite Füsse und grobe Knöchel kennzeichnen einen gefühllosen^ unTerschämten Menschen. Sehr fleischige Hüflen :>l)rechen für gute und kräftige Art des ganzen Leibes. Stark gebaute Oberschenkel deuten auf tapferen Sinn, kräftig entwickelte Hinterbacken auf besondere Körper- und Manneskraft. Das Gegen- teil findet sich bei Leuten, die die Weiber gern haben sowie bei kränklichen und furchtsamen Personen.

y. Vom Schritte.

Wer grosse, langsame Schritte macht, ist trüge, wer aber in schnellen, kurzen Schritten einhergeht, ist jähzoruig und kümmert sich um alles Mögliche, was er doch nicht zu Wege bringen kann.

w. Wer niuthig ist.

Ein niuthiger Maiui hat reichliches, starkes Haar, eine gut gewachsene Figur, kräftige Beine, Hände und Füsse. Die untere Hälfte der Brust und überhaupt alle Glieder sind stark gebaut,. Brust, Bauch und Schultern gut entwickelt, der Hals ist breite kräftig und nicht zu ildsclug. Ebenso auch eriLennt man einen mutfaigen Menschen an einer fein gebauten Brust, die ausgiebige Athembeweguugen gestattet, an den schmalen Hüften, den nach abwärts gesenkten Waden, der etwas trockenen Haut und dem ebenso beschaffenen Fleisch sowie daran, dass die Adeni an der

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nicbl Diit Ranseln bedt^ckten Stirn durchscheinen, und der ganze Köi})er ziemlicli stark behaart ist Atidi die Leute sind rauthiger Art, deren Muskulatur ebenmil8i»ig, nicht zu schwach und nicht lu stark entwickelt ist. die sich grtide halten, kräftige (Jelenke au den (tlieilern un<l starke Finger besitzen, einen massigen Bauch und schmale, oder doch wenig in die Augen fallende Hflften, breit« Hchultern, stark geschwungene Aogenbraaen und eine von Runzeln freie Stirn haben. Sie sind auMerdeni sehr zum Zorn geneigt, halten lange in ihrem Glimme an und sind auf Brust und Schultern stark behaart.

X. Wer fnrcfatsam ist. Furchtsam ist, wer schlichtes Haar, einen knunmen oder gehackten Körper und nach oben hin stark entwickelte Waden, gelbe Hantfarbe und schwache, in rascher Folge geöffnete und geschlossene Augen, bewegliche und magere Hftnde und Ffisse hat und an seinem ganten Aeusseren den Eindruck eines tranrigen Menschen macht

y. Wer verständig ist. Der Mann hat hellen Verstand und einen guten, lebhaften Character, dessen Körper die Mitte hält zwischen fett an<l mager, und dessen Muskulatur proportionirt, trocken und nicht zu sehr entwickelt ist. Sein Antlitz ist nicht flbermässig fleischig, die Schultern hängen nicht herab, die Brust ist breit gebaut, die Haut hält in ihrer Färbung die Mitte zwischen roth und weiss, sie ist zart and rein. Die Bewegung der Hände ist geschickt, das Haar nicht spröde noch auch zu stark, seine Farbe nicht schwarz, sondern zwischen blond und schwarz.

z. \\ er eine rtcliöne <i est alt hat. Wer eiiKii w n|ilirHi.f!j!rMten, richtig gebauten lv*rper hat, ist weder zu irr«-^'« ti<)< Ii zu kli-iii, nicht zu dii-k und ni« lif /u «liinn. I)ie 1 1;nirt'arl'f i>r \m i-s mtf eijiein leirlit. Ti Stich in s Uoihlicho, Hand«* und l■'u^-•• »iiiil \v<.lil]>iii|inrtr«»nirt, nicht zu nuiger uml nicht zu fleischig. Die (»ru3>e de?i Kupl'i'?. .Hüll iler des j^Mii/t-n Körpers entsprechen, der Hals nicht zu lanir nein. Das Haar nniss die Mitte lialten zwischen weich uu*l hau. aiuh ein kK iu wenig röfidieh gefärbt sein. Das (iesieht nuiss wtddgefornit, und sein .Xun-huik ein »nKciudimer sein, »lie Nasenhuher grade, nicht zu gross und nicht zu klein. Di«* Augen s<dlen zwis»hen schwarz und grün ge- färbt iM'iti, der Blick klar, der Augapfel etwas feucht.

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aa. Wer ein Freund der Weisheit ist. Der liebt die Weisheit, der mit wohlgebautem Körper auf- gerichtet einhf^rgeht, und dessen Hautfarbe weiss und ein wenisi: roth gefärbt ist. Sein Haar ist nicht zu stark noch auch zu schwach, zwischen schlicht und kraus, weich anzufühlen und zwischen schwarz und weiss gefUrbt. Sein ganzes Aeussere macht auf den, <ler ihn erblickt, einen nTiprpnehmeu, erfreulichen Eindruck. Seino Hände sind wohlproportionirt, auch hat er getheilte Finger. Ich verstehe ilainit diejonifre Fingerbildung, bei der die einzelnen Glieder loieht iiarh rückwärts i^flinircn sind, wie wenn sie in etwas losem ZuaniuuitMl- hiuiir untereinander ^tiinilcii. Die Stirn ist gro^s, die Augen haben eine Mittelfarbe zwischen grün und schwarz.

h)v Wer stumpfsinnig ist.

Der Stumpfsinnige int entweder sehr blass oder sehr dunkel gefärbt, hat einen dicken Hauch und krumme Finger. Sein Gesicht ist rund und sehr H*Ms(diig. Aber auch iler ist nicht besonders klug, dessen Hals und Füsse, wie überhaupt der ganze Körper, sehr kräftig im Fleisch sind. Sein Rauch ist rund un<l henrorstehend, seine Schultern nach dem Kopfe hin in die Höhe gezogen. Die Stirn ist rund wie oin Tiall, höckerig und fleischig. Die Kiefer sind stark entwickelt, die Beine laug, das Gesicht gleichfalls in die Länge gezogen, der Hals dick.

cc. Wer unverschämt ist. Weit geöffnete, hervortretende uud scharf blickende Augen kennzeichuen den Unversohämten. Die Augenbrauen sind stark

entwickelt, die ganze Statur nicht übermässig gross. Beim Gehen drückt er die Brust heraus. Dit* S( hultern stehen hoch, die Be- wegungen sind hurtig, die Körperfarbe ist W(><:oii des Blutreichtluuns der Haut roth. Das Gesicht i.st rund, die Brust klein oder schmal, hervortretend oder etwas höckerig. Auch der ist unverschämt, der mit weit aufgesperrten Augen scharf um sich späht uud viel schwätzt

dd. Wer zum Zorn neigt. Der Jähzornige hat ein unschönes, dunkelroth gefärbtes Gesicht. Die Gesichtshnut i.<t trocken und dürr, der ganze I^ib mager. Das Antlitz ist von Runzeln bedeckt, das Haar schwarz und weich.

ee. Wer unkeuech ist. Den Unkeuschen und Liebhaber des anderen Geschlechts er- kennt man an der weissen, zart röthlich gefärbten Haut, dem reichen

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Haarwuchs, der achwaizen Farbe des weichen Haares. Bei den Ohren sind die Schläfen stark behaart, seine Augen sind gross.

ff. Wer einen weibischen Sinn hat. Kin weibisch gesinnter Mann Ist ungeduldig, gegen Schmerz empfindlich, leicht verführt und ebenso leicht bekehrt, ebenso rasch ersfirnt wie versdhnt Bei allen Thieren sind nemlich zumeist die weiblichen Individuen ftusseren Eindrücken leicht zugiinglicb. Sie sind auch listiger wie die Hftnnchen, leichter tum Handeln bereit oder vorschnell und schamloser. So spricht Rhaazes. Die Frauen haben auch einen kleineren Kopf, schlankeren Hals und zierlichere Oesichtsbildung. Die Brust ist eng, die Schultern sind sehpial, die untere Partfaie der Brust nnd die Wölbung derselben ist weniger entwickelt wie beim Manne. Dagegen sind die Hflften und das Gesäss breit angelegt. Die Beine sind klein, Hftnde und Fflsse zierlicher gebaut. Bei allen Thieren sind die Weibchen furchtsamer wie die Männchen.

gg. Von den Cast raten. Kill Castratodt'i Kappaun, da^ heisst ein Mann, der «1er Zeugungs- tiioile entbehrt, ist böse veranlagt, deiiu it ist tliöricht, habgierig und unüberlegt, und unternimmt in Folge dessen mehr, als er zu leisten im Stande ist. Wer aber nicht absichtlieh casMrt sondern als Solcher geboren ist, oder dessen Genitalien ungenügend entwickelt sind, ist einem Kappaun zu vergleichen, auch wächst ihm niemals ein Bart. Solche Leute sind die bösesten unter Ihresgleichen.

50. Von den Träumen.

Nun wollen wir zum allgemeinen Besten auch noch einige Mittheilungen machen ü^cr die Bedeutung piniL;»'!- iiiensi hlicluM iVaunivorstellungen. Wer häufig vom Hc'jMn rräunit und im TiauTn das Meer und flieissemles Wasser erl)lickt, hat viol wässrige Feuch- tigkeit im Leiltc. Ihni sitifl Bader nützlich nnd ähnliche Mittel, den Körper zn reinigen. Träumt .K'iaauil von Feuer, Blitz und Kampf, so hat er viel von tler Matt-rif im Lt-iho. die rdthc (ialle genannt wird. Fin Uebermaass von Blut erregt Träunif von ruther Färbung der ( n - . i Ktände, von frtditn F'^st^n und gutem Kssen, wie auch von Uliutliisscn. Wer tnuinit, or sehe viel «chwar/e oder l»raune Diuice und sich im Schlaf t'ürchtef und ers( hrit kt, der hat viel von der Materie im L( llic. \v»'K:ho schwarze tralie oder Melan- cholie genannt wird. Träumt aber Jemand, er stehe im Schnee

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oder sonst wo an oiuem kalten Ort, so hat er zuviel Kalte im Leibe. Umgokehrt iloutet es auf zuviel Hitze, wvnn man von einem heissen Bade triiumt oder ji^laubt, mau stehe in der bronnondt>n Sonne oder an einem grossen Feuer. Zu grosse rrockeiilieit nnd Dünnheit des Blutes und der anderen Säfte erregt Trüuiiie von Fliegenkönnen. Wer von einer seliweren, drückenden Last träumt, hat zuviel gegessen. Wer aber im Traum durch unsanbore und übelriechende Stätten wandert, der hat viel faule uutl stinktMi<lo Feuchtigkeit in sich. I)afi;egen ist es ein Zeichen für eine richtige und uugetrübto Bi >l liatlLiiheit der Lt-iliessäfte und den völligen Mangel aller zerset/,t»>u Materie, wenn man träumt, man irehf durch Gärten oder durch wohlriechende Orte. Wer sich im Traum durch enge Wege und Fenster durchwinden muss, leidet an Erkrankung der Köhren un«l Organe, die tlen Körper mit Luft versorgen sollen, 80 dass sie nicht im Staude sind, so viel Luft einzuziehen, als für daa Wohlbetindeu der sänimtlichen Organe nothwendig ist.

Das ist die Lehre de$ RhaaEes tod den Trftttnieii, die aus der inneren Veranlagung des Menschen hervorgeben. Ein vernflnf- tiger Mann kann also aus seinen eigenen Trftnmen erkennen, wann- es ihm Noth thut, sich zur Ader zu lassen oder Arznei einzu- nehmen. Andere Tr&ume aber kommen Ton den Gedanken her, die wir wachend hegen, einige auch sind bedingt durch den Einfluss der Kraft der Gestirne, noch andere sind Toni göttlichen Geist ge- sandt, einige auch vom b^sen Geiste eingeblasen. Die Kunst, die Träume zu deuten, ist eigenartig und umständlich, wir wollen unseren Stoff nicht damit belasten.

Hiermit hat das erste Kapitel dieses Buches ein Ende. Das folgende wird handeln von den vier Elementen, den Winden, dem Regen, Thau, Schnee, Reif, Donner, Blitz und anderen elementaren Vorgängen wie auch von den sieben Planeten. Im dritten Kapitel wird die Katurgeschichte aller Thiere gebracht werden, die auf der Erde gehen oder kriechen, im Wasser schwimmen und in der Luft fliegen. Der vierte Abschnitt behandelt die Bäume und ihre Art, der fünfte alle Kräuter und kostbaren Wurzeln. Das sechste Kapitel bringt die Edelsteine, das siebente die Metalle. Im achten und letzten werden einige wunderbare Brunnen besprochen werden. Wenn wir das Alles zu Ende führen, so haben wir ein gutes Werk getban, unserer lieben Frau zum Dienst und danach guten Freunden.

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II.

Von den Himmeln imd den sieben Planeten.

1« ZnnSchst vom äatarn.

Ich weiche hier von der Anordoung meines Intcinischen Textes ab, weil derselbe in diesem Kapitel sehr verwirrt ist, und will zu- nächst die TTimmel und die Planeten, daniuf die Elemente ab- handeln.' Viele Gelehrte, besonders <lie christlichen und Jüdischen, nehmen zehn übereinander geordnete Himmel an. Der erste und oberste Himmel steht still und dreht sich nicht. Er heisst auf lateinisch Enipyreum, zu deutsch Feuerhimmel, weil er in ttbeniiitiiriich hellem Schein jj^lüht und leuelifot. In ihm wohnt Gott mit seinen Ansorwählten. Der zweite Hiiiimd Yon dieseni abwärts und uns zu^ekelirt heisst «1er ers^e Wälzer oder der Krisfallhimmel, weil er klar und hell wie ein Kristall ist. Einen Sr< ni tindet man au ihm nielit. In einejn Tage und einer Nacht, also in vier und zwanzig Stunden, dreiit er sich einmal um die Erde. Der dritte Himmel heisst lateinisch Finnanientuni, zu deutsch die Veste. Er ist nänilich der Stütz- und Haltepunkt für alle Fixsterne. Er dreht sicli der Sonne entgegen von Westen nach Osten und vollbrin^n seinen Tianf einmal in seclisunddreissig- tausend Jahren. Er wird au( h der Sternhimmel genannt.

ICs foliren die sieben Planetenhitnniel, von denen jeder nur einen Stern besitzt. Der erste heisst lateinis( h Saturim^, zu deutsch fiutjühr, weil er den Früchten und allem Lebendigen tenullich ist. Kii;enrlich sollte er Stölirjahr oder Hungerjalir »enannt werdmi. aber zum Sj)ütt nennt man ihn (lutjalir (denn er verdirbt Wein und Korn), so wie man wohl einen nnssLrestaltenen Menschen spottend eiru'ii Engel nennt. Der Stern ist seiner Eigenschaft nach kalt und trockeu, sein Licht iüt gering, sein Umlauf vollzieht sich in

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«Iroissig Jahren. Plinius bemerkt, dass alle Sterne ihre Bahn von links nnrh rechts durchhiufen, ausjfenonnnen der Saturn, der iinnicr liurtii: von rc lir^ nnrh links zieht. Ich verstehe das so, dass er immer «^rosstcntln ils dem Westen jj^egenüber steht, <la er der Sonne langsam folgt. Wenn man nun das (tesirht dem Sternbild des Wagens Tinkehrt und den Küoken nach Süden, so hat man den Stern zur retliten Hand. Die umgekehrte Deutung ist aber auch rifhtifr, denn es h<Msst weiter nichts anderes, wie dass der Stern sich nur hinirsain liewegt. Den Grund dafür findet Plinius in dem rmstande, <lass ihn der Sternhimmel in seinem Umlauf hindert, nml weil er sich so langsam bewegt, ist er auch so sehr kalt; .st hnelle Bewegung ist nendich eine Ursache tler Wftrme. .\ ugusti n US dagesren Äussert sich in seiner Besprechtm? des Buches (tenesis daliin, dass die Ursache der Ivalty des Saturn in den über «len Himmeln befindliehen Wassern zu .suchen sei. Das ist aber, mit Verlaub gesagt, ein Irrthum, da oberhalb der Himmel kein Wasser sich vorfindet. Wäre Wasser dort vorhanden, das den Stern so abkühlen könnte, so mflsate diese Abkflhlang doch zu- meist den gestirnten Himmel treifen und dessen Temperatur so herabsetzen, dass er die Erde so abkühlen müsste, dass weder die Früchte, noch flberbaopt ein lebendiges Wesen auf ihr aushalten könnten. Wenn es aber in der heiligen Schrift heisst, dass über den Himmeln Wasser vorhanden sei, so nehme ich an, dass hier- mit der wasserklare Kristallhimmel zu rerstehen ist, der sich un- mittelbar über dem Sternhimmel befindet Denke nicht, dass ich klüger sein wolle wie Augustinus, aber er hat in seinen Schriften doch anftnglich manche Behauptung ausgesprochen, die er weiter- hin selbst widerrufen hat. Ich sage also: Der Stern Satumus ist seiner eigenen Natur nach kalt, weil Gott ihn so geschalTeu hat.

8. Vom Jupiter.

Der zweite Planet heisst lateinisch Jupiter, deutsch Helfvater, weil er von milder Art ist, warm und trocken oder vielmehr nur mfissig feucht Die Beiden: Wärme mit mässiger Feuchtigkeit gepaart, bilden den ersten Grund und die weiteren Bedingungen für alles Leben. Deshalb macht der Jupiter alles Erdreich frucht- bar und bringt ein gutes Jahr, wenn er in seiner vollen Kraft und der günstigsten Stellung steht Da er durch seine besonderen Eigenschaften dem Satuni das Widerspiel hfllt, trotzdem dieser sein

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Vater genannt wird, weil er der nächste Planet über ihm ist, so nennt man ihn ans Scherz den Helfvater, da er seinen Yater in der Ansfibung seiner Thfttigkeit hindert. Der Name Helfvater kann aber auch daher rflhren, dass der Jupiter ein Vater and Helfer für alle FrAchto und alles irrlische Leben ist. Der Commentator der Stemkunst des gelehrton Marcianus sagt: Gäbe es weiter keinen Stern als den Helfvater, so wftren alle Menschen unsterblich. Ich nehme au, dass er diese Annahme nur vom Standpunkte der natflrlichen Yerhn'tnisse, nidit uüt Berücksichtigung des göttlichen Willf^ns aufgestreut hat. Marcianus lehrt, dass der lupiter zu allen Dingen heilsam sei und Krankheit in (lesundheit verkehre. Der Stern vollbringt seinen Umlauf in zwölf Jahren.

3. Tom Mars.

Der dritte Pianot führt lateinisch den Namen Mars, deutsch : der Streitgott, weil er vou sehr heisser und trockener Beschaffenheit ist. In seiner günstigsten Stellung erhitzt er der Menschen Herz und hülh und macht sie zornig. Der Storii ist roth wie eine glühende Kohle und vollendet seinen Lauf iu zwei Jahren.

4. Von der Sonne.

Der vierte Planet führt lateinis(h den Namen Sol, deutsch: Sonne. Dieser Stern scheint und leuchtet am stärksten von allen übrigen Oestirnen. In Folge dessen löscht er über Ta^o der anderen Sterne Licht auf, so dass man sif nicht sehen kann. Die Sonne vollendet ihren Lauf in dreihundertfünt'nn<!seclizii; ein Viertel Tagen. Scheint die Sonne des Morgen:« beim Anflehen roth oder trübe, oder ist sie unter den Wolken verljurgeii, so deutet das auf Regen. Scheint sie tlagt^en Abends roth, so zeisjt das für den kommenden Tag schönes Wetter an. E** kunmit daher, <lnss die Sonne dos Abends durch die \\'olk<'ii sdu int, die sie aus unserer Atmosphäre nnt sich herunter gezogen und so dieselbe gereinigt hat. Wenn sie aber Morgens durch die Wolken scheint, so hat sie die Wolken aus unserer Atmosphäre vor sich und die Luft ist trübe. Erscheint die Sonnenscheibe konkav, in der Mitte am hellsteti und sentb't sie ihre Strahlen seitwärts nach Sielen und Norden, so ileutet es auf feuciites, \viudiires Wetter. Ist der .ScJieia der Sonne Meidi, so giebt es Wind ohne Hetron. Die Sonne hat fünfzehn besondere Eigenschaften. Sie strahlt in eigenem Liilit

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und wirft ihren Schein auf die anderen Dinge. Hie ist eine Quelle oder ein Ursprung der Hitze. Sie zieht die Wolken an airli. Sie i»t ein Sinnbild der Farben. Sie erleuchtet den Mond. Sie bringt Tag und Nacht. Sie zeitigt die Früchte. Sie trocknet angefeuchtete Dinge wieder, Ihr Licht dringt ein, wo Du ihm nufthnst. Sie schmilzt das 1ms. Sie erfreut gesunde und schädigt kranke Augen. Sie geht auf und unter. Sie steigt auf und ab, denn im Sommer steht sie hoch, im Winter niedrig. Diese fünfzehn Eigenschaften finden wir wieder au der ausenvählten Sonne, unserer Heben Frau im TTiminel. Salome sagt von ihr im Holienliede: Sie ist aus- erwählt wie die Sonne. Unsere Frau erstrahlt im oiirenoii dlanze aller Tiii^ciiHnn, aller Reinheit und aller Seligkeit. Darum heisst es im lloheiiliede: Wer ist die, die <ia einhergehet wie die Morgen- röthe, die des Mttrufns autgeht. Zum anderen streut unsere Frau ihren (üanz aus in wunderbaren Werken und den Wohltliaten ihrer Milde und lliiM /um Dritten ist sie ein (^uell A^'v Wärme, neinlich der lunfist ii Liebe. Denn wir werden durch sie entxündei wie von eiuem Ebenbilde der Liebe, da wir wissen, dass sie ihr Kind so sehr liebt, wie denn Ambrosius hpricht: Da sie ihr Kind vor sich am Kreu/.c .sah, hätte sie sich gerne an seiner Statt kreuzigen und martern lassen, und war bereit, für ihren einge- borenen Solin unter dem Kreuz zu sterben. Zum Vierten zieht sie die Wolken an sich, das sind die Mensc hen, die da fliegen mit ihren guten Werken wie die Wolken und lufcii: Ziehe mi< h zu Dir! Zum Fünften ist sie ein Sinnbild der Farbe, ileiui im Finstern kann .Niemand eine Farbe erkennen und desshalb giebt das Licht erst jeder Farbe ihre besondere Eigenthündichkeit. So thut auch unsere Frau, die den Reuigen und Büssern die violette, den Märtyrern die rosenrotbe, den Jungfrauen die lilienweis^e Farbe giebt Zum Sechsten erleuchtet unsere Frau den Mond, das heisst die Christen- heit in all ihrer Schwftche. Desshalb singt auch die christliche Oemeittde von ihr: Du aUein hast aUe Bosheit und Ketzerei rer- nichtet! Zum Siebenten bringt unsere Frau Tag und Nacht, das heisst Gnade und Gflte den Guten, die sieh wieder zu ihr wenden wollen, und Ungnade denen, die ihren Namen verunehren, wie die Terfluchten Juden. Zum Achten zeitigt unsere Frau die Früchte, wenn wir uns befleissigen, ihr in tugendhaften Werken gleich zu werden. Sie fdrdert unsere Bestrebungen erst zum vollen und guten £nde. Zum Neunten trocknet sie die feuchten Dinge, wenn wir

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«furch ihre Ona<lo fest und stetiir wpnh'ii in nTisorcni mittMi Vorsatz iiml UMS ^jrflrten mit dont (nlrtel der Kouschhfit und Koinhoit. Zum ZohntcMi zieht unsero Frau • in, wt nu Du ihr nufthu^t. VVt»iiu Du ♦len Mund öffnest mit Bitten und Lolu ii. so zit^ht sie in Deine Seele und in Dein Herz ein mit (iuadf uud Milde. Ich kenne Niemand, lier sie nicht lobt, es sei iNnn. w >v\ ihrer (inadf und ihrer tiabcii nicht theilhufti^ ^ewonifii. U !>><>. da^^> W ohilhuii um! Xäch«roidit'bo viel TJi Vh' und » ntzuudt t. Zum KIften zerKchujilzt sie das Ki>, iudniu sie unser triii^cf» üewinsen erweicht und unser unreiui s II« iv. iu l liranen und Weinen aufriclitiger Heue zi'rfliessen läftst. Zum Zwült'ieii erfreut sie die j,'esunden Au^en. indem sie dir u'uten und wahrhaften (*hriste»i erleuditet, damit sie «lie <inade der liimmlischen l'reiiden erkennen k(\nn«'n. Zum Dreizehnten be- trübt sie die bösen, kranken Augen, so das» sie ihre Khirheit nicht erkennen können, Itei denen, die ihre (Jedanken un«l ihren «ranzen Fleis^ nur auf irdische Lust richten. SoK'he Meusehea mögen ihre reiche Uimde und %\\me Milde nicht antKdien. Zum Vieneehnteu geht sie auf und unter.. Denn bei der (teburt ihres ersten, ein- jj^boreneu Sohnes, nneeret Herrn Jesu Christi, ging sie auf am Himmel der Seligkeit fflr das ganze Menschengeschlecht, und rie ging wieder unter in dem grossen Schmerz, den sie beim Tode unti dem Leiden ihres lieben Kindes empfand. Da neigte sie sich und neigt sich auch heute noch zu allen den Herzen, die ihr Leiden unter dem Kreuz betrachten. Zum Fflufeehnten schwebt unsere Frau auf uml nieder. Hie schwebte zuerst nach oben, als sie von ihrem lieben Sohne zur ewigen Freude aufgenommen wurde. Seit- dem schwebt sie alle Tage uml jeder Zeit hernieder, wenn sie fQr uns arme Sflnder ihre Onade fiber das Erdreich ergiesst, als unsere Fflrbitterin bei dem obersten Bichter.

Eine weitere Eigenschaft der Sonne ist noch die, dass sie viel irrAstcr ist als das ganze Erdreich. Der Sternseher Alfraganus sagt, sie sei hundert und sechszig Stunden grösser wie die Erde. So besitzt auch unsere Frau sieben Würden, mit denen sie alle irdischen Juugftvuen flbertrifft, und durch die sie erhöht ist aber die (^höre der Engel. Die erste Wflrde ist die, doss sie Keuschheit gelobte in ihrer Antwort auf den englischen Orus». Denn als der Engel sprach ; Siehe Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebimi, da antwortete sie: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Das heisst, wie die Kirchenlehrer sagen, so viel

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wie: Ich will niemals einen ^Ifnni erkeuneii. So i^ebrauchen wir beim >|>r<'clieij anch hiiiiti^ die l»ei;t'ii \'. ;n t für <lie Znkunft, z. B. wenn Du mich auf den künftige« Sonnabend zum Mittagessen ein- ladest und ich sage: ich esse Sonnabends kein Fleisch, heisst Uiis doch: icli will kummenden Sonnabend kein Fleisch essen. Die zweite Würde ist die, dass sie als reine Jungfrau schwanger war. Denn der Engel sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über Dich kuinnien, davon wirst Du schwanger werden ohne Mannes üeniein- !<€huft. Die dritte Würde ist die, dass sie die (lottesigebärerin ist, wovon Ovidius von ihr und ihrem Kinde sagte: Ein neues Kind- lein wird jetzt vom hohen Himmel herabgesandt. Nnn siebe, wie selig unseve Frau «ich vorgesehen hat, als sie fOr sieh selbst da» beste Theil ftmerwfthlte fon den beiden Dingen, der Ehe und der Keuachheit Die Ehe hat zwei ESgeneehirflenf sie ist fruchtbar und unrein in ihren Werken. Ebenso bat auch die Keuschheit zwei Eigenschaften, sie ist unfruchtbar und lauter uud rein. Nnn hat unsere Frau der Ehe die Fruchtbarkeit und der Keuschheit die Beinheit entnommen. Die anderen beiden liägenschaften hat ne verschmfthi Die vierte Wflrde ist die, dass sie aUe ihre Tage ohne Makel war. Denn da sie ein Behältuss und auserwfthlten Saal des obersten Gottes darstellte, war es billig, dass das gdtüiehe Qefftss allezeit duftete nach dem Schatze, der darin war. Davon spricht auch Sankt Augustinus im Buche von der Gflte der Ehe: Alle, die Ton Adam und Eva geboren werden sind gebunden zu sprechen: Vergieb uns unsere Schuld! ausser der seligen Jungfrau. Ich will nicht davon reden noch auch dessen gedenken, was man von den Sflnden sagt, die er ihr zugelegt hat am der Ehre unseres Herrn willen. Die fünfte Würde ist die, dass sie begnadigt ist mit allen Tugenden. Desshalb sprach der Engel: Gegrüsset seist Du, voller Gnaden! und Salomo sagt von ihr, als ob sie von sich selber redete: In mir ist alle Gnade des rechten Weges und »ler Wahr- heit. Die sechste Würde ist, dass sie ihrem Sohne gebietet wie eine Jdutter ihrem Kinde gebieten soll. Davon sagt der Meister Adam von Sankt Victor in seiner Sequenz') von unserer Frau: ora patrem, jube nato, das heisst: bitte den Vater, gebeut dem Sohne. Die siebente Würde ist aus alle den anderen hervorgegangen.

0 Ein Theil der zur Feier der Messe gehörenden GesKofce wird s«> genannt.

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Sie liegt daria, dass n» Aber aUen Ifimmeln erhöhet ist, als sie mit Leib and Seele axifgenommeii wurde in die ewige Freude. Detdialb sagt Johannes tou ihr in der Offenbarung: Der Mond ist unter ihren Fassen, das heisst: aDe Tergftog^iche Kreatur.

5. Ton der Teno».

Der fflnfte 'Planet heisst lateinisch Venus, au deutsch: der Morj^nstem, weil er morgens vor der Sonne aufgeht. Er heisst auch der Mettenstem, weil er zur Zeit der Mette mit hellem licht aus den Wolken herrorbricht. Man nennt ihn auch den Abend- stern, wenn er des Abends nach Sonnenuntergang aufgeht, auch führt er dann den Namen: der Thierstem. Um diese Tageeseit kommen nemlicb die wilden Thiere, die am Tage sich nicht heraus wagten, aus den Wäldern und Höhlen hervor und suchen ihre Nahrung. Endlich nennt man ihn auch den Stern der Minne, weil er seine Kinder, es sei Frau oder Mann, der Liebe geneigt macht. Desshalb nennen die verliebten I^eute die Göttin der liebe Venus. Dieser Name ist in erster Linie von unserem Stern entlehnt Es sagt wohl Mancher: Venus hilf! der gar nicht weiss, was Venus ist Endlich fflhrt er noch den lateinischen Namen Luciffi-, Lichtträger, weil er ein angenehmes Lieht ausstrahlt, das eines Jeden Herz erfreut, der ihn ansieht. Der Stern vollbringt seinen Lauf in ilreihundert und achtundvierzig Tagen, also heiiialie in der gleichen Zeit wie die Sonne. Der Stern hat acht edele Eigenschaften. Die erste ist, dass er ein schönes Licht hat. Die zweite, dass er Thau bringt. Die dritte, dass er das Herz der Menschen erfreut, die ihn betrachten. Die vierte ist, i\nm er wacht oder vielmehr die Leute aufweckt, dass sie mit Tagesanbruch sich erheben. Die fünfte ist, dass er angenehm und Instig anzusehen ist, die sedistf, dass or morgens vor der Sonne aufgeht. Die siebente p]igenschaft ist die, duss er dem Mond in der Zeit seiner 01aiizlosin;keit folp:t, wenn der Mond von der Sonne weg dem Morgenstern voran kommt. Die achte ist die, dass er im Winter des Morgens sielitbar ist, im Sommer dagegen nicht. Für uns ist der Morgenstern das Sinnl)ild eines jeden heiligen LohrorB, der den TiPuton (Ina Wort (iottes verkündet und danacli handelt und lebt. Kill Süll lier besitzt die fl)i'n bt's])rochonL'n ailit Eit;enscliaften. Zunächst leuchtet sein Licht liell, desshalb spricht auch unser Herr zu seinen zwölf Apostelu und allen seinen Jünijom: Ihr sei<l das Licht der Welt! und weiterhin: Eure Werlte sollen scheinen! und

ticbals. KMrnd von Megenberg'a BucU ti«r Natur. 4

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auch: BrermeiKle Leucliter snlltMi simh in fuern Hiiinlcn! Darum loiK'liten ilip lieili^'^cii Lehrer im (Uatiz aller ihrer Tiigeiulen. Die Hiiclere lOi-rotisrhaft ist, das» sie mit dem heiligen Ootteswort den aiulächtii^en IIitzoh Thfiu hringeii, der in ihnen Blumen hervorbringt und Fni( lite «It r ewigen Seligkeit. Detjäihalb sagt der heilige (i regt) l ins: Das finstere Wasser in «ir-n Wolken «1er I.uft ist die dunkele WisseuHchaft in den Sprüchen «ier Propheten. Die dritte Kigenschaft ist, dass die heiligen Lehrer mir ihrem bclioneu Lielit, das heisst mit ihrem reinen Leumund und ilirem ehrbaren Wandel den erfieiuMi, der da sitzt in der Finsterniss der Sünde und des Irrthums. Zum Vierten jsind sie allezeit wachsam in der Furcht (lüttes. Darum spriclit un!5er Herr: Selig ist der Knecht, iltn sein Herr wachend findet, wenn er zu ihm kommt. Die fünfte Eigen- schaft ist die, dass ein jeder heiliger Lehrer einem vernünftigen Menschen einen erfreulichen. Anblick gewährt, denn er blOht hent- lieh schön in seinen Tugenden und Werken, gerade wie ein mit filflthen bedeckter Mandelbaum im Mai. Die sechste ist, dass er TOT der Sonne aufgebt. Denn ein jeder heiliger Lebrer geht Tor der göttlichen Sonne der höchsten Gerechtigkeit einher wie ein Kitter Tor seinem Herrn, der die Feinde seines Herrn tödtet mit einem zweischneidigen Schwert. Denn die heiligen Lehrer tödten die Menschen in ihren weltlichen Werken und machen sie lebendig in Gott. Zum Siebenten folgt der heilige Lehrer dem Mond in seiner (ilanzlosigkeit, indem er Mitleid fahli mit der Christenheit in ihrer Schwäche. Darum sagt der heilige Paulus: Wer siebet und ich sehe nicht? Endlich leuchtet der heilige Tiehrer im Winter und im Sommer nicht Das soll heissen: in seinen, ihm durch den Willen Gottes verhängten Leiden leuchtet er mit der Wärme seines festen Glaubens an Gott, die Leute aber erkennen diese oft nicht, wenn die heiligen Lehrer von Anfechtung verschont sind.

6. Vom MerenrIiM.

Der sechste Planet wird lateinisch Mercurius genannt, tn deutsch der Kaufherr oder der Kaufleute Herr. Die Kinder nemlich, die unter seinem Einflues gezeugt werden, sind redegewandt, denn Rede- gewandtheit ist eine Eigenschaft der Kaufleute. Auf griechisch heisst er auch Stilbon, auf deutsch: der gute Tropfen, weil er Gnade ausgiesst und herabtropfen lasst über die Kinder, deren Herr er ist. Der Stern vollbringt seinen I^iuf in dreihundert und sechsunddreiesig

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Tagen oder doch nahezu in dieser Zeit Einige sagen auch, dass er beim Kaufgeschäft glückbringend sei.

7. Yom HoDd.

Der siebente und der Erde zunächst befindliche Planet heisst lateinisch Luna, was auf deutsch so Tiel bedeutet wie ein Stern, der in fremdem Lichte leuchtet. Der Mond bekommt nenilich sein Licht von der Sonne und hat aus sich selbst keins. Jedoch sagen einige alte Meister, die eine Hälfte der Mondkuge) sei durch eigenes Licht erleuchtet, die andere dagegen finster, und die Mondkugel drehe sich unablässig, bis die erleuchtete Hälfte auf uns herab* scheine, danach werde dann die finstere Hälfte uns zugekehrt Das ist aber falsch, und die grossen Gelehrten sind anderer Ansicht, wie auch der heilige Augustinus in dem Sendschreiben an seinen Freund Januarius sagt, dass der Mond von der Sonne erleuchtet werde. Wenn die Enie zwischen dem Mond und der Sonne sich befindet, verliert der Mond sein Licht, die Sonne kann dann ihren Scliein nicht auf don Mond werfen. Deshalb muss er dann finster nmn. Steht der Mond der Sonne grade gegenflber, so ist er voll, bescheint ihn die Sonne von der Seite, so ist er nicht ganz toIL Steht er aber gar unter der Sonne, so hnt er an der um zuge- kehrten Hälfte gar kein Licht, weil die Mondkugel dick und un- durchsichtig ist und das Sonnenlicht nicht durchlassen kann wie etwa ein Glas oder sonst ein durchscheinender Gegenstand. Der Mond vollbringt seinen Lauf in dreissig Tagen, wie unser Buch angiebt oder in siebenuudzwanzig Tagen, wie die Sternseher sagen. Der Mond ist viel kleiner wie die Sonne, erscheint uns aber ebenso gross, weil er iiii.s viel näher ist wie die Sonne. Es liegen ja, wie oben gesai^t. zwei Hinunel /.wischen dem Sonnen- und <l»'n( Mond- himmel, ueuiiicii der Morgenstern- und der Kaul'lierrnhimniel. Im Mond sind schwarze l^leeken und die T^aien sagen, es sitze ein Main! mit einer Dornenwelle im Mond. Das ist aber nicht wahr. Der (irnnd <l;itur ist vielnitdir der, das.s die Mondolieriiäche an diesicn Stellen dicker ist wie an «len an<ioren. In Fuls^e dessen nimmt er dorr dm l;iclit der Sonne nicht auf, uml u^ erscheinen uns diese Partliiet-n dunkel. Der Mond *ist ein Vater und Meister aller Feuchtigkeit, ilt >slialb finden sich im Orient einige ( Jewässer, <lie mit dem Zu- uml Aluielinieu des Mondes steigen und fallen. Alle Feuchtigkeit nenilich nimmt mit dem \\ achsen des Mundes zu,

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bdi lebendigen Dingeu ebon»o \vio bei uubeseelten. Auch alle, mil zu grosser Feuchtigkeit ei 11 hergehenden Krankheiten, wio die Wasser- gucht und ähnliche Leiden werden bei wachsendem Mond schlimmer. Eini<^o Thioro sind glpichfalls bei zunehmendem Monde starker wie bei abnehmendem, w'm man bei den Wölfen sehen kann, die bei wachsendem Mond eifriger jagen nls sonst. Auch die kriechenden Thiere, welche giftig sind, sind dann gefahrlicher, wie zu anilerer Zeit. Das Haar wächst nra die Zeit des zunehmenden Mondes gleichfRÜs hesser wie sonst. So lange der Mond von Osten bis* zur Mifte des llinuu*'l> zieht, kouiiin 11 alle Moerthiere uml alle kriechen- den üesdiopfe aus liiren Sriiluplsvniki'lu hervor, und wenn der Mond sich dem Untergang zu neigt, verbergen sie sich wieder.

Zu beachten ist, dass die Nacht bei Vollmond, wie ,\ristoteles augit lit, wärmer ist wie sonst, weil dann der Mond ludler scheint. Der Sternseher Albuniasar sagt: Wenn Jemand hei Nacht lauge im MöTidschein sitzt oder srhläft, so wird er träge und sehwerfüllig, bektunuit iiusteu und in vielen Fällen giehtische Seliinerzen im Kopf. Scheint <ler 31ond auf das Fleisch geschlachteter Thiere, so wird es unschuuickhaft. In dem nur vorliegenden Buche findet sich auch die .Vngnbe, rlaas wenn der ^loiulst lu?in durch ein enges Fenster auf die Kücken wunde eines abgetriebenen Pferdes falle, das Pferd ein- gehe, wogegen es durchkomme, wenn es im vollen Mondlicht stünde. Das Haupt und Ciehirn des Menschen sind gleichfalls vom jeweiligen Verhalten des Mondes sehr abhängig, wie man liei den Leuten sehen kann, deren geistige Störung nach dem Mondsüuide zu- und ab- nimmt. Rothe oder blasse Färbnng des Mondes deutet auf ver- änderliches Wetter, gerade wie bei der Sonne. Der Mond mildert die Hitze der Sonne, erhellt die Nacht und ist von allen Sternen der Erde am nAefaiten. Wir können aber alle Eigeneehallen des Mondes zusammenfassen und vei^leichen mit sehn Tugenden, die unsere liebe Frau besitzt

Der Mond ist zun&chit ein Vater aller Feuchtigkeit. Ebenso ist unsere liebe Frau eine Mutter aller Gnaden, wie vorher bei der Sonne gesagt ist Weiter kfihlt der Mond der Sonne Hitze, und ebenso sftnftigt unsere liebe Frau den Zorn des obersten Richters. So lesen wir vom Theophilus, der sich dem Teufel ergeben hatte und Gott verleugnete: den brachte unsere Frau wieiler eurflck, wie sie manchen Sünder zurfickgebracht hat Drittens verliert der Mond sein licht, wenn er die Sonne verlftsst. So verlor auch

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unsere liebe Frau ihren Glanz, in dem sie leuchtete durch die Gegenwart ihres Kindes und ihre Mutterfreude, als ihr Sohn, die wahre Sonne der Gerechtigkeit, am Kreuze starb. Dessbalb schreibt auch der EraDgeltst Lukas, daas Simeon tu ihr im Tempel sprach: Ein Schwert wird durch Deine Seele dringen! Damit meinte er dos Schwert des bitteren Schmerses, den sie unter dem Kreuz litt Viertens giebt die Sonne dem Mond sein Lieht. So gab auch unser Herr unserer Frau Licht und Gnade, als er ihr seinen heiligen Geist sandte. Dayon sagen einige Schriftgelehrte, dass Joseph ihr Angesicht nicht anausehen wagte, so lange sie schwanger war; und ebenso spricht Matthäus, dass Joseph sie nicht erkannte, bis sie ihren ersten Sohn geboren hatte. Zum Fünften erleuchtet der Mond die Kacht So erleuchtet unsere liebe Frau die heilige Ohiistenheit, und man singt tob ihr: Freue Dich, Maria, reine Magd, denn Du hast alle Ketserei verälgt! Sechstens erhellt der Mond die Erde, wenn die Sonne untergegangen ist. Denn wenn die Sonne unter der Erde steht und der Mond über ihr, so vertritt der Mond die Stelle der Sonne. So that auch unsere Frau: als unser Herr gen Himmel fuhr liess er sie auf Erden anrflck als einen Trost und leuchtendes Vorbild für seine Jünger. Dessbalb sagen die heiligen Lehrer, dass Lukas das ETangelium nach ihrer mfludlichen ]\IittheUung geschrieben habe. Siebentens ist der Mond unter allen Planeten der Erde am nnchsten. So ist auch unsere liebe Frau uns die gnädigste Ton allen Heiligen und eine Mittlerin und Fursprecherin zwischen Gott und dem Sünder. Achtens nimmt der Mond zu und wächst. So wueh^ auch unsere liebe Frau und nahm zu von der Zeit an, da ihr die göttliche Botschaft geworden war, und die Zunahme hdrte auf, als sie ihren Sohn gebar. Sie nahm aber auch, wie vorher gesagt, ab, als ihr der Trost der (legenwart ihres Kindes genommen wurde und sie es für diese Welt verlor. Von der Zeit nahm sie nicht mehr ab, als sie zur ewigen Freude aufgenommen wurde, denn dort ist sie die schönste von allen Frauen und dem höchsten Herrscher die allerliebste, ohne alles Gebrechen in ■••anzer Vollkommenheit. Wie aber der Mond zum Neunten scheint und leuchtet, so erstrahlt unsere liehe Frau in Keuschheit und Reinheit des Leibes und der Seele, also in doppelter Reinheit. Desshalb nennt auch ihr Bräutigam im hohen Liede sie zweifach .«icliön, wenn er zu ihr spricht: Wie gar schön Du bist, meine Freundin, wie gar schön Du bist! Zehntens theilt der Mond

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durch Bein Scheinen die Zeit ein, und so tbeilt nnsere liebe Fmn die Zea.t der Gnade und der Ungnade, denn eie hat uns die Gnaden- seit gebracht und vertilgt die Zeit der Ungnade.

8. Ton den Planeten in ihrer Gesauinitheit.

Das sind die sieben Planeten, hier nacheinaiuler aufgeführt in der Reihenfolge, wie ihre f^ielien Himm(»l fiher eiuantler stehen. Ein Planet ist nach dem SiTin der griechischen Sprache so viel wie ein irrender Stern otler ein Stern, <ler eigene Bewegung hat. Die sieben Planeten drehen sich nenilich ans eigener Kraft, jeder in seinem Hiraniel, und sind nicht um Srniihimmel befestigt.

Hierüber will ich nun weiter Nichts mehr saijen. Will Knu-r mehr »lavon wissen, so verschatfe er sich und lese das deutsche Buch, dass ich von d^r (iestalt «ler Welt geschiHebcn habe. En heisst „die deutsche Sjdiciera" und fängt an mit den Worten:

Fliess in mich, aller Unaden Quell! darin findet mau viele schönen Dinge.

9« Yom Feuer.

Es ist unn an der Zeit, dass vir von den vier Elementen sprechen. Der Elemente giebt es vier: Feuer, Luft, Wasser uinl Erde. Das Feuer ist heiss und trocken und es erstreckt sich sein Bereich rund um die Erde zunächst dem Himmel des Mondes. Das Feuer ist unsichtbar wie die T.uft, aber viel leichter beweglich als diese. Es verbrennt auch die Dinge auf der Erde nicht, weil es fern von ihnen ist und auch, weil die Luft es durch ihre Eigen- kraft mildert Die Eigenschaften des Feuers köimen wir in acht Punkten zusammenfassen. Zunächst wirkt es zerstörend und ver- nichtend, wie wir an den Gegenständen wahrnehmen, die es verbrennt. Zweitens wirkt es erweichend, wie wir am Blei und anderen Metallen beobachten können. Drittens zieht es zusammen, wie an feuchten Häuten und am Leder zu sehen ist. Viertens maclit es die Dinge stark und fest, wie wir an den weichen Gefässen sehen, die <lie Töpfer aus Thon oder Lehm herstellen. Fünftens erhellt das Feuer die Finsteruiss, wie wir an dem Feuer sehen, welches mit einer Flamme brennt. Zum Sechsten erschreckt es, wie wir beim Blitz sehen. Siebentens zündet es, wie man an vielerlei Dingen be- obachten kann. Kn<llich erfreut t-s und macht die Leute froh, wie wir es in der kalten Winterszeit wahrnehmen. Diese acht FiL't^n- tbümlichkeiten des Feuers gleichen den Werken des heiligen Geistt^.

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Der heilige Geist wird wohl eiD Feuer geiüiDut, demhalb sagt unser Herr Jesus OhriitUs: Ich bhi gekommen, ein Feuer auszusenden. Dieses Feuer Tenehrl zunAehst den Rost der Sünde. Darum sagt die Schrift: Unser Herr ist ein Verzehrendes Feuer. Die zweite Th&tigkeit des heiligen Geistes besieht darin, harte Dinge zu er- w^cben^ wie z. B. harte, steinerne Herzen. Darum spricht auch Hesekiel durch .den Hund Gottes: Ich will das steinerne Herz Ton Buch nehmen. Drittens trocknet der heilige Geist den Ström der Unkeuschheit aus, grade wie die Sonne, die eine Quelle der Wärme ist Desshalb spricht Salome im Buche der Weisheit: Die Sonne ist aufgegangen und macht das Erdreich dfirr. Viertens stärkt der heilige Geist unsere schwachen und hinfälligen Werke und giebt unseren kurzen Vorsätzen Dauer. Darum heisst es in der Schrift: Die Gefässe des Töpfers bestätigt der heisse Ofen. Ffinftens er- leuchtet der heilige Geist die Finsterniss, das sind die in der Dunkelheit befindlichen Herzen. Darum sagt Moses im Buche vom Anfang der Welt: Gott sah das Licht, dass es gut war und schied das Licht von der Finsterniss. Sechstons erschreckt und straft der heilige Geist die Sünder. Davon reilet die heilige Schrift im Buche der Apostel: Als die Stimme des heiligen Geistes am Pfingsttage gehört wurde, erschraken unseres Herrn Jünger alle; und auch im Kvnngellum heisst es, dass der heilige Ueist die AVeit straft um ihrer Sünde willen. Das siebente Werk des heiligen Geistes ist, die Meuschen zu entzfni'1«'n zur Liebe j^efren (Jott und den Nächsten. Zum Achten tröstet der heilige (ifist die hetriibten Herzen und erfreut die anneu Verlassenen auf dieser Welt. Davon sagt die Schrift: Der heilige Geist ist ein Paraklot. das ist ein Tröster.

Das Feuer besitzt noch weitere sielten Kij^eiisebaften. Frstens ist es leicht >H'Mei>rlich. Zweitens ist es trucken, drittens rein. Viertens kann man es unterlialten und vor dem Verlüselieu liewahren dnrcl» Aufdf'eken von leichter, loser Asche. Seine fünfte Eigenheit ist das irii Iii ' Umsiehfjreifeu. Seehstens hat es die Art. nach oben zu steigen. Siebentes wird es schon von wenig Wasser gedämpft.

Diese sieben Eigenthümlichkeiten des Feuers können wir auch den Werken des heiligen Geistes vergleichen. Zunächst ist auch der heilige Geist leieht heweijlieh, dringt rasch ein in die zu seiner Aufnahme geschickten Seeh ii und lässt sie von Tugend zu Tu*rend weitergehen. Zum Anderen ist der (ipi<!t trocken in seinen Werken, denn er trocknet das unbeständige Wesen aus, das von Bosheit und

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Aerger fltwst, and bringt Keuschheit und auch Beattndigkeii Drittens ist er rein, denn er kann nicht Terunreinigt werden. BaTon sagt Salome im Buche der Weisheit: Er rührt aller Enden an» seiner Betnheit wegen. Die rierte Eigenheit des heiligen Oeistes ist die, dass man ihn bedecken und eriialten kann unter der Asohe der Demuth. Davon spricht Jesaias: Du gefangene Tochter Zion sitzest in der Asche, das heisst in Demutb* Fflnftens breitet sich der heilige Geist leicht aus. Desshalb sagt die Schrift von ihm* Der Geist fährt schnell dahin. Siebentens wird der heilige Geist geschwächt durch eine kleine Menge Wasser, das heisst durch ein wenig Wollust und Unkeuschheit, denn da, wo viel Wasser ist, wohnt der Teufel Behenioth. Dann flieht der heilige Geist von dannen, da er keine I'ineinlieit an sich duldet. Desshalb sagt der heilige Bernhard: Der göttliche Trost ist zart Aristoteles be- merict auch noch rom Feuer: Was vom Feuer entfernt ist, kann wobl erleuchtet aber nicht entsflndet werden.

Es giebt drei Arten von Feuer. Die erste ist das Licht, die zweite die Flamme, die dritte die Kohle. Das laicht ist so, wie wir

es an den Sternen wahmehmeu, die nach der Anschauung der alten Meister feuriger Natur sein sollten. Die Flamme ist ein ange- zündeter Rauch, der von Holz oder anderen brennenden Dingen aufsteigt. Eine Kohle ist ein brennender Gegenstand, der keine Fkimme giebt, wie wir an den glühenden Kohlen sehen können.

Das l'euer hat die Art, dass es die Materie, mit der es ar- beitet, zu Asche macht, vorausgesetzt, dass sie dem Feuer nicht widersteht. Ohne Materie, in der es wirken kann, verum das Feuer nicht zu bestehen, ansgenonimen an seinem ihm von der Natur an- gewiesenen Platz zunächst unter den» Monde. Das Feuer ver/.ehrt sich nicht selbst, wohl aber die anderen Dinge. Die weisen Lehrer siiiren, dass der lieilii;e ( leist ••Ikmiso sich verhalte, weil er die hünde verzehrt, die Niclns von seinem Wesen bildet, de härter die Sub- stanz ist, in (hr ilas Feuer sich hndet, um so stärker und hei.sser ist ef, denn es ist hitziger im Fisen wie in einer Holzkohh', uTid in einer Kohle hit7,it»:er wie im 8troh oder den Stoj>l»eln. So brennt auch der heilige (ieisr stärker in denen, die reich an Tu^^endeJi sin<l als in denen, mit «leren Tugeu«! es s( hwach l»e>tellt ist. Au grünem Hol/ entzündetes Feuer brennt stärker wie an diirrein Holz, denn es« niuhs in grünem ffolz starker arlieiten wie an diirrem. So verhält es sich auch mit dem heiligen Geist, der in der Seele der

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jungen Leute ettrker wirkt, wenn sie tod Jugend au biB an ihr Ende sich in der Tugend flben, wie in der Seele der Alten, die ihren guten Wein vericnuft haben und Gott nur die Hefe geben können. Das Fener brennt einen Stein zu Asche. So thut auch der heilige Geist, wenn er einen in der Glut der Reue Terbrannten Sfinder sur Asche der Demuth Terwandelt Das beweisen uns recht Maria Magdalena, Afra und riele andere grosse Heilige, die vor- dem grosse Sflnder waren. Einige weisse Dinge macht das Feuer durch seine Glut schwars. Ebenso thut der heilige Geist, indem er den Sehein und die Lust dieser Welt schwätzt und sie der von Gott er- füllten Seele zuwider werden Utest. Du sollst auch wissen, dass ein mit dem hdligen Gdste erfüllter Mensch einer brennenden Eene gleidit Die Kerze nnfzt mit ihrem Lichte anderen Dingen zu ihrem eigenen Schaden, da sie in der Flamme abnimmt So rerhült es sich aneh mit einem geheiligten Menschen, der um so mehr Hass und Leid in der Welt erfftbrt» je mehr Gutes er Ihr erweist Darum sprach unser Herr zu seinen Jüngern: Selig seid ihr, wenn Euch die Welt hasst! Die Flamme der Kerze wird Tom Winde ausgelöscht, äo flieht auch der heilige Oeist oft durch das Anblasen und die Lästerungen der Welt, durch die mancher Mensch verkehrt wird. Zuweilen geht (Vw Flamme auch in Folge zu reicher Nahrung aus, wie man an den Ampoln sioht, wenn zuviel Oel darin ist. So er- löscht der heilige Geist oft in dem Menschen, der zu viel Reiebthum besitzt und sein Herz nicht von ihm abkehren mag. Das Feuer löscht oft Ton zu starkem Anblasen aus, wogegen es durch mässiges Blasen wieder angefacht werden kann. So erlöscht auch häufig der Cieist der heiligen Hoffnung durch zu grosse und schwere Busse, mit der der Beichtiger den Sünder schroekt, und wird wieder augefacht durch eine gemässigte, sanfte Ermahnung. Wenn das Licht des Fouers aussr^^ht, sn stinkt dvr danach auftretende Rauch. Ebenso konunt diT Hauch hervor, wenn der heilige (reist von oinem Menschon flieht. Das Feuer vermag ohne die ihm eigene Hitze und Tro( kenhoit nicht zu bestehen, ebenso duldet auch der heilige (lei.st keine L nreinigkeit. Das Feuer ist weithin sichtbar und be- wirkt, dass OS selber und mit ihm auch andere ( iegenstande sichtbar werden. Ebenso vc'rhält sich der lieilige (ieist: er kommt vom höchsten (iutt in des Mensclien S(M'le und liewirkt, «lass der .M^nscdi sich selbst und die Anssenwelt erkennt. Deshalb heisst es im Liede vom heiligen Ueist, dass er aller Dinge Wissen und Stimme habe.

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Eine brennende Keise hfilt ein Betrunkener für swm: so hat ein vom heiligen Geiste tronkener Mensch, der die Ueppigkeit dieser Welt verachtet, doppelte Freude von einer Gabe des heiligen Geistes. Das Feuer wird angefacht oder brennt, wenn man die Kei» aufrecht hilt, und geht ans, wenn man sie umkehrt So wird der heUige €kist im Menschen entzündet, wenn sich der Mensch zu Gott emporkehrt und erlischt in der Seele desselben Menschen, wenn er sich abwftrts neigt zur Bosheit dieser Welt Das Feuer wfthrt so lange, wie der Gegenstand andauert, welcher brennt, und an dem das Feuer hallet So dauert die Liebe zu Gott und den Menschen ebenso lange an, wie der Gegenstand der Liebe an- dauert, es sei denn, dass der Liebhaber sein Lieb verlässt oder ihm entfremdet wird. Die Hitze des Feuers ist grösser, wenn der brennende Gegenstand gross ist, wie umgekehrt So sind des heiligOn Geistes Werke stärker bei einem an Tugend reichen Menschen wie bei einem, der nicht so viel Tii<::cnd besitzt Alfraganus sagt, dass da» Feuer die Schmerzen lindere, die von der Hit»» herrflbren. Wir sehen dnn, wenn Jemand sich den Finger verbrannt und ihn darauf dem Feuer wieder nähert, der Schmerz wird dann geringer wie vorher. So sänftigt der heilige Geist die Seelenachmerzen, die die Glut dieser Welt hervor- gerufen hat

10. Von der Luft

Die Luft ist von Natur warm und feucht, aber ihre Wärme ist geistigerer Art wie die des Feuers, so dass man sie in der Luft weniger gut empfindet wie beim Feuer. Ebenso ist auch die Feuchtigkeit der Luft mehr geistiger Art, so dass man sie nicht so wahrnimmt wie im Wasser. Die Luft ist das dem Feuer mlchste Element. Wo das Bereich des Feuers endigt fängt das der Luft an, und die Luft geht rund um das Meer und die Erde, grade wie das Weisse im Ei den Dotter umgiebt. So hat Gott die Elemente geordnet: das leichteste von ihnen, das Feuer, befindet sich zu oherst. Danach ist die Luft leii hter wie das Wasser oder die Erde, desslialb ist sie dem Feuer am nanbsten Ti'if T.uft h;it Irei Reiche. Das erste grenzt unmittelbar an das Feuer und ist wurm und vud trockener wie »He anderen Bezirke der Luft, eben weil es dem Feuer nahe ist. Das zweite Reich ist sehr kalt, weil es vom Feuer entfernt ist und auch dessweajen, weil das Licht der Sonne un«l der (tt>ngeu Sterne in ihm sehr zerstreut ist Das dritte Reich grenzt

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an die Knie iiinl tlas Wasser mu\ ist aus dein (Jrunde viel wärmer wie das inittloio, weil das Sonnenlicht von dur Erde und dem Wasser zuiiUk^anvorfeu wird wie von einem Spiegel.

Nun ist zu beachten, dass in den drei Reichen der Luft viele wunderbare Dinge geschehen. In dem obersten, da» höher ist wie alle Berge, sieht man Ton Zeit zu Zeit einen Stern, der einen Schopf oder Schwanz fOhrt. Im zweiten Reich beobachtet man Nachts mancberiei Fenererecb^nnngou, z. B. ffthrt eSne d^iselben am Himmel hin wie ein langer Wagenbaum, was die Laien den Drachen nennen, ^uige der Feuererseheinungen brennen wie eine Kerze, andere hflpfen wie eine Gaia. Zuweilen neht es an«, ala ob in den Himmel hinein eine tiefe H<yhle «ich »ehe, auaeerdem neht man in der Luft Kegen und Schnee, Hagel und BUtz, man hOrt den Donner und mit dem Donner fallen Steine herab. Hier und da beobachtet man, dass es kleine Frösche und Fische regnet Ausserdem sieht mau den Thau und den Beif und wilden Honig ans der Luft faUen. Auch kann man die wechselnden Wege des Windes in der Luft verfolgen und den Begenbogen sowie den Hof des Mondes und der Sonne, zuweilen auch zwei oder drei Sonnen auf einmal beobachten. Alle diese Dinge will ich hier so kuiz behandeln wie möglich, das lateinische Buch ist hier nicht recht in Ordnung.

11. Vom geschöpften Stern.

Der geschöpfte Steru heisst lateinisch Cometa und ist kein eigentlicher Htern. Er ist eine Flamme oder ein Feuer, das im

obersten Luftreiche brennt. Man muss wissen, dass das heisse Himmelsgestim irdischen Dunst aus der Erde und wässerigen Dunst aus dem Wasser zieht, und dass diese beiden Arten von Dunst in der Luft aufsteigen, weil sie leicht sind wie diese. Wird nun ein fetter irdischer Dunst in die J^uft heraufgezogen, so entzündet er sich im obersten Boroiclie der Luft, zunächst beim Feuer. Ist der Dunst reichlich vorhanden, so wird die Flamme gross, und wenn gleichzeitig von der Erde aus viel Material nachströmt, so dauert die Flamme lange und erscheint uns in der Nacht als ein am Himmel stohouder Stern. Es ist das grado so, wie Nvenn Jemand in dunkler Nacht reitet und von ferne ein Liclit ^'wht. ihm scheint dann auch das Licht ein Stern zu sein. Die Flamme wird von den Gelehrteu der geschöpfte Steni genannt, weil Fuukeu von ihm

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ausgehen und er sich nach dem Theil der Welt hin büschelförmig ausbreitet, woher ihm der ihn unterhaltende Dunst zuströmt. Der Stern bedeutet für das Land, dem der Schweif zugekehrt ist, ein Hungerjahr, weil dem Boden dort dio Feuchtigkeit und die Fettig- keit entzogen wird, mit deren Hülfe süsser Wein und Korn und andere Früchte der Erde hätten entspriessen sollen. Gleichzeitig zeigen sich mich häufig viele Käfer und Heuschrecken. So sab wh im Jahre 1337 nach Christi Geburt in Paris einen Kometen, welcher über vier Wochen lang sichtbar blieb, dessen Kopf nach <leni Sternbilde des Wagens hin stand und dessen Schweif nach Deut.xch- land gekehrt war. Er bewegte sieh aufwärts nach Süden hin, bis er verschwand. Ich war damals noch sehr jung, nahm aber gleich* vohl Alles in Obnelit, was nachdem geschah. Als ich bald darauf wieder ins deutsche Land zurückkehrte, kam Ton Ungarn her eine Unmenge Heuschrecken durch Oestreich, Baiem und über den Sand «leu Main herab zum Rhein gesogen. Sie zerstörten so Tiel Getreide auf dem Felde, dass mancher Landmann zu Gnmde ging. Die Ursache davon war die, dass die Kraft der Gestirne das wüste Land in Preusson und an einigen Stellen in Ungarn, wo Sümpfe und Moor sich befanden, seiner feineren Feuchtigkeit beraubte und die groben Bestandtheile zurückiiess. Aus diesen entstand eine Feuchtigkeit oder ein Samen, aus dem die Heuschrecken hervor- gingen, denn jedes Thier hat seine eigene Materie, aus der es wird. Desshalb ist auch ein Wasser besonders reich an Fischen, das andere an Fröschen.

Der Komet bedeutet weiterhin auch Streit, Verrätlierei, Un- treue und den Tod grosser Herrscher wie auch in der liegel viel Rhitvergiessen. So erhob sich in den nächsten -lahren viel Krieg niid Streit zwischen den Königen von Frankreich und England, und der König von England ertränkte dem von Frankreich auf dem Meere vierzig tausend Mann.') In einem anderen Jahre darauf Ixsiearte »M- ihn in einer «grossen Feldschhicht, in der König Johann von Böhmen und viel elirbare Ritterschaft erschlagen wurden.'-' (Das ge«* linh alles zur Zeit Kaiser Ludwigs, des Vierten seines Naniciis Niiu könnte uKiu wohl tVa^^en: Warunj bedeutet der Stern Streit und Blut- vergiessen? Der Grund dafür ist dieser: Zu Zeiten »'Titzieht die Kraft der Gestirne den Menschen die Lebensgeister und lässt das

*} In der Seeschlacht bei Slays, 1340. ^ Schlacht bei Crecy, 134({.

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leichte Blut aus den Hensclien anadfinsteD. Wenn aber ein Mentch trocken und bitag ist» neigt er mm Zorn und Streit. Wir sehen das bei Leuten von hitziger Gemftthsart: wenn sie fasten sind »ie anmuthig und zornig. Jedoch lassen de «ieh durch guten Rath wohl besänftigen. Wenn aber die Gelehrten sagen, dass der Stern den Tod der Fürsten mehr anzeige wie armer Leute Sterben, so kommt das daher, dass die Fürsten einen grösseren Namen haben wie die armen Leute, und ihr Tod weiter durch die Laude schallt wie der der Artiien.

19« Ton den Feuern In der Lalt

In dem mittleren Luftreich treten auch noch andere Feuer- erecheittungen auf, wie der Komet. Sie sind verschiedener Art Zuweilen ftUt aus der Luft eine Flamme auf die Erde herab, wie weun sie Ton einem Stern berk&me, und die Laien nennen diese Erscheinung eine Sternschnuppe. Diese kommt dadurch zu Stande, dass ein fetter Dunst in langem und gleichzeitig schmalem Strahl Ton der Erde in das mittlere Luftreich, wo es sehr kalt ist, herauf- zieht Weil der Dunst nun aus sich selbst warm ist, so widersteht ihm die kalte Luft und treibt ihn schnell und jählings wieder ab- wärts, und bei dieser schnellen Bewegung entzfindet er sich und brennt bis zur Erde herunter. Desshalb findet man an den Stellen, wo die Flamme niedergegangen ist, eine dickliche, gallertige Materie, die wie der, in den Bächen zur Maienzeit sich findende Froschlaich aussieht. ^) Dass ein derartiger fetter Hauch entzündlich ist und mit einer Flamme brennen kann, lässt sich mit zwei Kerzen von Un- schlitt beweisen. Löscht man die eine aus und hält die bronnende Kerze oben in den aufsteigenden Hauch, so entzündet sich dieser, die Fliumue läuft abwärts und bringt die verlöschte Kei'ze wieder zum Brennen. So entzünden auch die Trosabuben und anderes Ge- sindel die fetten Dünste, die durch ihr Hemde onhvoichen. Ebenso aber sieht man auch häufig in der Nacht auf den Gräbern Flainiuen, weil von den Leichen ein fetter iJunst aufsteigt, der .sich entzündet und mit Flamme brennt, weil die Luft des Nachts kiilil ist. Es ereignet sich ihimi oft, dass die \Vächf»'r diese Jirschtniuinf; wahr- nehmen und denken, es brenne eine himmlische Kerze auf dem (trabe eines heiligen Menschen. Ilänfii: auch sieht man in der Luft einen langen Hauchstreifen, wie ein Wagenbaum gestaltet, der

'j Diese .Materie bestellt in (h r That ans Frns. lihui h, dt t . von ver- srliliickten weiblichen Fröscht n herriilirend. unverdaut und iü gequollenem Zustande von ^ftönlieu etc. entleert wurde.

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sicli im mittleren '1 heil krümmt und voriie brennt, wie wono einem Drachen Feuer aus «leni Halse führe. Diese Erscheinung rührt daher, »lass der fette Dunst an und für sich auch noch zSho ist und sich der I^nge nach ausstreckt. ^^ in! er dann von der Luft ge- trieben, so entzündet er siel» und da, wo er weniger diclit ist, biegt er sich wie eine Schhmge. Hei stiUer kaltor Luft entwickelt sich zuweilen ein Dunst, der unten schwer nnd dick und in Folge dessen unten breit und oben spitzer ist- Kr entzündet sich an dem oberen Ende nnd steht dann in der Luft wie eine brennende Kerze. Oft- mals ist der fette Dnnsf anch in viele kleinere Parthieen /.ertheilt, die nahe l>ei einander in d«'r Lnft schweben, und die Flamme 8[)rinu! <1ann hnrtig von einer zur anderen Lürade wie wenn man mit eim'rn brennenden Strohwisch n))er mehrere Kerzen hinfahrt un<i sie so rasch nai heinainh'r ansteckt. Ks sieht dann so aus, als springe eine Flamme in der Luft undier wie eine Zicire. Desshall» nennt man diese Ersc)n»innnt; die springendi" (tais. Zuweilen ninnnt der Dunst die Gestalt einei- Kuiicl an, und weil er in der Peripherie derselben leichter und weniger dicht ist wie in der Glitte, so ^ieräth er nur in der Peripherie in's T^rtMinen und nicht in tler Mitte. Der Dunst erscheint uns dann wie eiue htdl leu( htende Krone. ZeiLceii sicli viele Feueierscheinungen in der Luft, so geratheu die Früchte des Feldes nicht so gut, wie in anderen Jahren.

13. Von der MUelntniBW»

Wir sehen oft am Himmel einen breiten, hellleuchtenden Halb- kreis, wie eine helle Strasse. Dieser Kreis wird von den Laien die Heerstrasse genannt. Die (velehrten haben viel darflber ge* achrieben. Wie ich schon mehriach Aber Aristoteles Buch tou den Dingen mich geäussert habe, so bin ich auch hier der Ansicht, dass die Milcbstrasse ihr Vorhandensein zweierlei Ursachen verdankt Erstens befinden sich an dem Theile des Sternhimmels, wo die Milchstrasse sichtbar ist, zahlreiche, nahe bei einander stehende Sterne, deren Schein vereint leuchtet Ist die Luft von Wolken frei, so erscheint uns der Glanz aller dieser Sterne in weisslicher Farbe. Der zweite Grund ist der, dass die ebengenannten Sterne mit vereinter Kraft hellen, irdischen Dunst an sich ziehen, durch den die Sterne mit weissem Lichte hindurch leuchten. Hiermit habe ich mich weder Aristoteles noch anch dem PtolemAus gegenüber in Widerspruch gesetzt, ebenso anch nicht den Gelehrten, die diesen beiden Autoren folgen.

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14. Vom Abgrund de« Hinunels.

Es «ieht den Nacht« zuweilen so aus, als ob eine grundlose Tiefe in d«o Himmel hinein sich erstrecke. Der Grund dafür mI der, daas finsterer, dichter Kauch sich in Gestalt eines Kreises zu- iainni«Mi i^eballt hat, der von einem helleren, ilfinnen Dunst umgeben wird, der »einerseits wieder vom Lichte des Mondes oder der an- deren Sterne weisslitli frleuchtet ist. Setzt man Schwarz in Wniss, 80 scheint das Schwara vifl weiter von uns cTitfornt zu sein, wie das Woiss. T)os??halb setzen die Maler, wnui sie Schatten o<ler «lunkk-r»' l'arfhitMMi nmlon wnIU'ii. rein wrissr Farbr tiuben schwarze; die schwarzen St«'Ilt'ii crschi'nu'ii uns ilanii neben dm woissen vertieft, (irade so verhalt >\ch iu der Lxiii. wi-nn '\or Hinimol don Wächtern dps Nachts «>t^'»'ii orsrbfint. \\\r sehen ilen iiintMU>l auch in verschiedenen Farben, rotli, ;;eil), y:vi\u nnd noch anders ireftirbt, weil die zwischen uns und (lern Himmel befindliehen Dünsite ver- »«chiedener Art sind, dünn und dick, klar und trüb, wässerig uud erdig.

15. Von den Winden.

Die Winde kommen auch von irdischem Dunst liei. Damm wollen wir jetzt von den Winden sprechen. Der NN ind ist ein in der Luft ange^ainimelter, irdischer Dunst, der sich iu aufsteigender Kichtuug vou einem Endo der Luft zum anderen bewegt. Aus dicMm (Ininde aiud aucb alle Winde ihrer eigentlichen Xatur nach trocken und warm: trocken, weil der 0an«t oder Bauch von der Erde herkommt, warm Ton der Sonnenhitze, die den Kauch aua dem Enlreich sich entwickeln Ifiaet. Jmloch Andern die Winde ihren Character nach den Gefi^enden, die sie durchfliegen, so daaa einer feucht ist, der andere trocken, einer warm, der andere kalt. Vier Winde sind die bedeutendsten unter allen fibrigen Windarten. Der erste heisst der Kfldwind, weil er Yon Süden herkommt, also von Mittag nach Korden oder nach dem Stembtlde des >Vagens hinsieht I^atiMniiich heisMt er Auster, ist fencht nnd warm und darum fruchtbar und den Prflcfaten nfltslich. Der sweite wird der Nordwind genannt, weit er von Norden, das heisst vom Htembild des Wagens aber Hachsen von Pommern herkommt Er ist kalt uml feucht, Wsonders dann, wenn er seineu ursprflnglichen Character durch die Herkunft aus sehr weiter Entfernung verändert hat I^ileintsch heisut dieser Wind Aquilo. Der dritte Wind ist der Ost-

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wind, weil er von Osten, dem Sonueuaufgang her, durch Ungani von Preusseu herüber fliegt. Dieser Wind ist von vorneherein warm, weil die Sonne bei ihrem Aufgang warm ist. Der vierte Wind heisst Westwind, weil er von Westen, also von Sonnenuntergang herkommt. Jeder Wind hat zwei Gesellen oder Gefolgsleute, einen auf der rechten Seite, den anderen zur linken. Man kann diese nach dem Namen des Hanptwindes benennen, so dass also die Be- gleiter des Südwindes der rechte und der linke Sfldener heissen. So Verden auch die übrigen Winde nach dem Namen des betreff«iideB Haaptwiudes genannt. Wir haben mithin vier mal drei l^de, das sind im Ganzen zwölf. Es ereignet sich oft, dass zwei einander entgegen- gesetzte Winde sich begegnen, wie z. B. der Sfldwind dem Nordwind oder der Ottwind dem Westwind. Der tfciUkere Ton bnden wirft dann den schwächeren zur Erde od^r iu*B Wasser, zuweilen mit solcher Qe^ walt, dass Schiffe dabei miiergeben. Sind ab» die beiden Winde gleich stark, so ringen sie so gewaltig miteinander, dass beide auf die Erde fallen. Sie fahren dann in elnrai schnell«! Wirbel dahin. Stossen sie dabei auf grosse Steine oder einen Menschen oder sonst einen schweren Gegenstand, so fahren sie ihn mit sich fort in die Lllfte. Fallen sie aber in^s Meer, so reissen sie das Meerwasser in die Höhe und giessen es Aber das Land aus, wobei Menschen und Besitzthum zu Grunde gehen. Das Wehen der Winde wird verhindert besonders durch zwei Momente. Erstens kann der Ein- flnst der Sonne und der Sterne den irdischen Dunst mit Hülfe zu starker Hitze so zertheilen, dass er sich nicht zu einem merklichen Stoss oder Flug rereinigen kann. Zeigt er trotidem Bewegung, so ist dieselbe doch nur gering. Zweitens kann der Regen den Dunst mit sich auf die Erde herabziehen. Bis der Wind sich wieder in die Luft emporgeschwungen und das Wasser Ihn los- gelassen hat, sodass er wieder leicht geworden ist, ist die Luft unbewegt, und man merkt nicht viel Tom Winde. Desshalb ist nach dem Begen die Luit ruhig, trotzdem vor demselben Regen die Winde geweht haben.

l(k Tom B«geii.

Der Regen entsteht aus dem wässerigen Duust. den die Sonnen- hitze in das mittlere Luftreieh emporgezogen hat. Durch die dort herrseilende Kälte verwandelt sich der Dunst wieder in Wasser» grade «o, wie wir es bei dem, aus einem am Feuer kochenden

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Topf aufbti'iij^enileü Scll^vall^•^l seilen : sdlmM er <leii kalten eisernen Topt'ileckel berührt, vt'rwaudelt er sich in Wassertropfen. Dasselbe findet auch bei dem Dampf sratt. der sidi beim Destilliren vou Rosen oder von Wein entwickelt: kommt er in Herühriing mit liem kalten, bleiernen Hehn der Destillirblase, so wantlelt er gich anch zu Wasser nin, nn<i das Wasser riecht nach «ler .Sul>htanz, vun tier der Damj)f herruint. Wenn sich nun tb^r Dunst in der Luft in grosserer Menge angesammelt hat, liallt er sich zu.N.munen und wird dicht, besonders durch die Kälte. Er erscheint luis dann wie ein Haufen weisser oder schwarzer Wolle. Diese Erscheinung nennen wir Wolken. Ist dem w ässerigen Dunst viel irdischer Kauch beigemengt, oder hat sich der wässerige Dunst besonders dicht ge- ballt, so emheinen die Wolken achwan; ist dagegen der Dunst (tilnuer, so sehen de weiss ans, und die Anwesenheit von nur wenig iidtedieni Rauch giebt ihnen eine rotbe Färbung. Sk> ftndeit sich die Ffirbung der Wolken je nach der Beschaffenheit des Dunstes. Wenn nun die Kälte stark auf die Wolken einwirkt, so werden sie zu Wasser. Tritt die Kälte nnr in mftssigem Grade an die Wolken heran, so macht sie kleine Wassertropfen aus sehr kleinen Theilchen des Dunstes, und das Wasser flRllt in Folge dessen tropfen- weise herab. Ist dagegen die Kälte sehr stark, so wandelt sie auf einmal grosse Mengen des Dunstes in Wasser um, und es fallen besonders grosse Regentropfen. Aus diesem Grunde sieht man zuweilen im Sommer auffallend grosse Tropfen fallen. Die grosse Hitze bat dann an einer bestimmten Stelle der Wolken die Kälte vertrieben, und weil die Kälte nunmehr auf einen Raum vereint ist, besitzt sie eine viel grössere Kraft, will der Hitze Widerstand leisten und verwandelt in Folge dessen die wässerigen Dünste in grosse Tropfen. Dadurch geschieht es auch oft, dass mit einem Male eine grosse Menge Wasser herabstürzt, so dass ein Haus oder auch ein ganzes Dorf weggerissen wird. Zuweilen regnet es rothes Wasser, wie Blutstropfen. Dies kommt davon her, dass viel verbrannter irdischer Kauch dem wässerigen Dunste beigemengt ist, davon färbt sieh das Rei^einvasser roth. So findet man es häufig, dass sich das Wasser in der Krde färbt und auffallend roth heraus quillt. Die einfältigen Leute glauben dann, «lass an solchen Stellen eine Rolicjuie sich befinde. So erbanten zum Beispiel die Einwohner von Kelheira eine hölzerne Kapelle über eineir» rothgef&rbten Ge- wässer an der Donau oberhalb Begensburg. Zuweilen regnet es

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auch kleine Frösche oder Fisrhchen. Dies ereij^net «ich daun, wenn der wässerige Dunst bei seinem Uebergang in Wasser die- selben Eigenschaften besitzt wie der wässerige Samen, aus dem die Frösche oder Fische entstehen. Die Kraft der Gestirne erzeugt dann aus dem dazu geeigneten Material die Thierchen und giesst Leben in sie hinein. Ich ratlie Dir aber nicht, die Fisclicheu zu rerspeisen, ilenn sie sind von grober Art und giftig. So fällt auch oftmals ein Stein oder ein Stack Eisen herab. Beide entstehen ebenfalls au« dem irdischen Bauch nnd dem wüsserigen Dnnat, wenn ihr Mischungsverhältnis« der Natur der beiden genannten Dinge entspricht. So fiel tot Zeiten einmal ein EiaenstQck herab Ton solcher Härte, dass ein König ein Schwert daraus hergestellt haben wollte. Es wollte das Eisen im Feuer aber nicht weich werden, weil es nicht recht nach Art des gewöhnlichen Eisens aus den vier Elementen zusammen gesetzt war. Wenn in einer Cisterae gesammeltes Regenwasser ruhig stein, so fallen die erdigen Be^ standtheile desselben, die Ton dem irdischen Rauch hereingelangt waren, zu Boden. Es wird dann klar und wohlschmeckend und ist gut gegen die Ruhr, um sie zum Stehen zu bringen, wie auch gegen den rothen Piuse. Die Fische werden vom Regenwasser fett, deshalb schwimmen sie bei Regenwetter oben und freuen sich darüber. Du sollst ferner wissen, dass der Luftraum, in dem die Wolken sich befinden, der Regen entsteht, der Wind weht und die Unwetter sich zeigen, niedriger ist, wie die höchsten Berge, die auf der Erde sind. - Es giebt nemlich Berge von solcher Hohe, dass weder Hegen, noch Wind, noch Thau, noch sonst ein anderes Wettergebilde ihre Gipfel trifltt. Die alten Gelehrten haben das an einigten hohen Bergen ausprobiert. Sie nahmen einen Bade- schwamm, befeuchteten ihn mit Wasser und hielten ihn sich vor den Mund, wenn sie in den Bergen solche H5he erreicht hatten, dass ihnen die feuchte Luft knapp wurde, die zur AbkOhlung des Herzens nothwendig war. Dann schrieben sie mit den Fingern Zeichen in die Erde auf den Bergen. Kamen sie darauf nach Ab- lauf eines Jahres wieder auf dieselbe BergeehOhe, so fanden sie ihre Schriftzeichen in demselben Zustande wie am ersten Tage meder vor. Das hätte nicht der Fall sein können, wenn zwischen- durch Regen oder Wind an dem Orte geherrscht hätte.

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17. Vom Thaa.

Der ThBU entst<>ht aus Äusserst leicht beweglicheui, zartem, ▼ftsserigent Dunst, der so linder und einpfindlicher Art ist, dasa er die Kftke des mittleren Luftreiche» nicht aufzuhalten vermag. Er verhletbt desshalb in den obersten Regionen des untersten Luft- reirhes, wo die Luft sanft und gelinde ist. Tritt luiu im Sommer die Nachtkflhte ein, su verwandelt sich der so sehr feine Dunst iu derartig feinvertheiltes Wasser und so wenig merkbare Tröpfchen, das» man das Niederfallen derselben niclit bemerkt und denjenigen, die bei Nacht draussen ihr Gewerl>e haben, die Haare auf dem Haupte na$is wenlen. Dem zarten wässerigen Dunste ist ein so fein vertheilter irdischer Dunst und eine so subtile Wärrii*' zu* genÜHcht, das« alle Bäume, Kräuter Hliiiiuni, auf die der Thau fiUlt, grflnen und zunehmen. Man kann sich von seiner Zartheit folgendermassen fibenEeugen. Man breite im Sommer in einem Garten ein ganz reines Leintuch auf einer sauberen (Jrasflöcho aus und faii<:<' damit des Nachts den Thau auf. Dann drücke man mit reinen Händen das Leinen in « iiif leere Lisciuti*'. aus der Dotter und Eiweiss durch ein kleines Löehelcheu entfernt sind^ aus und lehne nie bei Tage an eine aufrecht gestellte Stau*:«' nn einem sonnigen Phitz. Wenn sie sich dann erwünnt, so wird die Eischale so leicht, dass sie an der Srau^o in di<» Höhe steigt.

Ach wie schön hisst -i h das mit den Gaben des heiligen Geistes vergleichen, di(> in der zarten Schal(> unserer Frau die Rtnnie Christus ergrflnen TK'ssfMi und sie •'iln lir haben am Speere der Htetigkeitl Erkenne die cdele Art des Thaues auch daraus, dsis er der menschlichen Natur so wohl angepasst ist und ihr so zu (Sute kommt« Denn wenn ein Mensch im Frflhjahr eine unreiue Haut bi>koin(M' ii ^a^ und sich vor Sonnenaufgang mit dem Thau wAscht odt>r «iariti )i«>rumwAl/.t, so wird seine Haut rein und sein <temilth fröhlicher. Ach Helferifi. hilf und VM^thaue Du mit Deiner Gnade uns unreine Hönder, himmlische Frau, Gottesgebarerin !

18. Vom Sehnee.

Schnee entst< ]if ^Tade ^^l wie der Kegen Im mittleren Luft- reich. Ks muss aber die Luft t»o kalt sein, dass sie die Kraft be- aitzt, die zusamrTi)<n.rehaUten und wie ^^'ollen8tücke dicken NN'ulken auf einmal zu durchdringen und zu durchfrieren, so dass sie einiger- maatsen hart wenlen, ehe sie sich zu Wasser umbilden o<ler wässerige

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BeschaHeuheit annehmen. Desähalb fallt (Kr Schnee in An stalt von Wolle herab. EiniLje liergo sind da> ;.Mn/-e Jahr himlurch mit Sehnet' bedeckt, weil >ie sehr hoch siinl und l»is an das kalte I>uftrt'ich horankonuneu. Es gieht Berge, ant' iVw niemals iSelmee nocli Hetzen fällt. So berichten die griechischen Gelehrten vou dem Berge iu iTriechenlaud, der Olympus genauut wird.

19. Vom Reif.

Der Keif entsteht au^i demselben Dunst, aiis dem der Thau sich bilder, jedoch ist zur Erzeuguuir von Reif viel stärkere Kälte nöthig, wie zu der vou Thau. Denn ^erad«' so, wie der Schnee '/.Hin Regen, su veriiält sich der Heif /.um Thau, und uie der Tlmu allen Früchten gut ist und Voitlicil l)ringt, ist der Reif den ßauin- früchten uud den Weinreben s* liadlich und verdirbt sie. Er durch- dringt sie «lerartig, dass sie aldallen oder schwarz werden, als ob sie veri)rannf w:iren. Der Reif ist eben ein sehr feiner und dabei recht kalter Dunst, desswegen dringt er durch die feineu Poren der Früchte und lässt die natürliche Wärme iu ihrem Innern er- löschen. Ueschieht dies, so niüsseu die fruchttragemleu Blütheu sterbea und schwarz werden. £s fasst sich der Keif aucli härter an, wie der Schnee, weil die grosae Killte den Dunst, aua dem der Reif entsteht, gründlicher durchdringt, sich tiefer in ihn einsenkt, wie in den Schnee, und so die sehr kleinen und harten Körnchen des Reifes sieh bilden lässt. Deshalb Usst sich der Reif auch nicht so schön ballen wie der Schnee. Du sollst auch wissen, dass der Rauhreif au den Zweigen der Bäume zur Winteizeit von derselben Ursache herkommt. Der feuchte, warme Dunst, der tou Natur den Aesten entotrömt, verwandelt sich durch die strenge Kälte in Reif, und weil dieser Dunst sehr dann ist, wird er sofort umgewandelt, wenn er eben hervorkommt. Desshalb bleibt er auch an den Aesten hängen. Ebenso bereift dem Menschen der Bart oder das Haar oder was er sonst auf dem Kopfe trägt von dem feuchten Athem, der dem Munde und der Nase entströmt, wenn es sehr kalt ist. Zu* weilen, und besonders im Frühjahr, fallen Körnchen, rund wie eine Erbse und härter anzufühlen wie Schnee, dagegen weicher wie der Reif. Sie bilden sich dann, wenn die Kälte zu gross ist, um Schnee, und zu gering ist, um Reif auftreten zu lassen, so dass sie den Dunst niclit so durchdringt, wie bei der Bildung von Keif. Diese Körnchen heisseu lateinisch Granula.

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20. Vom Hage].

Der Schauer wird aii anderen Orten D<*!itscbland» aiioli llai::«' genannt. Er entsteht, wenn der wässerige Dunsr 7.uiKi« li8t au einer nicht übermassig kalten Stulle der Luft, wo der Hegen sich zu bih^eii pflogt, in Regentropfen »ich umwandelt, und die Tropfen dann beim Niederfallen eine sehr kalte Stelle passiren, an der die Sommerhitze die Kälte zusammen getrieben hat. Diese übermfissige Kalte verwandelt dann die Tropfen in Kis, grade wie dag Wasser zur Winterzeit. Desshalb sind die Hagelkörner auch kristallinisch und, weil sie sich beim Fallen durch die Luft allerorts aneinander abschleifen, rund. Zuweilen fallen mit dem Ilagel gleichseitig Kegentropfen« Wenn nemlioh beim Herabfallen der Sohaner durch wfirmere Luft kommt, so zerfliessen die Hagelkörner an ihrer Ober- fläche, und die Schmelztropfen fallen dann gleichzeitig mit herab vie Regen.

S]. Yom MeUthiu«

Es giebt Etwas, das heisst Mehltliaa; es Terdirbt oftmals den Hopfen, das Korn und das andere Getreide. Der irdische Dunste aus dem der Mehlthau wird, ist ftiisserst feiner Art und von der Sonne, die ihn ron der Erde aus in die Höhe gezogen hat, stark durchgebrannt. Wenn dieser Dunst sich nun uuTersehens in Tropfen verwandelt und, mit oder ohne Regen herabfallend, auf die BlQthen der Fruchtpflanzen gelangt, so Terbrennt er das frucht- bare Mark in denselben, gerade wie feuchte, wohlgebrannte Asche es thut, die man auf die BIflthen gebracht. Dass es nch in der That so verhält und der Mehlthau wirklich von irdischem Dunst herrflhrt, finde ich durch Folgendes bestätigt: Wenn Mehlthau ge- fallen ist, bemerkt man ihn zuerst am dritten oder vierten Taue, wenn die )>eti utli'ciien Pflanzentheile gelb oder scliwarz geworden sind. Diese Verfärbung bedeutet ein Verbranntsein der Materie. Zuweilen staubt auch das vom Mehlthau befallene Getreide nach dem Trocknen, wie wenn es mit Asche bestreut wäre. Das kdnnte alles nicht der Fall sein, weim der Mehlthau nicht von verbranntem irdischem Dunste herkäme, der das (ietreide so ruinirt. Du sollst auch wissen, dass der Mehlthau den Frflchten besonders zur Blüthezeit schadet, denn ihre Blütlie ist zart und empfindlich. Sind aber die Früchte bereits aus den Blumen entwickelt un<l etwas kräftiger geworden, so schadet er nicht mehr so viel. Der Name Mehlthau kommt auch

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nicht vou seiner milden Art her, tlenn er ist schliinni und ültel, sondern das Wort ist von dem Worte Milbe abgeleitet. iJt'un ebenso wie die Milben das Zeug anfressen und verderben, so zer- !»tört der Mehlthan die Frucht. Er hiesse deshalb aiieh mit Hecht Milbenthau, weil mau au vielen IMlauzen, die er befallen hat, nach einigen Tngeu kleine schwarae Würmchen vorfindet. Ich wiU uoeli bemerken, dass ich diese Deutung des Wortes Meblthau nicht anderen ^'aturtbrschoru eutnoinmen habe.

22. Vom Iloiii^hau.

Im Sommer ereignet es sieh zuweilen, dass Honi^ nns der Lnft auf die Bäume und das Gras herabfallt. Die Bieiu n Iiiegen dann danach und sammeln ihn. Das nennt man Honigiliau. Er entsteht dadurch, dans zur Sommerzeit der feuchte Dunst mus >\tH\ Blumen, Kräutern und Früchten von iler Sonne angezogen wird bis in das über den Wolken befiiKlliehe Lnftreieh. Durch ilie müssige Kälte, die dort in der Nähe des cl-ersten Luftreiche* herrscht, wird der Dunst eingedickt und in Fulge dessen, s<>wi«* durch die niedrige Temperatur, wandelt sieh der Dunst zu einer süssen Flüssigkeit, die dann auf die Fun hte und Blumen herab- fällt. Wir nennen das wilden Honig. .ledoch ist zu bemerken, dass es zweierlei Arten von Honig giebt, natürlichen und künstlichen. Der nntfirliclie Honi«? ist der. von dem eben die Rede war, der künstliche wird tlurch die Geschicklichkeit der Bienen gesaiiiiindt und in ihre 1h Ii m^ung getragen. In unserer Gegend fällt wetug natürlicher Honig, viel ilaL't'L'cn in den Fändern nach Snnneminfgant^ hin. Bei uns kann neuiludi ilei- leine und zarte Dunst, aus dem der liunig wird, von den Blumen und Früchten niclit so durch «lie dichtere, zähere Luft aufsiteigen bis an die Stellen, wo der Dunst sich in Honig umwandelt. Die Luft in unseren Fanden ist voll wässeriger Wolken, die den Dunst ungünstig beeiuHussen und ver- derben. Zur Sommer/eit dagegen, wenn die Luft rein und schöu ist, fällt auch bei uns ilunigtliau, namentlich im Brachmonat, der un- mittelbar auf den Mai folgt und Ijesonders /.ur Sommer-Sonnenwende. Wenn es aber geschieht, srerben die S(diafe und Zieuren iei(ht. weil der Honig im Leibe der Thiere (!nlle erzengt. Ein Zeichen «lafür ist, wenn man die gefallenen Thiere aufschneidet und ihr Inneres durch «lie heftige Wirkung der Galle gelb gefärbt fiodet. lu deu Ländern des Orients dagegen ist die Luft das )cauze

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-lalir liinduieh sehr rein und still, deshalb fällt dort ufi llonigtliau. Ist Honiiftliau «^ji^falleii so soll man das Vieh nicht heraus lassen und auch den Kindeni vcrbieteiK ihn von don Blättern abzusaugen. Als kleine« Kind habe ich ihn auf <leni Lande oftmals gegessen, aber nachlier that mir mein Leih sehr weh, uu*l ich wusste nicht, wovon es kam. Ueber die Wirksamkeit des Honigs reden wir fcipäter, wenn wir die Bienen behandeln werden.

23. Vom HinuneMadeu. Ein«; Süt)stan/, heisst lateiniseh Ladannm'). was wir mit Himmelstiaden od«'r Hinnnelsthau libtTspt^pn können, so wie wir «las Vori<j:e Honi^^than nennen. Der Hiinnielsitiau fallt grade so herab, wie der Honiijthaii, aber aus etwas grösserer Hrdie und ent- steht ans demselben I)un!>t, nur dass er dickerer und zäherer Be- Kchatlenheit ist. Wenn der Himmelsthau auf die Kräuter gefallen ist, so theilt und zerschneidet man dieselben mit Hülfe lederner Riemen, an denen die kostbare Flüssiirkeit hängen bleibt. Nach «lem Eintrocknen lieisst sie dann Ladanuni. lu unseren Gegenden fällt sie nicht herab, aus demselben Grunde, den wir beim Ilonig- thau aufülirten. Ist der Hiininelsthan r»'in und frei von fremd- artigen Zusätzen, so riecht er sehr feiu, und man zählt ihn zu den wohlriechenden Substanzen, die lateinisch Aromata genannt werden. Das Ladauum ist sehr achiltzbar, aber man fälscht es mit Ziegen- koth und anderen »ehwans gefärbten Dingen, die man leiobt zerkauen kann. Zuweilen ist es so TerfUscht, dass man iu zehn Pfund kaum eine Unze reiner Substanz findet. Als beste QualitAt ist Das auszusuchen, was schwer wiegt, schwarz gefärbt und leicht zu kauen ist und dabei einen feinen Geruch besitzt. Wenn es da- gegen r5thlich aussieht und zwischen den Fingern zerbricht oder zerreisst, so ist es entweder schon zu alt oder sehr g^fUscht. Das ^ Ladaiinui hat die Fähigkeit, Flflsse von wässeriger Natur zum Stehen zu bringen und erhitzend zu wirken. Beide Eigenschaften kommen von seiner edelen Beschaffenheit her. Man giebt es dess- halb gegen den Husten und den Fluss, der Toni Oehim nach der Brust zieht Rflhrt der Husten von einer Erkältung her, so hält man es vor die Nase und riecht daran, dann hilft es gegen den Fluss. Mau siedet auch das I^dannm zusammen mit Rosenblättem

0 Ladanum ist dss Hsrz verschiedener Cistus-ArteD.

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in Regeiiwasser und «leckt darauf das Uefass zu bis sein luhalt laif>*'arm geworden ist. Leidet Jemand an Wackeligsein der Zähne, so nimmt er vou dem Wasser etwas in den Mund und gleichzeitig wfticht mau ihm die Füsse damit, so dass sich die Adern erdifnen. Davon werden die Zfthne fest. Damelbe geschieht, wenn man F^adanum mit dem Kraute yermischt, das Mastix genannt wird. Wenn man diese Mischung innen und aussen an das Zahnfleisch und die Zähne legt, so werden die Zfthne fest. Das Ladanum stftrkt auch die Oehftrmutter und ist der Frucht im Hutterleibe von Nutzen. Ebenso hilft es bei Magenbeschwerden in Folge von Erkältung. Wer seinen Magen kräftigen will, damit er die Speisen gut verdaue, nehme fünf Pillen, das sind Kfigelchen, die in der Apotheke angefertigt werden, von Ladanum in Kaesewasser oder Molken, was auf dasselbe herauskommt

84. Tom Himmetobrot.

Manna heisst auf deutsch lliiunielsbrot') und fallt gleichfalls hoch aus der Luft herab, jedoch nach »ler Annahme einiger Ge- lehrten aus noch grösserer Höhe wie der Himmelsthau. Es ent- steht auch aus derselben Dunstart wie dieser, nur dass es aus den Elementen gleichmässiger oder passender gemischt und seine Feuchtigkeit gründlich gekocht ist Es fUllt des Nachts wie Thau auf die Kräuter und Felsen, erhärtet darauf und wird von den Leuten gesammelt Weil es aber nur in geringer Menge fällt, fölseht man es sehr. Wisse, dass es bei uns nicht fftUt, aus den-- selben Ursachen, die wir beim Honigthau und dem Ladanum an- gegeben haben. Ist das Hininielsbrot rein und nicht mit anderen Dingen vermischt, so ist es wohlriecheml und sehr schätzbar. Man unterscheidet aber das reine von dem verfSllschten dadurch, dass das reine weisslich gef&rbt ist und inwendig einzelne Hohlräume hat, wie der Honig, und das besonders reine Himroelsbrot schmeckt sflss und ist dem Munde sehr angenehm. Du könntest nun fragen, ob es sich um das Himmelsbrot handele, das Gott vordem dem gläubigen Volke in der Wfiste schickte, als es aus Egypten floh.

') Der biiü von Fraxinus Ornus I,.. Maunau.M lie. als Mauua ofliciuell, tler, wie auch vou anderen Ptlanzeu abstannneude, luannaartige Produkte aus der Rin4*e zum Thetl freiwillig ausschwitzt und erhärtet Die Annahiue, dass die Manna vom Himmel stamme, hat sich bis Anfangs dieses Jahr* liunderts erhalten, trotz gegentheiUger Angaben älterer, sorgfältiger Beobachter«

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Darauf antworte ich: Nein, denn 6ott speiste das Volk vierzig Jabre mit immer demselben Himroelsbrot in flbeniatflrHcher Weise, das Himmelsbrot dagegen, Ton dem ich hier berichte, entsteht durch natürliche Vorgänge. Auch hatte das Himmelsbrot der alten Vftter viele Eigenschaften, die unser heutiges nicht besitzt. Dass aber hinsichtlich de» Geruches und Geschmackes zwischen Beiden eine sehr grosse Aehulich- keit bestanden haben kann, will ich nicht in Abrede stellen. Das Himmelsbrot, von dem wir hier sprechen, wird oft mit Honig oder iiuch gepulvertem Sflssholz gelllischt. Wenn man es aber Älscht, wird es widerlich sfiss, so dass einem danach Abel wird. Das Himmelsbrot, hat die Fähigkeit, das Blut zu Iftutem und zu reinigen, desshalb passt es bei hitzigen Krankheiten, die von Galle her- rfihren. Man soll es den Kranken in wamiem Wasser gehen, wie man eins in der Apotheke herstellt, das Röhrenkn^sien-Wnsser hei!$st. Jedoch ist Das Sache th>r .Verzte, denn ein I^ie konnte sich leicht vergreifen. HoUte ich Schuld daran haben, so w&re es mir leid.

ih. Vom Donner und Blitz.

Der Donner euti^teht aus dem inlisclieu, fetten Dunst, aus dem vie ohen erwfthiit, die Feii< r in den Lüften liervorgehen, Und zwar in fol<render Weii^e: Da der Dun^^t an a'wh seiher warm ist nnd der von den Wolken einprenomniene Lufthexirk kalt, so wogt der Dunst, wenn er an den Wolkeul>e£irk herankommt, aufwärts in die Höhe, nacli dem Feuer oder dem ohersten Luftreich hin, weil er leicht und warm ist, wie das Feuer leicht und heiss ist. Sti^sst er dann an die kalten Wolken an, f*o stossen dies«» ihn wieder herah. In Folge di«'Sf»H StossCfi kehrt der Dunst mit vermehrter (Jesrhwindig- keit zurück uufl wird Meinerseits durch die Kälte auch energischer >^i«*der heral»^«*sto>sen. Uwr* wi«'d»Tholt sich so lange, his der I>tifi>t mit d»'r Schnelligkeit und Kraft eines aus einer Bürhse ttiogiMid«'!! ( Mv.( h«i>s»'s lu*rah<:eworf»Mi wird. In Fnlir»' d»"'Si ii ent- zflndft ^ii'h der fiMsto Diin^r wähn'ud sfiiu's iihuelten Fliii:t <s si> da»** »«r Flaniin»'n sprüht, und di»»««* FhiiimuMi nenn»'n WWtz iViv ( M'rausch «hiir«'gru, widfh«»" dt r Uim^r iitin li dt»«> Hux li)>r<H hfii \"\[ ^^'-.Ik»•(1 und Luff Im I \ Miriifr. Ii. der iKtuner. 1 >< n^halli k«>iiiui<'U dif Imm<1»mu l>«MHU'r Jiiid Blitz 7.ti«*!nnm«'ii mit riti iii liT. Man ••••Tn»Tkt aht-r «len Hlifz «dio müii d«*n iJttuiui lii>it. wt il «la> 4iesichi wt'ittT reicht und wiini'llfr tunktiunirt wie tlas (JehOr. So

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aeheD wir oftiuals auf den AuhOhen an den Bächeo, wo die Wftsoher waechep, den Sehlag mit dem Waaehboh frOher, als wir den Schall hören. Dn konntest nun einwenden: Wir bemerken oft den Blitz ohne den Donner zu hOreu und vernehmen diesen, ohne einen Blitz zu sehen! Das kommt davon her, dass die wässerigen Wolken oft so dicht und dunkel sind, dass sie durch ihre Dichte die Flamme aus- löschen, so dass wir sie nicht sehen können. Wenn dies geschieht, hören wir den Donner ohne Blitz. Ist es aber Sommertaga sehr heiss gewesen, und haben sich die fetten Dfinste erst in grosser Entfernung von uns entiandet, so dass der Schall des Donners Mch unterwegs bricht und nicht bis zn uns gelangt, so sehen wir das Wetterleuchten oder den Blitz ohne Donner. Einige Leute glauben, der Donner sei ein Stein, weil oftmals unter Donneigetöse in schwerem Wetter ein Stein herabfällt. Das ist aber nicht wahr, denn wenn der Donner ein Stein wäre, so wflrde er die Menschen und Thiere, die er schlftftt, verwunden wie andere fallende Steine es thun. Das Ist aber doch nicht der Fall, denn wir sehen an den vom Donner erschlagenen Menschen keine Wunden. Sie sind aber an der getroiFeuen Stelle schwatz, weil der heisse Dunst sie ver^ sengt und ihnen das Herzblut verbrennt So gehen sie ohne äussere Wunde zu Grunde. £s wendet auch der Mensch das Ge- sicht dem Schilde zu, denn wenn der Donner schlägt, will er al^ warten, was daraus werde und wendet das Antlitz hin, und während des Umwendeus stirbt or. Wisse auch, dass der Donner besonders harten Dingen, wje Stahl. Fels oder Stein, schädlich ist, weil dieee den Dunst nicht durch si(h hindurch gehen lassen. Desshalb zer- bricht er sie und zerschellt si<' oft zu Stücken. Weichen Gegen- ständen dapregen schadet er iiiclit so sehr, so dass er oft das Schwert in di r Sdu ide und ihre Holzwände zertrümmert, den Loder- bezug der Scheide dagegen ganz lässt. Der Donner ist verschiedener Art. Zuweilen hört er sich an, wie wenn Jenian»! Einem eine luftgefüllte Blase auf dem Kopf zerschlägt. Dies kommt davon, dass sich die Wolken im Kreise um den Donoerdunst geballt haben und dieser nir- -n Is heraus kann, bis er an einer Seite die Wolken sprengt, wie die Luft die Blase. Zuweilen tönt er, ^vi•' wenn nuin ein Leintuch der Länge nacdi zerrisse, wenn er ueinlich die Wolken und die Luft im Herabstürzen zerreisst. 3Ianchmal ])rasselt er, wie wenn Tannenholz im Feuer prasselt. Dies rührt daher, dass der Dunst zuweilen in einzelnen Stücken und Theilen von den

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Wolken umschlossen ist und dann nach und nach hervorbricht, gerade vrie die Luft im Peuer aus lufthaltigem Holz oder attH Kastanien oder Eicheln, die man ganz in's Feuer geworfen hat Auch der BlHz wirkt oft wunderbar und bt whr vielen Dingen echftdlieh. Ersten« blendet er oftmals die Augen des Menschen, der ihn scharf ansieht Er verbrennt nendieh dann die kristallische Feuchtigkeit im Auge, in der die Sehkraft liegt. Ferner verdirbt er die Blflthen an den Bäumen und besonders die zarten Wein* blflthen. Desshalb verhüllt die Natur die kleinen Fmchttrüger, das sind die Fruchtknoten, an den Bftumen mit Blftttem, grade wie eine Amme ihr Kind in Windeln hfillt, und giebt der Weinrebe recht breite Blätter, damit sie ihre Tranben vor dem Blitz decken kann. Zum Britten versengt er häufig den Menschen die Haare unter den Achseln nnd sonstwo, ohne dem KOrper zu schaden. Dies w- eignet sich dann, wenn der Dunst nicht so gewaltig dahiniSihrt, dass er dem Menschen schaden kann. Da er aber brennt und sehr schnell Aber den Menschen hinläuft, so versengt er das trockne, zarte Haar ohne weitere Schädigung seines Besitzers. So ereignete es sich, dass die ROmerfÜrstin Marcia von einem Donner getroffen wurde nnd das Kind, mit dem sie schwanger ging, abstarb, sie dagegen unverletzt blieb. Die Leibesfrucht war nemlich noch scliwach, und durch den Schrecken, den die Frau erfuhr, rissen die Bänder, die das Kind hielten, entzwei; gleichzeitig aber wurden auch des Kindes Adern und sein Her/ abgerissen. Es heisst in unserem Buche, dass der Donner und <lor Blitz Niemandem schade, der sie vorher sehe oder höre, ehe der Schlag ihn trifft. Wahrlich das scheint mir eine ebenso leichtfertige wie unüberlegte Aeusserung, denn unser Vorhersehen hilft dabei nichts, da kein Mensch sich so hurtig vor dem Schlage zu bergen vermag. Ausserdem giebt unser Buch noch an, dass Blitz und Donner inclit allemal den Menschen tödten, wenn er getroffen wird. Andere belebte Wesen dagegen sterben, wenn sie getroffen werden, es sei Baum oder Thier, und unter den Thieron ist. nach Plinius, der Adlor am meistni ge- fjihrdet. von den Bühiihmi da^xogen der Lorbeer^). Seneca erzählt, es habe zu seiner Zeit einmal der Donner ein volles Weinfasa 7.eri<eh!a«jen, so da^s noch eine kleine Weile lang der Wein ohne Fass hei einander i:ehHehen sei, gra<le so wie er in ileni Fasse gestanden hatte. Das kam davon, dass der Schlag so rasch erfolgte,

^) iV. A. 21 wird vom Lorbeerbaum das Gegentheil angegeben.

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dass der Wein nicht so schnell auseinander fliessen konnte. So sehen wir auch wohl, dass Jemand ein offenes, mit Wein oder Wasser «fpfülltes (»las mit einer Sehlinge oder der blossen HanH so schnell umschwingt, ilass Nichts heratisfliesst. Auch ist der Wein vielleicht dickflüssig gewesen. Das hat <ianu auch dazu geholfen.

Man küimtt" nun «lie Fratrt' anfwcrfHH . wnlior koninio. «Uiss (»8 im \^ iiiter nicht wie im Sommer gewittert, da doch drr Duust, auH «lern Donner untl IJlit?. Hitstnhen, im Winter wie im Sommer aufstci^'t. Dies erklärt sich so, dass im Winter die Hitze fehlt, die so kräfri<;en und starken Hauch, wie er zur Hervor- bringung des Donners ndthig ist, emporziehen köunte. Auch kauii die Wärme den Dunst nicht so hoch in die Luft hinaufziehen, dass er mit der nötigen Gewalt wieder herab fallen kann. Desshalb «ebt die Sonne im Winter nur Dunst auf, der mit Hegen, Schnee oder Wind zu thun hat, aowie mit solchen Feuererecbeinungen, die nicht BUfaEe genannt werden. Ebenso verhält es sich, mit wenigen Ausnahmen, auch im Frtthjahr und im Herbst. Einige berichten, dass in den Ländern des Orients im Sommer keine Ge- witter auftreten, wohl aber zur Winterszeit. Der Grund dafür liegt darin, dass es in jenen lAndem im Sommer so flbermfissig heiss ist, dass sich kein Dunst in der Luft zu Wolken umzubilden vermag, da die starke Hitze den Dunst zerstreut ubd ihn nicht sich verdichten läest. Im Winter dagegen herrscht dort eine mässigere Wärme, gerade wie im Sommer bei uns. Desshalb donnert es in jenen Ländern im Winter. In den nach Sonneinintergang gelegenen Gegenden finden sich dagegen Verhältnisse wie bei uns, denn dort ist es im Sommer nicht üb^mfissig warm. Plinius behauptet, es gebe dreierlei Arten von Donnern und Blitzen. Die erste Art sind «iie. welche die getroffeneu (legenstände nicht zertrünunern, wohl abpr verbrennoii, und dipso sind an und für sich trockoii. l^lc miderfii Donnerschläge sind tV-iicht, sio vcilticimen nicht, aber sie zertrümmern und schwär7«»n die iretrotVenen ( ifuciisräiide. Die dritte Art nennt man hellen oder hurti<:('n l)(»nner. Diese Art ist höchst selten, äusserst wuiulerbar und eins der LMiisstcn (ieheimnisse der Natur. Diese Schläge stehlen umi schupfen den Wein ganz heimlich aus «len Fässern, ohne dass beim Getroffenwerden des Fasses ein nierk- l)arer Schall entsteht, sie liinterlassen aber ihre Sj»uren an den Fässern.

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d^. Tom NebeL

I)t>r Nebel bildet sieh aus w&sserigeni, grobem Dunst, dem soviel schwerer IrdiseluT Hauch beigemengt ist, dass ihn »He Sonne nicht sehr hoch von der Krde ah in die Luft emporheben kann. DeMwegeii treten ilie Nebel liesouders am Morgen und am Abend auf, wo die Sonne noch keine grosse Kraft hat, und namentlich im Herbst, Winter und Frühjahr mehr, wie im Sommer. Steigt der Nebel in die Höhe, so kommt danach leicht Regen, weil sich der l)im»t in der J^uft zu Regenwolken umwandelt. Fällt er dagegen zur Erde, so bedeutet es schönes Wetter und Fruchtbarkeit für das Land im Sommer. Es kann nemlich dann Thau fallen, «ler den Früchten Kraft giebt, was nicht der Fall ist bei schöner und klarer Luft. Der Nebel lagert sit Ii ^^t-ni am Wasser oder an feuchten Flätzen, weil er selbst feucht ist und sich dor ( iosollsrhaft seines (»leichen freut. In hochgelegenen hegenden zerstreut ilm «lagegen der Sonnenschein völlig, und desshalb wohnten die Alten gerne auf hohen, trocknen Plätzen. Das junge (.Jeschlecht »laireü^en wohnt jetzt lieber in der Ebfiio. wegen der grösseren Bequemlichkeit, die das Wasser mit sich l)riiii;t und baut sich am Wasser an. Das ist sehr schädlich, bringt viel Krankheit und vieler Menschen früh- zeitigen To«l. Zuweilen ist der Nebel übelriechend \uv\ (jualmig, nemlich dann, wt-nn «h'r Dunst, aus dem »m- cntstL-iit, von fnuh'r Feuchtigkeit uml unreiucni Krflrei<h lu-riiilirr. Desshulh kmnnit durch den Nebel oft schwere Krankheit und für Manchen tU'v Tod, weil der Nebol (\]v Hrnst und das (leliirn versehrr nucii ot'rnials einen unreinen Flus» vom (iehirn nach 'lt*r Brust hiu uuftn ten lässt, der so bösartig ist, dnss er sich leicht in il« r Hrust zu einem <»eschwflr odt r Abmess «Mitwirkelt. Aus diesem ürunde soll man, wenn solcher Nebt ! lierrscht, sich im Hause halten und «He Schlaf- kammer und Wüliurfinnie sorgfältig verschliessen. Muss ab»>r ein Mensch zu solcher Zeit ausgehen, m mW er vorher essen und trinken, tianiir «lie Luft niclif in den leeren Leib kommt Der Nebi'l x luidet am meist. 'ii im .IiiH. zur Zeit <ler Sntninersnniiw ende und im September, weil daun der Dunst be8onder> «liir< liL^elnannt un«i leieltter nU son^t das Innere de« Menscheu durchdringen und ilurchfrc'säen kann.

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87* Vom Sonnenliof.

Man sieht oft einen blawen Kreis um die Sonne oder den Mond. Die Laien nennen ihn Sonnen- oder Mondhof. Der Kreb entsteht dadurch, dass die Sonne oder der Mond einen dünnen, durchnchtigen Dunst unter sich msamuiengeeogen hat, durch den hindurch man das Gestirn wahrnehmen kann. Durch die Mitte des Dunstes hat das €^8tim durch seine Wärme und sein Licht ein Loch gemacht und der etwas zusammengedrängte Dunst urogiebt es iu einem Kreise. Diesen Dunsifcrcns boMheint das Licht des Gestirns, wodurch der Eindruck hervorgerufen wird, als gehe ein bhisser Kreis um das Gestirn. Wird der Kreis nach der Peripherie hin zunehmend dichter und dunkler, so deutet es nuf baldigen Bogen, weil der Dunst sich zuzammenballt und in Wolken um- wandelt, die sich dann baldigst zu Regen auflösen. Wird der Hof dagegen nach dem Rande zu heller und tbeilt er sich oder zeigt Lacken nach oben oder den Seiten hin, so zeigt er Wind an. In griechischer Sprache heisst der Jlof Halo.

2S. Ton den Kebonsonnmi. Zuweilen sieht es so aas, als seien mehr wie eine Sonne am Himmel. Diese Erscheinung röhrt daher, dass sich unterhalb der wirklichen Sonne zu den Seiten sehr dicke Wolken angesammelt haben, und die Sonne mit ihrem Schein einige dünnere Partbieen der Wolken durchbricht. Der warme Schein drängt dann die Wolken nach allen Seiten In Form eines Kreises auseinander, so dass es aussieht, als befinde sich in den Wolken ein rundes Fensterchen, durch das die Sonne hindurchscheint. TriflEt dies zu, so scheint uns an solcher Stelle eine zweite Sonne zn sein. Wir nennen diese Erscheinung Nebensonne, und findet sie sich au mehreren Stellen, so zeigen sich mehr Sonnen wie eine. Die Nebensonne heisst griechisch Parhelios.

29. Ton den Sonnonstnblen«

Wir bemerken auch oftmals in der Luft lange Licfatstreifen, wie wenn Stränge vom Umkreis der Sonne nach der Erde hin tü^n, grade wie die Stricke, mit denen man auf der Reise ein Zelt aufsimnnt Dies geschieht, wenn sich die Wolken in wechselnder Art unter der Sonne in der Luft anordnen oder wenn Regen ein- treten will. Die Sonnenstrahlen durchbrechen dann die Wolken*

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«rfliilde um! werden von «ieii Wolken wie Ton Spiegeln roflektirt. \N t'iiii «lit's i^i'schit'lit, 80 sehen wir <lie .Süunt'ii.>trahlen wie Stränge inivr Srrirkc am der Luft und von der Sonne herkommen. Je Tirtcii Art der Wolken ei-^cheinen diese Streifen in wechselnder Färbung, grün, roth oder gelb.

90. Vom R«genbogeD.

Der Hej^idiuLT»'!! I iit-tt lif .liirch eine wimderljare Wieder- tij»ie^elmiL'' des .Sumu'iischtMii>- in ili ii \\ <«lken; wir wollen darüber Kinipew lnTitliten. wsih <lit» Natiirkiindii^en davon saijen. Was aber di''jeniirf 11 ( lolflirteii «hirülKT schreiben, der^Mi ir;nr/.«» Wiss»MiM liaft »uf d»'i- S|iit';^'«>lunjr nnd *lvv WiederspiepdiUi;i; IxTiilir und >lu- ilcii Namen l'civpfctivi führen, ;,'^t'ln"'irt nirht hierht'r /.ii unserer Kur/.wi'il. DtT Kegi'iibnirrn •'rschciin MiiimT als Halbkrt'i> »»der als Kreisubscdinirr und ist dojipclrcr Art. Die ♦■in«' Art ist weiss, <lio andere tnelii farhiLr. IKmi wt-isst-n Ki i^erdiogen bekuuunt man selten zu <ie3«ii ht. Jetloch habe irh einmal «inen im Hies bei der Stadt Nönilinijen irfsehen. an einem Mainnn-;;«»» na<'h SDniit iiaiifgang. Kr bildete einen vullkcniinenen lialljkr»'is un<l Ii;itt>' einen Anslflnfer nach Snden und einen zweiten nach Nonlen mler dem Nordjiol hin gerichtet. Der weisse Kegenboiren entsteht dadurch, dass der N\ tilkendunst am llininiel i:lei( liin;i<>i<j vertheilt. «lünn und mit einer s^ljr feine!) Peii(diti<:keir durc hsetzt ist. snila.ss, wenn der Dunst sich in \N a>>er uniuau'ieln würde, ausserht kleine 'i'rejd'rlieu lu•^ab^ie^ehl wfinlen. Kr wandelt sich aber nach nicht zu Wasser um. W(»nn dann «iie Sonne ihren Sclieitt direkt dagegen wirft, so firicht er sich sio eigentliümlich in den Wolken, und alle refL-ktirteii Strahlen hanimeln si«h zn einem starken Lichtschein, zum Abschnitt eines Kreises. Dadurch ers<dieint dann das Stück rein weiss. Ich will über diese Materii' iiit ht weiter reden, da sie nur h«»chgeU'lu ten Leuten verstAiidlich ist. die etwas v»»n «ier (Jestalt der Welt, der Natur des Liclitstrahles und anderen Dingen mehr wissen. Der bunte Hegenbogen hat <lreierlei Farbe. Die ausserste und zu edierst pdegene ist apfelroth oder auch dunkler roth, <lie dann ioli^end«' i*t grün, die drifte bläulich nnd häutig getheilt, so dass sie zur Hälfte weiss oder bleich erscheint, zur Halft»' g«db. Die Farben, und zumal die in <ler Mitte geh-genen, sijid so wunderbar, dass kein Maler sie vi\llig wiederzugeben im Stautle ist. Die drei Farben iiäu|ien von «b-r bejjon«leren BeschaÖenheit und Lagenmg der Wolken

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ab, io die das Sonnenlicht hineinJftUi E» müssen nemlicb an doer Stell« tehr zablraiche und kleine Regentropfen herabfallen und hinter dieser Stelle schwarze Wolken sieh befinden, sowie die Sonne direkt gegen die fallenden Tropfen anscheinen. Diese spiegelartige Anordnung ist nothwendig, damit die Sonne ihre Strahlen und ihr Bild darauf werfen und auch wiederspiegeln lassen kann, auch muss die Bewegung der spiegelnden Tropfen eine ruhige, und diese selbst mflssen rein sein, damit sie das Lieht der Sonne aufnehmen kOnuen. Ebenso sind auch die dunkeln Wolken hinter den herabrieselnden Tropfen nothwendij!:, um zu verhüten, dass die Ijchtstrahlen durch den Spiegel Iiindurehgehen und desshalb niclit auf der spiegehiden Fläche verweilen, grade so wie wir sehen, dass die Spiegelmacher die Bflckseite des Spiegelglases mit Rlei oder Pech bedecken. Es muss femer die Sonne der spiegelnden Fläche grade gegenüber stehen, damit diese ihr Bild aufnehmen kann und die schwarzen Wolken hintor den spiegelnden Tropfen das Sonnenlicht reflektiren können. Etwas Aohnlirhes sehen wir bei manchen Leuten, die kranke Angeii lii^fu. Sie sehen des Nachts bei Mondschein ihr eigPiiHs liild mit ihiit'ii zugekehrtem ( iosicht vorsieh, und wenn sie vorwärts gelien, so bewegt sich ihr Bild rückwärts vor ilinen her. Dies rührt davon her, dass bei solchen Tienten auf der Obertläclie des Augapfels si( Ii viel Feuchtigkeit angesammelt hat und mit <ler Luft in BerühiiinLj >t('ht. Von diesen beiden, dt;r Fcuclitigkeit und der Luft, wild tlas Bild <U'ö Mcn.scheii gegen den (Jesichtssinn retlektirt, der tiefer im Inneren des Auges liegt als <lie vorher er- wähnte Feuchtigkeit. Aus demselben Uninde ergeht us eiueni Trunkenen oft ebenso. Weil nun die Sonne yiel h5her sich be- findet wie die Wolken, so wirft sie ihr Bild nur oben auf die spiegelnde Fläche iu Form eines Kreises. Desshalb erscheint die Färbung und der Regenbogen nur oben an der spiegelnden Fläche und nicht überall, so gross und breit auch die von den fallenden Tropfen eingenommene Fläche ist. Es mfisete sonst die Farbe des R^^nbogens am Himmel die Gestalt einer halben Scheibe oder des Stückes einer Scheibe annehmen. Wisse auch, dass in den Wolken die leichtesten Theile, die sumeist aus leichtem, irdischem Bauch bestehen, die höchste Stelle einnehmen. Desshalb erscheint die oberste Farbe am Regenbogen hell und roth. Dann folgt wässeriger Dunst, der etwas grössere Tropfen bildet. Desshalb ist die zweite Farbe grün, denn durch wässerigen Dunst scheint das Licht mit

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gtOner Farbe. Wir .bemericen dies hftufig in einer warmen Stube, in der nasse Tfieher trocknen und die hvih sehr feucbt ist. Brennt in solchem Baum ein Keiaenlicht, so erscheint ein grüner Kreis um die Flamme. Ist dagegen die Luft nicht besonders wasserhaltig, so erscheint der Kreis weiss oder bleich. IMe dann folgenden Tropfen sind noch schwerer and grosser, and desshalb erscheint die Regen- bogenfarbe an dieser Stelle heller. Die grossen Spiegel kOnnen nemlich das Sonnenlicht in seiner Eigenheit bessa- aufiMhmen wie die kleinen, dsnim sind die, die grüne Farbe reflektirenden, spiegelnden Tropfen kleiner wie die, welche die gelbe, and grosser wie die, welche die rothe Farbe wiederspiegeln.

Im Sommer zeigt sich beim Mittagsstande der Sonne kein Regenbogen, weil das Sonnenlicht in den zerstreuten und hoch Aber unseren Beobachtungspunkt in die Höhe gezogenen Dünsten nicht reflpktirt werden kann. Zum Sichtbarworden eines Regenbogens gehören drei Dinge: Die Sonne muss auf der einen Seite stehen, der geeignete Kegenfall auf der anderen Seite stattfinden, und der Beobachter in der Mitte sieh aufhaken. Steht alier Soime hoch über unserem Hanpt. so lassen sich diese Redingunj^en nicht in entsprechender Weise erfüllen, im Winter dagegen, wo die Sonne am Mittag so geneigt und niedrig steht, kann zu jeder Zeit ein Ren^enbogen erseheinen. Wenn der Kegenbogen im Süden steht, so giebt es vielen Kegen, denn er zeigt au, dass viel wässerige Wolken iu der Lutt lainiittelbar über unserer Gegend stehen. Erscheint or dagegen im Norden, so deutet er auf mässigen Regen imd im Sommer auf Gewitter. Wird er im Osten sichtbar, so zeigt er schttaies Wetter an. ^ henst es in unserem lateinischen Text

Jetit haben wir Ton dem zweiten Element, der Luft und den wunderbaren Diugen gesprochen, die in ihr vor sidi gehen. Wir wollen nun weiter Ton dem dritten Elemente, dem Wasser reden.

9U Tom Wasser.

Das Wasser ist kalt und feucht und umgiebt das ganze Brd- reich. Kur an den Stätten, wo Menschen wohnen und andere Wesen, die ohne- Luft nicht ezistiren k&nnen, ist die Erde yom Wasser frei. Das grosse Meer, das die Erde umfliesst, heisst lateinisch Amphitrite, was auf deutsch das umhergehende Meer be- deutet. Dies Meer slrömt von Norden nach Süden, w«l die Erde im Norden hoher ist wie im Süden. Von diesem Meer iiiesst

Schvlt» K«iinid VM ll«gnbtr|*a Boeli 4er Xaiw. 6

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mancher Arm in manches Stück Land hinein. Die tiew&Bser des Meeres sind salzig oud nicht zu trinken, weil die Sonne sowie die übrigen Gestirne die meiste Zeit über dem Meere stehen und aus dem Erdreich des Meeresbodens irdischen Dunst herausziehen und mit dem Wasser vermengen. Dadurch wird es bitter und salag, und daas es wirklich sich so verhält, ersieht mau daraus: Wenn die Seeleute sich süsses Wasser herstellen wollen, das sie trinken und mit dem sie ihre Speisen kochen können, so nehmen sie einen grossen, aus Wachs gefertifrten Becher und ziehen diesen so lange durch (las Wnsser, bis das reine Wa!5?ser hindurchgeseiht und dit» erdigen BeinienguuL'-fMi draussen geblieben sind. DniiTi kann mau es gut trinken. l)eu Salzgehalt des Meeres erkennt m-xn auch daraus, dass ein grosses, beladenes Srhiö' auf Salzwasser sclnviuimt, ilas in süssem Wasser untergehen würile. In Folge des (Jelialtes au erdigen Bestaudllieilen ist uenilieii das SalzM'asser dicliter wie das süsse Wasser, ^laii kann das auch am todten Meere betd)aehten. dessen NN'asser aus ^l* luseiben Orun<le s(; dicht ist, dass ein au Händen und Füssen gebundener Mensch oder irgend ein gefejiseltes Thier oben auf seliwinnnt, weim man sie Inneinwirft. Es kann auch kein Fisch oder sonstiges Wasserthiei darin lebendig bleiben, desshalb heisst es auch das todte Meer. Kinigo Meere fliessen in einer Xaclit und einem Tage ein- o<ler zweinuil ab und zu. Dies kommt vom .Monde her, der ein Vater der l Gewässer ist. Kr hellt das duusthakige Was.ser, wie es das Seewasser und diesem älailiches ist, in die Hohe. Denn wenn der Mond über irgend einem Lande oder einer Gegend, wo ein Meer sirh l>ehndet, aufgeht, so wirft er .sein laicht schief auf da> 31eer, das Licht erhebt in F(dge dessen den irdischen Dunst uud durchwärmt ihn, so dass er das Wasser in der Breitenausdehnung des Meeres mit sich in die Höhe nimmt. Erreicht dann der Mond in seinem Laufe den Zenith, so wirft er sein Licht senkrecht auf das Meer uud zerstreut die irdischen Dünste in der Längenausdehnung des Meeres. Das Wasser sinkt dadurch wieder susammeu uud fliesst nach der Längsrichtung des Meeres hin ab. Es riecht dann sehr Abel nach den gebrannten irdischen DOnsten, die es in die Luft hat entweichen lassen. Ist darauf der Hond bis zu der SteUe seines Unterganges gelaugt, so wirft er sein lieht wiederum schief auf das Meer, und das Wasser steigt wieder, weil das Licht jetzt schwächer ist wie Torher, wo der Mond im Zenith stand. Weil er nun unter diesen Verhältnissen den Dunst

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nicht ans dem Waaser heraiuziehen kanu, so hebt er ihn nar unter 4lem Wasser in die Höhe und das Wasser mit ihm. Aus diesem Omnde muss das Heerwasser dann wieder ansteigen. Alle grossen OewSsser fliessen schliesslich ins Meer, einige nach Osten, wie die Kab, der Hegen, die Isar und die Donau, andere nach Westen, wie der Hain, der Bhein, die Bhone und andere Flflsse. Nun kann man sich wohl wundem, dass das Heer nicht Immerzu merklich wAchst. AVer einmal ist das Heer sehr gross und dann erstreckt sich auch die Kraft der Sonne und der übrigen Gestirne in be» deutender Weise auf das Heer und Terwandelt einen grossen Thdl <1o^ Meerwassers in Dunst. Audi fliesst viel Heerwasser in die Vei-riefiin^j^rn der Erde, wodurch die grossen 8eeen gebildet werden und «Ii«' stillstehemlcu Meere. Jedoch niuss man wissen, dass nicht alle schiffbaren Flüsse Ausflüsse des Meeres sind, denn etliche haben ihren Ursprung in den grossen Höhlungen des kalten und felsigen Gebirges. Dort wandelt sich nemlich der wässerige Dunst, der das Erdreich von 'lr>ii Tas^owasseru unH doni, auf einigen Bergen jnhro- lang lierrendon lun^i' iicr durchsetzt, zu Wassertropfen. Die Tropfen vereinigen sich dann ron einer IJöhle zur anderen, bis sie ein Bäch- lein bilden. Aus vielen kleinen Wasserlänfen wird schliesslicli ein grosser Bacli, und dieser wächst so lange, bis er sich einen Auswe;^ aiis dem Oehir^e sucht. Die Stelle seines Austritts wird dann die Quelle eines fliessenden Wassers oder eines Brunnens oder eines See s im (tebirire. Zuweilen findet aber der Austritt des Wassers auch entfernt vom Gebirge, ein, zwei oder mehr oder wenii^er Heileu weit, in einer Ebene statt. So entspringen die Bäche unil die Brunnen. Jedoch wollen wir die wunderbaren Brunnen erst im letzten Abschnitt dieses Buches besprechen.

Du sollst ferner wissen, dass das Wasser seinen («esclunaek und seine Eigenart dem Erdreich eutninunt, das es durchtliesst. Dessbalb findet man einige Gew&sser salzig schmeckend, die durch salzhaltigen Boden fliessen, andere sauer, noch andere, die sumpfigen Omnd haben, you moorigem Geschmack. Auch von Hetallen und dem in der Erde Torhandeuen Schwefel nimmt das Wasser sehr leicht einen Geschmack an. Besshalb riechen die heissen Quellen, die man Wildbäder nennt, nach Schwefel, weil das Wasser durch brennendes, schwefelhaltiges Erdreich hindurehfliesst, wodurch es sich erhitzt und den übelen Geruch annimmt. Hau weiss dies daher, dass mit dem Wasser h&uiig Schwefelstflcke ausgeführt werden, und

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desshalb zieht solches Wasser auch die Feuchtig^Eeit auB, die zwiechen Haut uud Fleisch sich findet. Zuweilen eutspringen zwei Gewässer nahe bei einander, von denen das eine heiss, das andere kalt ist. Die Wasseradern beider liegen im Gebirge weit toq einander ent- fernt, treten aber an einer gemeinschafr Hohen Stelle aus der Erde hen or. Das Wasser einiger Quellen ruft bei den Leuten die Kropf- krankheit horvor, wie denn in Käruthen viel Kropf kranke sich finden. Der diesem Wasser beigemengte irdische Dunst ist nemlich zäh und hat die Eigenheit, dass er sich in den (i'efässen des ITnises ansammelt, diese auftreibt und so den Hals kropfig werden lässt. Desshalb ist es sehr thöricht, wenn ein Reisender allerorts da» Wasser versucht. IHe tiefen Brunneu sind im Sommer kalt uud im Winter warm, weil zur Winterszeit die wannen Dünste in da» Erdreich hineinziehen und die Erde im Innern erwärmen; im Sommer dagegen treten sie heraus und das Erdinnere bleibt kalt. Dasjenige Wasser eignet sich am besten zum Getrftnk, welches durch Felsen uud Sandboden flicsst, denn es ist leicht und rein, eröffnet den T.eib und befördert die Entleerun^r des liarns. Wasser dagegen, welches durch kupferne Köhren ^elritet wird, ist sehr schlecht und schädlich, besser ist <1ns durch Bieirölir^n «geführte, das beste aber dasjenige, welches dnrcii Köhren von Fichtenhol/. geleitet wird, denn «las Holz ist sehr lufthaltig. Von allem Wasser ist reines Regenwasser das gesundeste, weil es leicht und süss ist und vom Magen leicht ver- daut wird. Es wird auch leicht kalt und leicht warm. Es bringt auch Durchfälle zum Stehen, und wenn es iu einer Cisterne ^'tAi beiludet und klar geworden ist, so stärkt es den Magen und scliadet ihm nicht. Diejenigen (unviUser, welclie ini Küden oder Osten ent- springen oder von wannen Bergen herabfliessen. gleichen «lom Regon- wasser und sind gesund. Die schädlichsten dagegen sind die im Westen oder Norden entspringenden, denn sie erzeugen Steine in den Niereu und der Blase uud machen die Frauen unfruchtbar. Sie machen auch den Menschen träge und unlustig, verhiudern bei Kranken den heilsamen Au>ljriich des Schweisses, rufen Durchfall hervor und erregen Erbrechen und L nverdaulichkeit. Das gewöhn- liche Wasser besitzt eine ganze Reihe von Eigenschufteu : Ks reinigt uud führt die Unsauberkeit fort, es fliesst bergabwärts, es verlässt seine Mutter niclit, tleun es fliesst zum Meere zurück, es folgt deui grossen allgemeinen Zuge aller Gewässer zu einer gemeinschaftlichen Vereinigung, es ist ein Bestandtheil der Erde, es macht die Strassen

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kotfaig, ea iat armer Leute Getränk, es ist klar und vie tm Spiegd,

in dem man sich besehen kann, es behält die Spuren der Schiffe nicht, es verlöscht das Feuer, es vertreibt den Durst und wird nicht dick, wenn es fär sich und nicht durch andere Dinge verunreinigt ist. Dieselben Eigenschaften besitzt eine reuige, bekehrte Seele, ihnen soll ein weiser Mensch nachzustreben suchen.

Das l5bUehe Wasser hat zwei besondere Eigenschaften. Die «rste kommt von ihm selbst und seiner eigenen Natur. Die zweite ist durch seinen Ursprung bedingt. Aus sich selbst hat es die Rein- heit, die Feuchtigkeit und die Kälte, sowie die Färb-, Geschraack- und Gcruchlosigkeit. Denn besnsse es eine dieser letzteren Eigen- schaften, so wärt? es kein reines Wasser, sondern mit anderen Elementen versetzt. Galenus sagt, dass mau das reine Wasser durch drei Sinne erkenne: Mit dem Gesicht, weil es völlig durch- 8ichti<^ und «ranz rein sei, durch den Geschmack, weil es weder sauer noch su:^» ist und keine andere Geschniacksempfinduntr wie die der Kalte und Feuchtijj;keit liervorruft. Mit dem (Teruehssinn. den man auch dea Gerudi alh.'iii nennt, erkennt mau es auch, denn es hat keinen, mit der Nase walirnehnihareu Geruch. Der Helehrte Isaak giebt an, wie man erfahren kann, welches Wasser scliwerer und welches leichter sei. Er sagt: Wenn mau ein leinenes Tuch iu zwei gleiche Hälften theilt, diese dann in zweierlei verschiedenes Wasser taneht und rie nach dem Ausdrücken mit den Händen neben einander aom Trocknen aufhängt, so ist das In dem enerst trock- nenden Tuche befindliche Wasser das leichtere. Hippokrates be- zeichnet das Wasser als das reinste, welches in kurzer Zeit warm und kalt wird. Galenus hält sfisses Wasser fflr wassersfichtige Leute am schädlichsten. Stehendes Wasser ist weniger gesund, wie fliessendes, weil es aus dem Boden, auf dem es steht, böse Dfinste aufnimmt. Galenus giebt auch an, dass kaltes Wasser Geechwttre cum Aufbruch bringe. Wenn mau aus kaltem Wasser sehr kaltes machen will, soll mau es erwärmen und dann stehen lassen, dann wird ea sehr kalt Isaak spricht, dass auf Schnee gekfihltes Wasser besser zu goniesaen ist, wie der Scliuee selbst und dass es weniger aohadet. Ein Brunnen reinigt mit seinem Wasser andere Dinge und bedarf doch selbst oft der Reinigung. So ergeht es auch mit manchem gelehrten Manu, der andere Leute tadelt und doch selbst oft Tadel verdient. Angewärmtes Wasser gefriert schneller zu Eis, wie kaltes. Bas warme Wasser ist nemlioh durch die Wärme iu

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seinen einzelnen Theileu lockerer und feiner vertheilt, und lässt deesbalb die Kälte schnell eindringen. Aus diesem Grunde be- giessen die Fischer im Winter ihre Garne und Netze mit warmem Wasser, wenn sie sie an den Enden beschweren wollen. Oaleinis sagt, dass das süsse Wasser die Glieder weich utid zitterig macht, wie wir bei den Badknecbteu und Badfrauen bemerken können.

33. Vom Erdreich.

Das vierte und alleruuterste der Elemente ist das Erdreich. jSs ist vom TTimrael dreihundertneuntausend dreihundert und füul- undsiet)7.i^^ .Meilen entfernt. Das haben viele heidnische und christ- liche Gelehrte bestätigt. So sagt unser lateinischer Text, und weiter- hin hei<?st es, dass Niemand dies für eine filsche Behauptung und frevelhafte Rede halten darf, denn es ist mit grosser Arbeit und unter Zuhülfenahme sinnreicher Instrumente von den Stemsehem gefunden. Gewöhnliche T.ente aber, die wenig wissen, fertigen manche lange Wahrheit mit einem kurzen Oelrtchter ab. Sie glauben es auch nicht reolit, dass man ausserhalb der Stadt auf dem Felde die Höhe eines Thumies in der Stadt mit HültV- einesi Spiegels bestiTniiKMi kann, und ilocli ist es so. Ebenso findet man auch die Entfernung des iiimmels von der Erde. Die Erde ist das dem Menschen passlichste Element, denn er wolint auf der Erde wie Gott und die Engel über dem Himmel. Die Erde nimmt den Menschen bei seiner Geburt, wenn er zuerst in die Welt kommt, auf und trä^t den Neugcboruucu. Nur die Erde ist dem Me;i>i lien nicht feindliidi gesinnt, die anderen Elemente dagegen scliadigeu ihn oft, denn das Wasser ertränkt den .Mensehen, die schlechte Luft tödtet ihn irleiclifalls und das Feuer verbrennt ihn. Die Erde ist von Natur k.ilt und tiui keii, ausserlich unanselinlich und birgt doch in ihrem Inneren viele schüue Dinge, wie die Edelsteine und kost- baren Metalle. So besitzt mam her demüthige Mensch innerlich einen grossen Schatz. Das Erdreich ist sehr fruchtbar, denn nur auf der Erde können Früchte wachsen. Wie viel Meilen der Um- fang der Erde beträgt und die Grösse ihres Durchmessers findet man in meiner deutschen Sphaera angegeben, ebenso auch den (irund, wesshalh die Erde nicht unter unseren Füssen weg auf den Himmel füllt. Das Erdreich zerfällt in drei bewohnbare Erdtheile. Der erste heisst Asien, er erstreckt sich von Süden durch Osten zum Norden hin. Der zweite heissi Europa und geht von Norden nach

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Westen. In diesem Erdtheil wohnen wir. Der dritte erstreckt sich von Westen bis Süden. Asien allein nimmt die Tfälfte der bewohn- baren Erde ein. Wie das Herz mitten im Thierkörper, so liegt die HöUe mitten in der jSrde. So sprechen die heiligen Lehrer.

33. Tom Erdbeben.

Es ereignet sich oftmals hier und dort, dass die Erde erbebt, 80 (lass die Bur2:on niederfallen und oft ein Ber<x at>f den anderen stürzt. Die gemeinen Leute wissen nicht, woher das kommt und deshalb fabeln alte Weiber, die sich <^rossor Wt'islieit nilimt'n. es gälie einen grossen Fisch, CoU'! )rant geheisstni, der seineu bchwanz im Mumie halte und auf doni die "Rrde rulio. Wenn er 'sich nun bewege oder umdrehe, so bebe dio Erde. Das ist ein Riesenmürclien und nicht wahr, und erinnert sehr an dio jüdische Sage vom Ochsen Behenioth. Wir wollen deshalb angeben, wie es sich mit dem Erd- beben in der That verhält uud welch wunderbare Folgen es luil)en kann. Das Erdbeben entsteht dadurch, dass sich in deu unter- irdischen Uöhleu uud namentlich in hohlem Gebirge viel irdische Dfinste ansammeln und schliesslich in solcher Menge, dass sie in den Höhlungen nicht verbleiben kdnnen. Sie Stessen desshalb fiberall gegen die Wftnde an, fliegen ans einer HOhle in die andere nnd nehmen so lange zu, bis sie ein ganzes Gebirge ausfüllen. Das Zunehmen der Dfinste verorsacht die Kraft der Gestirne, besonders des Streitgottes, der Mars heisst nnd des Helfraters oder des Jupiter wie auch des Satumns, wenn sie in Constellation stehen. Wenn nun die Dfinste lange Zeit in den Höhlen rumoren, so wird ihr Andrang schliesslich so heftig, dass sie mit Gewalt nach Aussen durchbrechen und einen Berg auf den andern stfirzen. Vermögen rie nicht durchzubrechen, so verursachen sie doch eine heftige I^rd- f'rs( lifltterung. Es giebt zwei Arten des P>dbebens. Entweder der Erdboden schwankt langsam wie ein Schiff hin und her, und solches Erdbeben ist für Burgen und andere Baulielikeifen weniger gefährlich. Die Dünste schieben dann die Erde in kräftigem Andrang vor sich her uud lassen im Brflngen wieder nach, grade wie wenn ein Mensch den andern drängt und wieder zurfickzieht. so dass eine Bewep;img wie die einoi? auf dem Wasser pchwankemlen Schittes zu Stande kommt. Uder «lio Erde erzittei-t in sclnK-llen Stössen, wie wenn einer den andern mit d*>n Iiiinden srhiirt-'lr. l)ii>>; ist für die Ge- bäude sehr gefährlich, denu davon stürzeu die Mauern ein. In

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solchem Fall jagt ein Dunst den Ändern und stösst ihn rasch von einer Seite zur andern. So schüttelt sich wohl ein Mann, nachdem er sich seines Hnrn«i entledigt hat, und nun die kalte Luft in den Leib hinehizieht und dabei die wannen Geister im Körpnr hin und her jagt, so dass er sich schütteln muss. Dass es sieh in iler Tliat so verhält, finflen wir aii^i deutlichen Anzeichen. Erstens saust und zischt es in der Hrde vor einem Erdbeben (ift so stark, als zischten da liunderttausenti Schlang-en oder es brüllt darin, wie wenn ;rreuliche Ochsen brüllten. Dies rührr davon her. dass der Dunst in der Erde sieh in Bewegung setzt und durcii nl)o Spalten zwängt, die ihm im Weire stellen. Es ist grade i?o, wie wenn W ein aus eiih iH verspundeten, huizernen Fässchen anstliesst: die Luft dringt dabei durch die ougen Fu^'en ein und verursacht ein sausendes Geräusch. Sind die Spalten iu dt-r Knie lang und weit, so hört es sich an wie der Ton eines grossen lleerhorns. Zweitens verdunkelt sich die Sonn»» über Tag oder f<är)it sich roth, weil der dicke irdische Hauch zwischen die Sonne und unsertMi Beoltachtungsort in die Luft auf- gefahren ist. Drittens wird die Luft vor oder nach einem [Erd- beben so vergiftet, dass viele Leute daviui sterben. Wenn uämUch der irdische Dunst lange Zeit unter der Erde abgeschlossen bleibt, so veriauit er und winl sehr giftig. Wir sehen das bei lange zuge- schüttet gewesenen Brunnen. Wenn man sie zur Reinigung wieder öffnet, sterben häufig die ersten Arbeiter, <lie zum Reinigen hinein- steigen. Das luit man oft gesehen. Auch bei den liergkua})pen kommt es vor, dass sie beim Einfahren schwiudlich werden und umbertaumeln wie Betrunkene, obwohl in diesem Falle der Dunst gar nicht lange an einer Stelle eingeschlossen war, da die Schächte offen sind. Grosse Diuge ereigneten sich durch das Erdbeben, weichet im Jahre 1348 nach Christi Geburt am Tage Pauli Be- kehrang die Stadt YiUach in Eftrothen heimsuchte.^) £s kamen in dieser Stadt viele Mensohen um^a Leben, Kiiehen und Häuser stOrsten ein und ein Berg auf den andern. Das Erdbeben geschah um die Vespei-zeit und war so stai^ und ausgedehnt, data es sich Aber die Donau hinüber bis nach Mfthren und naeh Baiem herauf bis jenseits Regensburg erstreckte. Es hielt über Tienig Tage lang an, denn nach dem ersten Hauptstosse erfolgten nach Tagen und

Per folgende Bericht i-^f vnn iHSomlcrciii Interesse in r;ü( l>ti lit nuf das gewaltige, noch in Aller Cie<liiohtiii>s lietiiuUiche Krdb^bei), das deuselben Landstrich im vergaugeueo Jahre heimgesucht hat

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Wochen noch kleine Stösse. Ein Jahr darauf kam es in demselben Gebilde am Hauet Stephanstage wiederum zu einem deutUoh wahr- nehmbaren Krii))<'l<eu. Bedenke, das» der Dunst, der in dem groMen Gebirge elngeschlotieD war, sich lauge Jalii e hindurch angesammelt hatte! Ab er nun in die Luft hinaus durclibrnch, war es natürlich, dass er sie jeuseits des (»ebirges auf viele hundert Meilen weit ver- giftete und ebenso auch diesseits in grosser Ausdehnung. Es wurde bald deutlich, denn in demselben wie nnch in dem nächsten Jnhre erfolgte das grösste Sterben, das jo jiach uiul vielleicht auch vor Christi Geburt dagewesen ist.-) In den am Meer helfj^oneu Städten, wie zu Venedig, Marseille, durch ganz Apulien hin und zu Aviirnon starben T.cnto ohne Zahl. In dem ersten Jahre des grossen Krtl- bebens war der JaniaitT «sio ?ro«»3, Am^ Pah>t Ch-mons fier Sech»»te eine neue Todtennif-^s*' aiiur'hiete, (iott auzutlehen, er möge sich über das Volk trharmou. Die Messe begann mit den Worten: Reconlare Doniiin' tosfjiiiicntt tni! Tu diesem Jahre starben sehr viele Menschen im (ul irire wie aurh in der Ebene in einigen Städten. Besonders gross war atior im folgenden Jahre die Zahl der Todesfälle in der Stndt Wi»>n in Oestreieh, dass man vom Sonnweufljätat;»' hjs zum ra<r«' Mariae (ielmrt mehr als vier7j«;tan»*»nd I^ielieii uiul ihinihcr in der einen Sta«h Wien nllein /älih»'. Das Sterben erstreckt«' sieh weiter nach liaieru liinrin hi» über die Statlt Passau hinaus. Dafflr, dass dies allgemeine St«'rbeu von der v»'r- gifti'ten Luft herkam, sprt clien für mich viele l instände. Zunächst iH'L'ann «las St» rlicu itn (ichirire und in den Seestädten. Dort nämlich war lU-r Dun.>»t tun htarksten und am giftigsten, weil das Meer die Luft in de!» Höhlungen der Erde in seiner Nachb.nrschaft einge- schlosnen un<l sie dick und feucht gemacijt hatte, so dass sie durch und ilurch verfauhe und deshalb auch das Wasner vergiftete. Weiter bekamen die von der Seuche befalleneu und an ihr sterbenden Leute Geschwöre unter den Achseln, und in den Geschwüren fand man dicke Ma<len. Hielten die Ger»chwllre einige Tage an, so fand noh nichts darin, als Duust mit einer bösartigen Flflwigkeit Die 3leu»chen hatten die vergiftete Luft In eich aufgenommen, dieee blieb in der Broat um daa Hera herum, und die Natur, die dem Ileraen ur Hülfe kommen wollte, trieb dat Gift nach den Aehael- grubm Inn, wo tich dann die OenchwOre entwickelten. Vermochte di»Xatnr «len giftig<>n Dunst nicht gehfVrig auszutreiben, to fnft er

') ber M-hwar^i' T<k1.

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das Herz nn iiud erstickte die Menseheu. Desshalb starben namentlich jiniLce, zarre Individuen in grosser Zahl und besonders viel junjre Frauen. Drittens schadete die tödtli< lie Senclie in dem Jahre nach dem grossen Erdbeben den Leuten nur wenig, die iu einiger Ent- fernung von dem Gebirge in liocli gelegenen Orten wohnten. Als sich die scliwere giftige Luft vom Gebirge erliubeu hatte, senkte sie sieh bald zur Erde abwärts und desshalb blieb die Ijuft in der Höhe reiuer wie in den Thälern. Viertens herrschten ini Herljst und Winter beider Jahre viele dichte, sehr l)renzlich riechende Nebel, weil sich der irdische Dunst in der Lufr in Nebel umgewandelt hatte und so dicht wurde, dass er sich zur Erde senkte. Er war besonders für die Leute gefährlich, die ihn Murgeus nüchtern eiu- athmeten. Desshalb hielten vorsichtige Leute sich in ihrer Wohnung, durchräucherten sie mit wohlriechenden und kostbaren Dingen und asseu und tranken frühzeitig, damit die schädliche Luft ihren Köqier nicht nflchtem betraf. Sie hüteten sich auch^^ zu den Siechen zu gehen, damit der vergiftete Athem d«nelben und ihre tödliche Aiu- dflnatung nicht in sie hineinzöge. FOnftenB schwammen die Birnen auf dem Wasser, die in anderen Jahren untersanken. Dies kam daher, dass der giftige Bunst sie TiJllig durchpressen hatte, so daas sie viele Luft in sich aufnahmen und desshalb auf dem Wasser schwammen. Darum war das Obst auch schädlich, wenn man es nicht sorgföltig kochte oder briet. Ebenso durchsetzte die schädliche Luft auch das Herz der Menschen, und wenn sie es merkten, war das Unglflck da. Die Wahrheit war Tielen Leuten yerborgeu, und einige behaupteten, die Seuche rfihre ron einem besonderen Stern her, so lange er sichtbar bleibe, mfisse auch das Sterben andauern. Das war weit ab vom Ziel gerannt! Wir wissen wohl, dass Alles, was in den vier Elementen sich ereignet, von der Kraft der Gestirne abhängig ist Man muss aber dabei angeben, in welcher Weise sie Dies oder Das herbeif flhren, ob mit Hitse oder Kälte oder sonstwie. Auch war es weit vom rechten Wege ab, wenn sie sagten, das Sterben dauere so lange, wie die Sterne sichtbar seien und ihre Constellafion anhalte. Denn die Constellation der am langsamsten sich bew^enden Sterne, wie des Jupiter und des Saturn dauert nur ein Jahr, alle andern verlaufen schneller. Nun dauerte das Sterben leider länger wie ein Jahr. Jedoch woBte icb diesen Weissagungen nicht entgegen sein bis jetzt, wo wir das Jahr 1349 nach Christi Geburt schreiben. Ich sage desshalb: Die Seuche hält so lange an,

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bis der vergiftete Dunst die Luft geräumt hat, und das geschieht von Tag zu Tag. Das wirkliche Ende weiss aber kein Lebendiger auf Erden. Andere sagten, dio Seuche kilnie von Gottes Gewalt. Sicherlieh, das war rieliti<r. dvm\ alle Dinge wirken im Willen Gottes, ausgenommen die Werke des Sünders, der scliafft (iott ent- gegen und sein Thun ist ohne Gott. Ich erlaube mir abt-r zu be- hau])ten, das« (tott die Erde in einem Augenblick, ohne irgend weleliu Seuche zur Hülfe zu nehmen, zerstören kann, wann und wo er will. Aber er that es nicht zu dieser Zeit, denn alle, die früh- zeitig ans jenen Gegenden flohen, kamen mit dem Leben davon. Auch alle den Kittern, die mit König Ludwig von Ungarn^) in Apalien waren, um seines Bruders Tod zu rächen, und schon früh am Tage nmeü und tranken and sich nichts abgeben liessen, ge^ •chah xiichtB. Diejenigen aber, die nach Art der Welseben sich nicht oidenüich satt assen, starben, wefl die giftige Luft ihren Körper durchdrang. Ich weiss aber wohl, dass Gott den Satten ebmiso gut treffen kann, wie den Hongrigen. Dritte endlich be- haupteten, die Juden hätten alle Brunnen Tergiftet um die Christen«- welt auszurotten. Man fand in fielen Braunen mit Gift gefüllte Sftckchen Tor, und es wurden unsflhlig Tiele Juden erschlagen, am Rhein, in Franken und allen anderen deutschen Lindern. Wahr- haftig ich weiss nicht, ob einige Juden das gethan haben. Wftre es der Fall gewesen, so hätte das Grundflbel darin allerdings eine Unterstützung gefunden. Auf der anderen Seite aber ist mir wohl bekannt, dass in Wien so viele Jmien lebten, wie in keiner anderen mir in Deutschland bekannten Stadt, und ihrer so viele an der Seache zu Grunde gingen, dass sie ihren Friedhof beträchtlich er- weitern und zwei Häuser dazu kaufen mussteu. Es wäre doch eine Thorheit gewesen, wenn sie sich selbst vergiftet hätten. Indess will ich die Bosheit der Juden nicht beschönigen, denn sie sind unserer lieben Frauen und aller Christen Feinde.

Das Erdbeben bewirkt viele wnnderl>are Din^e. Erstens werden von dem. beim l"!rdb*'lH>n aut^tciu-fTnlcii Dunst vielfai h 3Iensohen und Tluere in Steine \erwandt'lf, lu'sundfrs in Salzstein, und namentlicli im (Tobiruf und in der Nahe von Salzbergwerken. Es ist dif >iark»', übermächtiije Gewalt <lfs Dunstes, der die Thiere so verwandelt. So lehren die Meister der Naturwissenschaft,

1).T S.ihti K;irl K..herts mn Aiijou. Sein Bruder Andreas war 1345 ▼On seiuer eigeueu GemalüiD Johanna ermordet worden.

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Aviccnna und Albertus. Ebenso orziihlte mir Herr Biterolf, der Kauzler Herzog Friedrichs von Oesterreich, dass vordem auf einer hohen Alpe iu Kärnthen wohl füufzig Hauj>t Menschen und Rinder in Stein verwandelt wären, und dass die ViGliniasr«! nocli unter einem Kinde mir tMin'in Handschuh au tler Hand (hisasse wie in dem Augenblick, wn Ix i ii zu Stein wurden. Zweileus fahren bei eiueni Erdbeben t)ttmais Flammen und glinuuende Asche aus der Erde hervor, die Häuser, Dörfer und StSdte verbrennen können. Es kommt dies daher, dass die Er<le mwi ndig brennt. Drittens wird häufig^ während des Erdbebens Saud und Staub in Mengte aus der Erde herausgeschleudert, so dass ein ganzes Dorf verscliüttet werden kann. Die Erde ist nemiich au einigen Stellen inwendig sandig und staubig, darüber liegt eine starke, feste Rinde und diese hindert deu Dunst und hält ihn fest, su dass er nicht herausschlagen kann. Endlich ist tier eingeschlossene Dunst oft